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Ich bin bereits seit meiner Geburt blind. Diese Tatsache an und für sich, ist nicht das worum es hier eigentlich geht, jedoch ist es ein wesentlicher Teil dieser Geschichte. Im Laufe meines Lebens habe ich schon unzählige unterschiedliche Hilfs-Technologien verwendet: Blindentastaturen, Sprachsteuerungssysteme, behindertengerechte Smartphones… Kürzlich habe ich die menschliche Echoortung zum ersten Mal in meinem Leben ausprobiert. Für all diejenigen von Euch, die nicht wissen was das ist: Es handelt sich um eine Technik, die darauf basiert, wie Fledermäuse ihre Opfer in der Dunkelheit finden. Man macht Klickgeräusche mit dem Mund. Dann ist man in der Lage zu hören, wenn sie von Gegenständen abprallen und reflektiert werden. Auf diese Weise „sieht“ man wo Dinge sind. Eine Freundin von mir, nennen wir sie J, hat eine Menge Videos darüber auf Youtube gesehen und mich gefragt, ob ich das jemals versucht hätte. Ich verneinte, auch wenn ich darüber schon einiges gehört hatte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich entschied mich es auszuprobieren. Anfangs kostete es mich eine Menge Konzentration, doch nach einigen Tagen hatte ich den Bogen langsam heraus.

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Als ich J das nächste Mal traf, und erzählte, dass ich immer besser wurde, klang sie extrem aufgeregt und gratulierte mir überschwänglich. Übung macht den Meister und ich war imstande allen wesentlichen Hindernissen ohne größere Schwierigkeiten auszuweichen. Wir gingen in den Park und J bat mich zu demonstrieren was, um uns herum, ich mit meinen derzeitigem Übungsstand „sehen“ konnte. Ich lachte und erklärte, dass ich nicht gerade ein Überflieger sei, es jedoch gern auf einen Versuch ankommen lassen würde. Nach ein paar Klicks sagte ich ihr, dass da vermutlich eine kleine Mauer oder ein Gebäude links von uns sei und irgendetwas Riesiges vor uns. Ich konnte es nur „verschwommen“ ausmachen, also vermutete ich, es würde sich um eine Art Busch handeln. J wurde still, und ich hörte einen Anflug von Besorgnis in ihrer Stimme, als sie erneut sprach: “Nun, mit der Wand liegst du richtig, aber vor uns ist überhaupt nichts. Nur…. Rasen.“

Ich erstarrte. Ich wusste, dass ich ein Anfänger war, was diese Technik anbelangte. Aber der Klang prallte ganz eindeutig von etwas ab. Es war sehr viel größer als ein Mensch und nur wenige Schritte vor uns. Konnte ich mich dermaßen geirrt haben?

Ich entschied es mit einem Lachen ab zu tun und sagte scherzhaft, dass ich wohl noch nicht bereit dazu wäre hinaus zu gehen und mich gegen das Unheil dieser Welt zu stellen. Mit einem ziemlich unbehaglichen Gefühl in der Magengegend, manövrierte ich uns eilig weg von dort und dann spazierten wir noch etwas weiter. Als sie mich später wieder zu Hause absetze, schien sie den Vorfall längst wieder vergessen zu haben. Ich aber bezweifle, dass ich das jemals tun werde…

Original: Human Echolocation

Übersetzt von: Sicanda

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