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Ein Schauergedicht

Lachend grüne Augen schossen Blicke spöttisch in die Welt.
Arme, blass, mit Sommersprossen, zart und weich, wenn man sie hält.
Flammendrote Locken wippten vor mir auf und nieder.
Meine Zunge klebte trocken, wie ein dick geschwoll’ner Brocken,
irgendwo am Gaumen fest.
Ich schlug beschämt die Augen nieder
und vergaß den ganzen Rest, der Pläne für den Tag.
Du, nur du, bist, was ich mag!
Jetzt folg‘ ich dir auf leisen Sohlen,
meine neue Spielgefährtin.
Muss dich haben, muss dich holen,
dich besitzen ganz alleine,
tief im Keller wirst du meine
süße, kleine Spielgefährtin.

Ich wollte deine Ängste fühlen, mich an deiner Furcht besaufen.
Sinnlich schnaufen, taumelnd laufen,
kämpfen, raufen, straucheln, haufen-
weise Wimmern trinken, danach ganz in dir versinken.
Grüne Blicke auf mir spüren, welche bittend, bettelnd, flehen,
das Verlangen in mir sehen und an meinem Herzen rühren.
Doch du bist nicht zu erweichen,
willst nicht flehen, betteln, schreien.
Weigerst dich phlegmatisch, laut zu heulen, weinen, greinen,
liegst auf meinem Foltertisch und erduldest alle Pein.
Ach, wie kann ich nur erreichen,
dass du die weiße Fahne schwenkst und Befriedigung mir schenkst?

Ungeziefer, Ratten, Schlangen, du zeigst keine Reaktion.
Schläge, Tritte, Eisenstangen, nimmst du stoisch, mit Raison.
Was fange ich nur mit dir an?
Große grüne Seelenfenster, resigniert im Tränenfluss,
kummervolle Wahngespenster folgen mir auf Schritt und Fuß.
Wie komme ich nur an dich ran?
Liebe, süße Spielgefährtin,
was auf dieser großen Welt, bereitet dir nur Seelenschmerzen?

Worte, zart, ins Ohr gehaucht, ein grausames Versprechen.
Und endlich höre ich den Damm in deinem Innern brechen.
Die eine Saite klingt in dir, sie singt mit Engelszungen.
„Oh, Spielgefährtin, höre mich, lang hab ich gerungen.
Ich bin nun sicher, dass ich weiß, was dich am Meisten quält.
Warum selbst in Todespein, die Angst in deinen Augen fehlt.
Derweil die Fesseln fallen, lausche meiner Stimme Klang.
Lass sie in dir widerhallen, dieses macht dich Angst und bang:

Ausbildung und Steuern zahlen,
Bügelwäsche, Ehekrach,
samstags Disko, Landtagswahlen,
Versicherungen, Bankschließfach,
Weihnachten im Familienkreise,
Frühjahrputz, Zahnarzttermin,
Mädelsabend, Urlaubsreise,
wieder teurer, das Benzin.
Fitnesscenter, Kassenbon,
Nachbarschaft, gesunde Snacks
Haushaltskasse, Rentenfond,
Tatort sehen, Gewohnheitssex.

Du fürchtest dich vor diesem Leben, so gewöhnlich und normal.
Für Jedermann ganz selbstverständlich, 's ist der Alltag, ganz banal.
Doch für dich die größte Qual, grauenhaft und fürchterlich
-Ah, ich seh‘, ich täusch mich nicht, von Angst verzerrt ist dein Gesicht!
Oh, liebe, süße Spielgefährtin, eines noch bevor du scheidest:
Ich will bewahren dir das Leben, damit du umso länger leidest.
Ich will fortan dein Wächter sein, wie ein Schatten, unsichtbar.
Ich folge dir an jeden Ort, behüte dich vor Tod‘sgefahr.
Ich rette dich, wenn ich es muss, vor Drogen, Klippen, Bahn und Bus.
Jederzeit bin ich dir nah, wache selbst an deinem Bette.
Nun steh auf und flüchte, rette, deine Zukunft ist jetzt da.
Ich halte sie an meiner Kette.“

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