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Seine Duplexwohnung in der Park Avenue enthielt Einrichtungsgegenstände im Wert von einer halben Million Dollar, sein Haus in Southhampton umfasste vierundzwanzig Zimmer, doch am liebsten hielt sich Mason Brown den Sommer über am Moon Lake in den Adirondack Mountains auf, wo seine bescheidene Acht-Zimmer Hütte halb verborgen zwischen Kiefern auf einer Berghöhe saß.

Freunde nahmen an, die Natur locke ihn immer wieder dorthin, andere vermuteten, es sei die gefühlsmäßige Erinnerung an die Vergangenheit. Immerhin hatte Brown hier dreimal die Flitterwochen verbracht und zweimal in der Hütte auf die Scheidung gewartet.

Männern gegenüber gab er sich kurzangebunden, Frauen behandelte er grausam. Seine ersten beiden Frauen hatten nichts dagegen gehabt. Sie hatten ihn verlassen und konnten nun von großzügigen Abfindungen leben. Seine dritte Frau, Jenna, war weniger verständnisvoll und weniger geduldig gewesen. Vor sechs Monaten hatte sie ihn verlassen und alle seine Bemühungen, sie wieder zu finden, vereitelt.

Brown verabscheute jede Art von Gesellschaft. Er war isoliert, wo immer er sich befand, und seine Berghütte sorgte für ein Höchstmaß an Abgeschiedenheit. Dies war der wirkliche Grund für seine Hinwendung zum Moonlake, seine Freunde irrten. Das hieß – eigentlich konnte man in diesem Zusammenhang nur in der Einzahl sprechen. Er hatte nur einen Freund - Stuart Archer, sein geschäftsführender Vizepräsident.

„Hol uns ein paar Drinks und komm auf die Veranda“, sagte Brown eines Abends zu ihm. „Ich habe mir die Produktionsziffern angesehen, die du mir geschickt hast. Die gefallen mir überhaupt nicht.“

Archer, ein hagerer Mann mit glattem, schwarzem Haar, warf einen Blick auf seine Uhr. „Es ist elf. Ich bin nicht hier, um über die Produktion zu sprechen, sondern über dich.“

Brown beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, als er zu ihm auf die Veranda trat. Der Mond schimmerte rund und unwirklich über dem kleinen See. Brown seufzte, er hasste die Grillen. „Na schön“, sagte er. „Warum über mich?“

„Du machst dir zu viele Feinde“, sagte Archer nüchtern. „Dein Verhalten in der Direktoriumssitzung letzte Woche war unmöglich. Und dann der Reporter, den du rausgeworfen hast…“

„Verdientermaßen“, unterbrach Brown.

„Er hat doch nur seine Arbeit getan, Mason. Ein Mann wie du – der bedeutet eben Schlagzeilen!“

„Für die Wirtschaftspresse lasse ich das gelten. Er aber hat sich persönlich geäußert. Mein Liebesleben geht niemanden etwas an.“

Archer seufzte. Er zündete sich eine Zigarre an, rauchte eine Weile ruhig vor sich hin und ließ die Walzerklänge des örtlichen Radiosenders über sich ergehen. Er wollte schon den Mund öffnen, um weiterzusprechen, als ihm eine fremde Stimme aus dem Lautsprecher zuvorkam.

„Schalte doch das verdammte Ding ab!“, sagte Archer irritiert. Brown rührte sich nicht. Er saß völlig entspannt da.

„Wir unterbrechen unsere Walzersendung für eine Nachricht der Adirondacks-Polizei“, verkündete der Sprecher. „Anwohner und Campingurlauber in der Gegend des Moon Lake werden gebeten, nach der achtjährigen Marilyn Dawson Ausschau zu halten, die heute Nachmittag um vier Uhr vom Campingplatz ihrer Eltern verschwunden ist. Das Kind schwimmt gern, und man befürchtet – “

„Um Himmels Willen, Mason! Ich bin hundert Meilen gefahren, um mit dir zu reden, und du hörst mir nicht mal fünf Minuten lang zu!“ Archers Gesicht schimmerte blass im Mondlicht.

