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Ein ganz normaler Tag

Von Dominic A.



Mein Leben war bis zu jenem schicksalhaften Tag eigentlich ganz gut verlaufen. Ich beendete meine Ausbildung zum Chemielaboranten und zog in eine eigenständige Wohnung. Für mich war dies alles der nächste Schritt in ein neues Kapitel meiner Zukunft.

Die Arbeit war nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Ich nahm eigentlich immer die U-Bahn dorthin. Doch an diesem Tag ging ich die 2 Kilometer durch die Stadt zu Fuß. Ich weiß nicht, warum genau ich diesen Tag gewählt hatte.



Müde, aber doch fröhlich ging ich früh morgens aus meiner Wohnung auf die schon recht belebte Straße. Viele Leute gingen morgens hier entlang zur Arbeit. Alle an ihr Smartphone gefesselt. Manche telefonierten, manche checkten ihre Mails. Alle starten auf das kleine Display.

Ich tat es ihnen gleich und ging los. Von hier bis zu der Fabrik dauerte es mit der Bahn ungefähr 20 Minuten. Ich wäre vielleicht sogar früher da.



Ich ging durch die Straßen, vorbei an parkenden Autos rechts. Links neben mir waren Geschäfte.

Leute kauften dort Brötchen, tranken Kaffee und unterhielten sich.

Ich schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit und bog in die Gasse zu meiner Linken ein.



Ich kam langsam im Industriepark an, die Gebäude wurden dunkler und weniger Leute waren hier unterwegs. Schön, diese Ruhe, dachte ich, während ich an einem alten Gebäude vorbei ging. Ich hörte über mir noch etwas knacken, ehe alles schwarz wurde.



Ich erwachte einige Stunden später. Ich lag auf dem harten Untergrund der Straße.

In den Himmel starrend. Die Sonne stand am Himmel und schien auf mich, durch dicke Wolken hindurch. Komisch, dachte ich. Sie hatten gar kein schlechtes Wetter vorausgesagt. Ich stand auf. Komischerweise ging es mir bis auf die schweren Glieder ganz gut. Mir fehlte jedoch meine Tasche, irgendein Obdachloser musste sie wohl gestohlen haben. Bis auf mein Frühstück war dort nichts Besonderes drin. So ging ich schnell weiter zu meinem Arbeitsplatz, es war schon halb 12.



Angekommen ging ich direkt in das Labor. Hier sollte ich wie jeden Tag meine Anweisungen bekommen. Tom stand an einem Tisch und mischte grade Chemikalien zusammen. Diese zentrifugierte er daraufhin. Ich wollte mich grade für die Verspätung rechtfertigen, als er in die 'Gaskammer' ging. Zur Erläuterung: Die Gaskammer ist kein Werkzeug zur Vernichtung von Minderheiten. Bei uns wurde in ihr mit Säuren und eben Gasen experimentiert. Man musste dafür einen Schutzanzug oder wenigstens eine Schutzmaske anziehen, um dort hineinzukommen. Er ging mit seinem Anzug dorthinein und die Tür wurde automatisch verriegelt. Ich klopfte gegen das Fenster, doch er reagierte nicht. "Okay... Ich geh mir was zu essen holen." Ich stampfte aus dem Labor Richtung Kantine. Ich schnappte mir irgendein Tablett und nahm mir ein Brötchen und ein Glas Cola. An der Kasse war natürlich niemand. "Hallo?" Niemand antwortete. Ich legte einen Fünfer neben die Kasse und aß an einem freien Platz mein Brötchen. Niemand sprach mit mir. Niemand sprach mich auf meine Verspätung an. Nicht einmal mein Chef, der sich auch etwas zu Essen holte. Er setzte sich neben mich und biss genüsslich in sein Brötchen.

Ich sprach ihn darauf an, warum ich denn heute zu spät sei. Ich erklärte ihm alles.

