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Wie lange stehe ich nun hier? Ein paar Stunden werden es sicherlich sein. Naja, aber die Arbeit muss hinter sich gebracht werden, also ist das wohl schon ok so. Ich nehme einen schweren Backstein und drücke ihn in seine Lücke. Murmle dabei leise vor mich hin...


Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein
Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein


Ich liebe meine Arbeit. War schon immer so. Wahrscheinlich habe ich das von meinen Vater geerbt. Er war jahrelang berüchtigt, der beste Handwerker der Stadt zu sein. Schade, dass es immer weniger Leute unserer Art gibt. Ich denke, dass es wichtig ist, dass der Beruf weitergeführt wird. Es ist einfach traurig, so etwas aussterben zu lassen.

Es macht Spaß. Es macht wirklich Spaß. Die Arbeit ist zwar manchmal etwas beschwerlich, doch ich denke, das ist jede Arbeit mal. Sie ist zwar nicht gerade einfach, aber das Nachgefühl ist es wert. Das Nachgefühl, zu etwas Großem beigetragen zu haben und nicht einfach nur ein irrelevantes, unwichtiges Leben geführt zu haben, das in einen eben so unsinnigen Tod führt. Ein Leben nur mit Langeweile, ohne jemals das Gefühl zu haben, etwas zu dieser verdammten Welt beigetragen zu haben. Ein Alptraum für mich.

Zum Glück trifft mich nicht dieses traurige Schicksal. Mir geht es gut. Ich lebe mein Leben mit allen Freuden und Vorzügen, die es mir bietet.


Augen auf, ich komme!
Aufgepasst, ich komme!
Zeig dich nicht!


Ich streiche mit meinen Werkzeug den Verputz in die Rillen zwischen den roten Steinen. Als ich fertig bin, trete ich einen Schritt zurück, grinse bei dem Anblick meines Meisterwerks. Ein wahrhaftiges Glück einen Erfolg von mir zu betrachten.

Dazu hatte ich nie sonderlich die Chance. Stolz auf meine Arbeit zu sein, meine ich. Die Kinder fanden mich immer seltsam, wenn ich jedes Interesse in dem Handwerk zeigte. Mein Vater... nun ja, ich glaube, mein Vater hätte mich auch lieber aufgehalten, es zu erlernen. Vielleicht hätte er gerne die Familientradition gebrochen. Aber es liegt uns nun mal in den Genen.

So wie vieles andere. Alles liegt uns in den Genen, nicht nur unsere Stärken, auch unsere Fehler. Als ich das erste Mal den Fehler von meinem Vater gesehen habe, war ich... 9, vielleicht?

Ich habe mit meinen damals besten Freund bei uns zu Hause übernachtet. Dad hat uns damals ein Sandwich gemacht, aber... ich hatte keinen Hunger. Also habe ich meinen Freund mein Sandwich gegeben. Wir sind dann auch bald schlafen gegangen. Mein Freund war sehr müde und alleine spielen machte nun wirklich keinen Spaß.

Also legten wir uns hin und schliefen beide auch relativ schnell ein. Es war ein angenehmer Schlaf, bis ich mitten in der Nacht von einem Quietschen aufwachte. Ich blickte müde auf und was ich sah, war mein Vater, wie er meinen anscheinend schlafenden Freund von hinten nahm. Verwirrt schaute ich diesem, auf gewisser Weise amüsant wirkenden, Schauspiel zu und sah dann, wie mein Vater wieder aufstand und seine Silhouette mein Zimmer verließ. Leise versteckte ich mich wieder unter der Decke, bevor mein Vater mein frühes Erwachen noch bemerkte.

Ich habe nie mit ihm darüber geredet. Doch in den nächsten Tagen, als die Polizei zu uns kam und uns verhörte, blieb ich standhaft gegenüber meinen Vater. Ich sagte, er habe sich nie mir oder meinen Vater gegenüber seltsam verhalten. Ich glaube, ab da bemerkte er, dass ich ihn liebe.

Meine Liebe zu Kindern zeigte sich erst später. Es war, als ich an einen Spielplatz entlang lief. Eigentlich also ganz klassisch. Es ist auch nicht so, dass ich nur irgendwelche perverse Gedanken hätte. Ich schätze Kinder als wertvolles Gut und empfinde es als eine Ehre, sie aus der Welt der Unschuld in die wirkliche Welt zu bringen. Es ist einfach... fantastisch.

Nur ist es ärgerlich, dass ich die Kinder nicht betäuben kann. So muss ich sie auf eine andere Weise... verschwinden lassen. Und hoffen, dass sich die Kinder niemals zeigen werden.

Ich blicke noch einmal auf die Mauer, klopfe daran, um ihre Festigkeit zu prüfen. Sie ist fest. Felsenfest. Ich drehe ich mich um.


Zeig dich nicht!
Versteck dich


„Versteck dich schön hinter deiner Mauer.“, flüstere ich, „zeig dich nicht.“

Aylo (Diskussion) 13:46, 29. Mär. 2015 (UTC)

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