„Halt den Mund, Stuart.“ Brown machte sich die Mühe, das Radio näher an sich heran zu ziehen. „Ich will das hören…“

„…Forstpersonal“, sagte der Sprecher, „die Eltern, Mr und Ms Charles Dawson aus New York City, konnten keine Angaben zum Verbleib des Kindes machen. Ein Rettungshubschrauber wurde in Marsch gesetzt, musste aber die Suche bei Einbruch der Dunkelheit einstellen. Warten Sie bitte weitere Durchsagen des Senders ab…“

Archer bemerkte die Veränderung in Browns Augen, und seine Neugier überwog den Zorn. „Was ist nur los mit dir? Kennst du diese Familie, oder was?“

„Nein. Nie von ihnen gehört.“ Brown stand auf. Er blickte über die Kiefernwipfel des Tals in die intensive Schwärze der Wälder hinab, die den See umrahmten. „Das Mädchen könnte umkommen da draußen. Sechs Jahre alt…“

„Soll das heißen, du machst dir Gedanken um sie?“ Archer verzog erstaunt das Gesicht. Brown trat an das Verandageländer und schien zwischen die Bäume zu starren. Archer lachte leise. „Ist sie das etwa? Deine schwache Stelle? Ein kleines Mädchen, das sich verlaufen hat?“

„Halt den Mund!“

„Ich hab mich immer gefragt, wo deine Schwäche liegt.“ Archer kicherte. „Frauen waren es nicht. Nicht so wie du Jenna behandelt hast. Vielleicht hätte Jenna ein Kind haben sollen. Vielleicht hätte euch das geholfen.“

Brown sagte: „Schluss für heute, Stuart.“

„Was?“

„Ich bin müde. Wenn du reden willst, können wir das morgen beim Frühstück tun. Gegen halb acht. Gute Nacht, Stuart.“

Archer kniff die Lippen zusammen. „Na schön, Mason. Aber ich muss um zwölf abfahren, denk daran. Und ich gedenke mein Sprüchlein vorher loszuwerden.“

„Ja, ja“, sagte Brown barsch.

Archer ging als Erster ins Haus. Brown blieb noch eine halbe Stunde auf der Veranda stehen, starrte in die Dunkelheit und dachte nach – worüber?

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Auf die Frage bekam Archer am nächsten Morgen Antwort. Er betrat das Esszimmer und fand Brown am Tisch sitzen. Interessiert studierte er die ersten Seiten der Lokalzeitung und reagierte gar nicht auf Archers Erscheinen.

„Dann ist es das Kind“, murmelte er, „liest du den Artikel über das Kind, Mason?“

Brown warf ihm einen kurzen Blick zu, und sein rotes Gesicht hatte etwas von dem gesunden Teint eingebüßt. „Man hat sie noch nicht gefunden. Sechzehn Stunden und keine Spur. Man glaubt, dass sie in den Wäldern nicht mehr lange überleben kann. Vielleicht will man den See absuchen. Kann auch sein, dass ein Jäger sie erwischt hat. Du kennst ja diese Idioten, schießen auf alles, was sich bewegt…“

„Das kann man wohl sagen“, meinte Archer und setzte sich. „Du nimmst die Sache ja ganz schön ernst. Kennst du die Dawsons auch bestimmt nicht?“

„Nein.“

Archer dachte über die Antwort nach. „Dann schlägt in deiner Brust also doch ein Herz, oder? Ich wünschte bei Gott, du würdest das einmal den anderen Menschen zeigen.“

Brown faltete die Zeitung zusammen, trank einen Schluck Kaffee und stand auf. Er begann, seine Krawatte zu binden, die ihm um den Hals hing. „Ich muss los“, sagte er, „ich weiß, du wirst deswegen Theater machen, Stuart, aber wir können uns heute früh nicht unterhalten. Ich habe vor einer Viertelstunde die Polizei angerufen und angekündigt, dass ich runterkomme. Wenn du bleiben und mir helfen willst, die Sache durchzustehen, schön. Wenn nicht, kannst du in die Firma zurückfahren.“

