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So finster die Nacht; der Mond von Wolken bedeckt. Lediglich die flackernde Laterne am Ende des Parks, bringt einen Funken Licht in die Dunkelheit, welche mich so fest umklammert. Die Bank auf der ich sitze ist feucht; feucht vom leichten Regen, welcher sanft auf meine Haut fällt. Das Holz ist weich, von Maden zerfressen und es herrscht jene absolute Stille, die mich in ihrem Bann gefangen hält. Mein Atem ist ruhig, mein Blick ist starr auf den sandigen Weg vor mir gerichtet und meine dreckigen Fingernägel kratzen langsam die beinahe schon glitschige Oberfläche der Holzbank ab.

Ich fühle nichts; ich bin alleine, aber nicht einsam; ich werde nass, doch mir ist nicht kalt. Alles ist finster, meine Seele stirbt und ich empfinde keinerlei Emotionen. Da! Ein Geräusch... Schritte. Sie werden langsam lauter, jemand kommt auf mich zu; ich schaue auf. Die Konturen der Person ziehen wie ein Schatten an mir vorbei. Die Frau ist noch jung, zwanzig vielleicht. Scheint von einer Feier zu kommen, so wirkt sie jedenfalls auf mich. Ein knappes Outfit ziert ihren kurvigen und makellosen Körper, ihr Gang hingegen wirkt ungalant und wackelig, vollkommen unpassend zu ihrem damenhaften Äußeren.

Anscheinend hat sie zu viel getrunken. Der Geruch von Parfüm steigt mir in die Nase, doch ihr Duft enthält auch eine weniger reizvolle Note; eine Mischung aus diversen alkoholhaltigen Getränken wie Jack Daniels und Captain Morgan. Auch scheint sie einige süße Liköre zu sich genommen zu haben, ein Wunder, dass sie überhaupt noch laufen kann und das in diesen hohen Schuhen. Ich erhebe mich von der Bank; meine Glieder sind schwer, mein Atem immer noch ruhig, als ich einen Fuß vor den anderen setze.

Die Emotionen sind weiterhin wie eingefroren. Ich folge der Frau, sie selbst bemerkt mich noch nicht. Der Alkohol hat ihre Sinne getrübt. Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung einige sehr nützliche und auch teilweise bemerkenswerte Instinkte eingebüßt und solcherlei Dinge wie Alkohol töten auch den letzten gebliebenen Instinkt ab und verwandeln uns Menschen in wehrlose Stücken Fleisch, die nicht einmal mehr einen Hauch von evolutionärem Fortschritt vorzuweisen haben. Ich sehe sie an, wie sie torkelnd und laut vor sich hin nuschelnd über den knirschenden Sandweg stolpert.

Meine Schritte hingegen sind leise, mein Atem ganz flach und mein Mund versiegelt. Ich bin wie ein Phantom der Nacht; wie ein Wolf, der sich an seine Beute anschleicht. Nun wird mein Gang schneller, mein Atem bleibt weiterhin ruhig. Allerdings knirscht der Sand nun unter meinen Füßen, als ich das Tempo anhebe. Sie hat mich bemerkt, woraufhin auch sie das Tempo anzieht. Ich tue es ihr gleich, werde immer schneller, gehe nicht länger, sondern laufe und bald schon geht jenes Laufen in ein Rennen über.

Die Frau dreht sich irritiert um und sieht mich auf sie zulaufen. Ich kann den Schrecken in ihrem blass werdenden Gesicht erkennen, als ich sie zu Boden reiße. Verzweifelt versucht sie sich zu befreien, doch mein Griff ist viel zu fest. Nüchtern hätte sie sich in einen Zweikampf schon schwer getan, doch in ihrem jetzigen Zustand ist sie in keinster Weise eine Herausforderung für mich. Sie beginnt ihre Finger in den sandigen Boden zu krallen und ein leises Wimmern dringt an mein Ohr. Mein Atem ist immer noch ruhig, die Emotionen sind weiterhin wie ausgestorben. Ich fühle nichts; kein Bedauern, keine Lust, kein Mitleid und nicht einmal den Wunsch diesem weiblichen, wunderschönen Wesen etwas anzutun.

Meine Hand gleitet in meine Tasche und greift nach dem Messer. Der Griff ist eiskalt, die Klinge scharf und spitz. Langsam atme ich ein, versuche meine Atmung konstant zu halten und schließe die Augen. Nun atme ich aus und mein Arm schnellt wie die Luft, welche ich aus meinen Lungen stoße, nach vorne und versenke die Klinge in ihr weiches Fleisch. Den kurzen Aufschrei unterdrücke ich, indem ich meine Hand auf ihren Mund presse, doch er verstummt bereits nach wenigen Sekunden. Das Zappeln lässt nach, der Atem wird schwächer. Meine Finger streichen über ihre zarte Haut, warmes Blut läuft über meine rechte Hand und in dem Moment, in dem die flackernde Laterne in der Ferne entgültig erlischt, hat sie ihr Leben ausgehaucht.

Nun sitze ich in absoluter Finsternis und ein lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Mein Atem beginnt sich zu verändern, er wird schneller und die Emotionen - die Emotionen beginnen zu fließen. Ich kann wieder fühlen und das Gefühl ist gut. Es ist wie ein Rausch und es durchströmt mich eine schier endlose Welle purem Glücks. Meine Hände sind blutverschmiert, die Klinge des Messers rot gefärbt. Ich knie mich über den leblosen Körper, blicke in die kalten, seelenlosen Augen, die mich anzustarren scheinen und in dem Moment bemerke ich, wie all das Glück, welches ich empfinde, aus jeder Pore meines Körpers zu entweichen scheint und die Emotionen zu verblassen beginnen.

Wer ich bin? Ich bin ein dunkler Engel, gefangen im Limbus, verdammt bis in die Ewigkeit. Meine Seele steht in Flammen, mein Herz ist zu Asche verbrannt. Ich bin gefangen in dieser Welt, kann nicht klar denken und kann nichts mehr fühlen. Als ich wie ein Geist wieder in der Dunkelheit verschwinde, lösen sich die Emotionen in meinem Leib in Rauch auf und nur jener Stoß kann sie wieder zum Leben erwecken, damit ich mich für einen kurzen Moment wieder wie ein Mensch fühlen kann...

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