Als ich fertig mit Essen war, stand ich auf und brachte das Tablett weg. "Gut", sagte er und stand auch auf. Er ging zurück zur Arbeit. Mich verschlug es auf die Toilette. Ich musste mal Wasser lassen. Die Toiletten waren am Ende der Kantine.

Nachdem ich das Geschäft verrichtete, wusch ich meine Hände. Als ich in den Spiegel schaute, blieb mir kurz das Herz stehen. Auf meiner Stirn klaffte eine Wunde. Getrocknetes Blut umrandete Sie. Ich ging langsam nach hinten, stieß gegen eine Toilettentür.

Der Blutfleck war so groß wie meine Faust, doch die Wunde anscheinend kleiner. Ich hatte gelesen, dass selbst ein kleiner Riss in der Haut, an der Stirn bereits starkes Bluten verursacht.

Mit dieser Erkenntnis stürmte ich aus der Toilette, meine Hand an der Wunde haltend.



Ich meldete mich nicht ab und ging schnell zum nächstbestem Krankenhaus.

Die Wunde schmerzte nicht, doch wollte ich eine lästige Infektion vermeiden.

Ich musste mit dem Zug 4 Stationen fahren. Auf dem Weg dorthin sprach mich niemand auf die Verletzung an. Alle scheinbar geschockt davon. Oder zu beschäftigt. Der Zug war ziemlich voll, doch ließ man mir Platz. Um mich herum hätten locker 6 Personen Platz gehabt, doch ließ man zu mir Abstand. Anscheint machte ich den Leuten Angst.



Ich stieg King Fischer Road aus und begab mich zur Aufnahme.

Das Krankenhaus war voller Leute. Ich überlegte mir kurz, ob ich mich wirklich anstellen sollte. Nein, dachte ich mir und ging zum Ausgang. Auf dem Weg dorthin sah ich meine Eltern. Sie gingen mit einem Doktor in eine Tür. Meine Mutter war anscheint krank, denn sie hatte Taschentücher dabei und rieb sich damit die Augen. Wahrscheinlich waren ihre Augen entzündet. Dies hatte sie öfters.

Nur fand ich es komisch, denn sie gingen zur Notfallambulanz.



Ich zog mein Handy und wollte ihr eine SMS schicken, doch ging es nicht an.

Bei dem Sturz heute Morgen musste es wohl beschädigt worden sein.



Genervt ging auf ein WC, reinigte mir die Wunde und ging nach Hause.

Zuhause angekommen legte ich mich schlafen. Ich war müde. So müde.



Ich stand morgens auf. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Verängstigt stieg ich aus dem Bett. Ich öffnete die Tür und sah, dass mein Vater, meine Mutter und mein jüngerer Bruder auf dem Sofa saßen und sich ein Fotoalbum anschauten.

"Wieso seid ihr bitte schon so früh hier?" Keine Antwort.

"Hallo? Mama?! Was ist mit euch? Was macht ihr hier?!"

Keine Antwort.

"Haha, soll das ein Witz sein oder was?! Erst gestern, und jetzt auch heute?!"

Keine Antwort. Ich war genervt. Anscheint wollten sie mich alle verarschen. Meine Kollegen und jetzt auch meine Eltern?! Ich schüttelte sie, doch sie bewegten sich nicht. Sie reagierten überhaupt nicht. "Es reicht mir jetzt langsam, ich rufe jetzt die Polizei!"

Ich wollte ihnen Angst machen.

Ich schritt zum Hörer. Ich wählte die 110.

"Wollt ihr immer noch auf Taub tun?"

Ich wartete kurz, danach drückte ich den grünen Knopf. Schrilles Piepen kam aus dem Lautsprecher. Instinktiv schmiss ich den Hörer weg. Daraufhin war kein Ton zuhören.

Ich wurde langsam panisch. Ich ging zu ihnen.

Meine Mutter hatte einen Brief in der Hand.

Ich schaute ihn mir an. Ich fuhr über den Text, während Tränen meine Augen hinabflossen.



Es war eine Sterbeurkunde.

Meine Sterbeurkunde.



Ich bin tot?

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