„Wobei helfen? Was hast du vor?“

„Ich werde das Kind finden! Ich habe mit einem gewissen Captain Edison gesprochen, er sagt, es sei eine Sache der Zeit und des Geldes. Nun, von beidem habe ich genug.“

„Meinst du das ernst? Du willst dein eigenes Geld aufwenden?“

„Wofür hältst du mich!“, brüllte ihn Brown an, „ich habe, was das Kind da unten braucht! Ich stelle hundert Männer ein – fünfhundert, wenn es sein muss.“

Archer war verblüfft. „Schon gut“, murmelte er, „großartig. Ich beklage mich ja nicht, Mason, ich halte das für eine tolle Idee. Du bist mir immer zehn Schritte voraus. Das ist genau das, was wir gerade brauchen. Dein persönlicher Ruf hat Einfluss auf die Firma, da muss ich dir sagen…“

„Ich denke im Moment nicht an die Firma.“

„Das weiß ich doch“, sagte Archer beruhigend, „ich sehe selbst, dass du es ernst meinst. Aber die Sache hat zwei Seiten. Wenn du das Kind findest, profitieren alle davon.“

„Na dann“, sagte Brown, „zieh dich an.“

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Captain Edison war ein stämmiger, weißhaariger Mann mit dem Körperbau und dem Gang eines Holzfällers. Sein sonnenverbranntes Gesicht war voller Respekt, als Mason Brown nun vor ihm saß.

„Natürlich tun wir alles, was wir können“, sagte er. „Und wir wissen Ihr Interesse zu schätzen, Mr Brown. Ich habe den Eltern davon berichtet, und sie haben mich geben, Ihnen ihre …“

„Vergessen Sie das“, unterbrach ihn Brown, „Als Erstes möchte ich, dass Sie eine Belohnung für den Mann oder die Frau aussetzen, die das Kind findet – wie heißt die Kleine noch gleich?“

„Marilyn.“

„Marilyn. Die Belohnung beträgt fünf – nein, besser zehntausend Dollar. Zahlbar sofort in bar, sobald das arme Kind gefunden ist.“

Der Captain pfiff leise durch die Zähne. „Das ist viel Geld.“

„Viel Geld bringt Leute in Bewegung. Ich möchte, dass das Angebot regelmäßig, am besten stündlich, von jedem Radiosender in der Gegend durchgegeben wird. Notfalls kaufe ich die Sendezeit, wenn die Stationen nicht mitmachen.“

„Deswegen brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen, Sir.“

„Dasselbe gilt für das Fernsehen. Wenn die Kanäle die Zeit nicht zur Verfügung stellen, kaufe ich mich ein. Mr Archer ist bevollmächtigt, in meinem Namen entsprechende Verträge abzuschließen. Ich habe mich bereits telefonisch mit drei privaten Hubschrauberdiensten in Verbindung gesetzt. Sie werden insgesamt fünf Helikopter für die Suche abstellen.“

„Unser eigener Rettungsdienst ist – “

„Das interessiert mich nicht. Es gibt hier tausend Quadratmeilen Wald. Die Piloten werden für ihre Arbeit entlohnt, ob sie nun Erfolg haben oder nicht, die Belohnung gilt auch für sie. Und sie sollten einen Aufruf ergehen lassen oder persönlich jeden Fremdenführer, Trapper, Campingurlauber oder Angler ansprechen, von dem Sie wissen, dass er die Gegend kennt.“

Der Captain lächelte. „Sie haben an alles gedacht, Mr Brown.“

„Nichts darf unversucht bleiben, nur weil es um die Kosten geht. Ich übernehme alles. Was ihre Beamten und das Forstpersonal angeht, informieren sie die Leute bitte, dass die Belohnung natürlich auch für sie gilt.“

„Das ist nicht erforderlich, unsere Männer sind…“

„Keine ethischen Einwände, bitte.“

„Mr Brown, sie schaffen es noch, dass ich selbst in den Wald hinaus will.“ Das Grinsen verschwand. „Aber das Kind ist jetzt zweiundzwanzig Stunden verschwunden. Eine lange Zeit für eine Achtjährige. Ich fürchte…“

„Wir wollen nicht mutlos werden, Captain.“

„Nicht mutlos. Nur realistisch. Ich hätte schon heute früh den See abgefischt, aber die Dawsons waren so bekümmert, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe. Solange noch ein Funken Hoffnung besteht…“

„Den See abfischen, das wäre pessimistisch. Wir werden das kleine Mädchen finden.“

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Um sechs Uhr am gleichen Abend gab es keinen Einheimischen oder Campingurlauber am Moon Lake, der das Schicksal des Kindes nicht kannte, der nichts von Browns Belohnung wusste.  In sämtlichen Radio- und Fernsehprogrammen wurden die Ankündigungen durchgegeben, doch das Gerücht verbreitete sich auch außerhalb des Sendegebiets der lokalen Stationen.

Suchgruppen trafen aus Orten ein, die so weit entfernt waren wie Saranac, Plattsburg, und einige sogar aus Burlington und Vermont. Eine ganze Schwadron von Universitätsstudenten flog in einer privaten Maschine aus Quebec ein und brach bei der Landung prompt eine Flügelspitze ab, was eine neue Krise auslöste.

Forstbeamte schätzten, dass etwa zweitausend Bürger durch die dichten Waldgebiete zogen, was die hiesigen Jäger in Schwierigkeiten brachte und die Behörden veranlasste, eine vorübergehende Schonzeit zu verkünden. Die ersten Hubschrauber trafen zwei Stunden vor der Dunkelheit ein und verbrachten die verbleibende Zeit mit einer sinnlosen hektischen Suche über den Wipfeln.

Der plötzliche Ansturm, von den Wirten der Gegend zuerst erfreut begrüßt, nahm schnell überhand. Die Mehrzahl musste in den Wäldern übernachten. Die Meisten hatten gar keine Zelte mitgebracht und verfügten nur selten über ausreichend Vorräte. Campingutensilien waren im Nu ausverkauft, Zelte wurden zu den gefragtesten Gütern und erzielten auf dem Schwarzmarkt schließlich Preise bis zu hundert Dollar das Stück. Die professionellen Suchgruppen standen auf diese Weise im Wettbewerb mit Amateuren, wobei es zu vielen Zwischenfällen kam – Diebstähle, Faustkämpfe, Verhaftungen – sodass sich Captain Edisons Freude über die Hilfe des Millionärs schnell verflüchtigte.

Um acht Uhr am nächsten Morgen war das Mädchen noch immer nicht gefunden worden.

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Stuart Archer erwachte sehr spät. Als er aus seinem Zimmer in den Wohnraum ging, sah er seinen Chef grübelnd auf der Veranda sitzen, den Blick auf die Kiefern des Tals gerichtet.

„Nichts Neues?“, fragte er leise.

„Nichts.“ Archer setzte sich. „Tut mir Leid, Mason. Das Kind wird nun seit gut fünfunddreißig Stunden vermisst. Ich glaube nicht, dass es noch Hoffnung gibt.“

„Es muss“, flüsterte Brown. „Ich weiß, dass es da irgendwo am Leben ist, ich spüre es. Es ist unter einem Baum eingeschlafen, zitternd hungrig…“

„Vielleicht hast du Recht, vielleicht ist sie irgendwo da unten. Vielleicht aber auch im See.“ Flammende Augen richteten sich auf Archer.

„Hast du etwas gehört?! Sag mir die Wahrheit! Weiß man, dass sie tot ist?!“

„Nein. Es erscheint nur logisch.“

„Aber man würde die Leiche finden, nicht wahr?“

„Wenn sie im Wald ist. Wenn nicht, muss man im Wasser nachsehen…“ Er starrte nachdenklich auf den silbernen Rand des Moon Lake, bis er plötzlich ein Schluchzen hörte. Er wandte sich um. „Mein Gott, Mason. Ich verstehe dich nicht! Ich kenne dich nun seit Jahren – ohne dich wirklich zu kennen.“ Sanft berührte er Brown an der Schulter. Der räusperte sich verlegen und richtete sich auf.

In diesem Augenblick läutete das Telefon. Brown ging hinüber und meldete sich. Das Gespräch war kurz. Als er zurückkehrte, leuchtete sein Gesicht vor Freude. „Man hat sie gefunden!“, rief er, „Gott sei Dank, Stuart, sie haben die Kleine gefunden!“

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Am Nachmittag traf Captain Edison ein, er akzeptierte eine von Browns Zigarren, roch anerkennend daran und steckte sie dann in die Tasche.

„Es ist ein Wunder“, sagte er, „das Mädchen ist am Nachmittag losmarschiert, wollte ein Picknick veranstalten und anschließend im See schwimmen. Sie packte ein paar Brote und einen Apfel in eine Papiertüte und lief allein in den Wald. Dann kehrte sie um, fand aber den Heimweg nicht mehr. Sie wanderte immer weiter und dadurch wurde es noch schlimmer. Als es dunkel wurde, kroch sie zwischen einige schützende Felsen und heulte sich die Augen aus. Dann schlief sie ein. Als sie am Morgen aufwachte, hatte sie Angst, das Versteck zu verlassen und blieb dort. Sobald sie hungrig wurde, aß sie die Sachen, die sie eingepackt hatte. Zum Glück regnete es in dieser Nacht. Sie konnte das Wasser trinken, das von den Felsen tropfte. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, aber sie hat es überlebt.“ Zuerst hatte er gelächelt, doch jetzt wurde er ernster. „Es ist seltsam. Die Eine rettet man, ein Anderer geht verloren…“

„Was soll das heißen?“, fragte Archer.

Der Captain schüttelte bekümmert den Kopf. „Ich hätte wissen müssen, dass die Sache nicht so glatt ablaufen würde. Der Wald voller Menschen, da musste es früher oder später Ärger geben.“

„Was ist denn passiert?“, fragte Brown. „Hat sich jemand verletzt?“

„Nein, es ist jemand ertrunken“, sagte der Captain. „Zwei Jungen, die an der Suche teilnehmen wollten, langweilten sich und fuhren mit dem Boot auf den See hinaus. In der Mitte bekam das Ding ein Leck. Einer der Beiden hat es ans Ufer geschafft, der andere nicht. Wir müssen den See nach ihm absuchen.“

Brown erstarrte. Die Freude, die seit der Errettung des Kindes sein Gesicht erhellt hatte, verflog. „Das können Sie doch nicht tun“, sagte er gepresst. „Das geht nicht!“

„Wie bitte?“

„Sie können den See nicht absuchen. Jetzt nicht mehr. Nicht nach allem…“

„Ich verstehe nicht.“ Edison wandte sich an Archer.

„Was soll’s?“, fragte Brown, „Da ist nun ein Junge ertrunken, wozu ihn hochholen? Der See ist ein Grab, nicht wahr? Warum lässt man ihn nicht da unten liegen?“

Seine Stimme hatte sich verändert. Sie klang plötzlich spröde, wie ein jammervolles Krächzen. Archer sah ihn besorgt an.

„Lassen Sie die Hände vom See!“, brüllte Brown. „Hören Sie! Lassen Sie den Jungen in Ruhe!“

„Es ist meine Pflicht“, sagte Edison unsicher. „Wir müssen tun, was richtig ist. Was bedeutet es Ihnen? Sie kannten den Jungen ja nicht mal!“

„Sie dürfen den See nicht abfischen!“, kreischte Brown und verkrallte sich in die Jackettaufschläge des Captain. „Bitte, tun sie es nicht…“

Die Beiden sahen ihn in die Knie sinken, nicht mehr flehend, sondern in Kapitulation. Zwei Tage später erkannten sie, was Mason Brown während des Irrmarsches der kleinen Marilyn Dawson durchgemacht hatte und warum er nicht wollte, dass der Seegrund abgefischt wurde. In den Netzen des Polizeiboots verfing sich die schwarze, angeschwollene Leiche von Jenna Brown, seiner Frau. Das Wasser hatte die Schusswunden nicht auslöschen können.

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