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Klavierspiel-104:21

Klavierspiel-1

Musikalische Begleitung für die Geschichte ;)

Ich sah mich voller Staunen um und war wie in Trance als mich ein, ziemlich unhöflicher, Fußgänger zur Seite schubste und mich anblaffte, ich solle gefälligst nicht so blöde herum stehen. Peinlich berührt griff ich mir hinter den Kopf und entschuldigte mich.

Ich bin ein ziemliches Landei, muss ich zugeben und bin aufgrund meines Studiums in eine reichlich große Stadt gezogen. In der Vergangenheit bin ich nur selten aus meinem Städtchen gekrochen und wenn, dann meist mit Freunden oder Familie.

Aber jetzt ist es etwas anderes.

Völlig auf mich gestellt bin ich in einer großen fremden Stadt, vollkommen abseits meiner gewohnten Umgebung und den Menschen denen ich vertraue.

Ich beschloss etwas trinken zu gehen.

Mein Studium würde erst nächste Woche beginnen und bis dahin wollte ich meine Freizeit in vollen Zügen genießen. Außerdem war es Freitagabend also wieso nicht? Ich lief ein wenig durch die Stadt und die Menschenmassen. Etwas überfordert beschleunigte ich meinen Gang und lief in eine etwas abgelegene Seitengasse.

Ich holte tief Luft, versuchte mich zu orientieren. Da hörte ich eine leise Melodie kaum wahrnehmbar aber sie war da. Ich strengte mich an um sie neben dem Verkehrslärm hören zu können. Anscheinend kam sie etwas weiter unten aus der Gasse. Ich lief dort hin wo ich die Musik vermutete.

Immer weiter die Gasse hinunter an Mülltonnen, streunenden Katzen und finster drein blickenden Gestalten vorbei. Nun ging es eine Treppe hinunter - etwas ungewöhnlich - dachte ich mir, aber ich lief weiter, wie mechanisch angetrieben. Die Musik wurde immer lauter ich konnte nun heraushören was es war.

Wie erkläre ich das nun am besten?

Es war ein einfaches Klavierspiel, doch es klang sehr traurig und nostalgisch als ob eine Person einer tragischen Liebe nachtrauerte die allerdings schon Jahre zurück liegt.

Nun war ich neugierig. Ich wusste das es gefährlich war, in solch dunklen Gegenden, nachts und alleine als Außenstehender herumzugeistern, aber ich musste einfach sehen wer diese wunderschöne Melodie spielte. Langsam näherte ich mich der Geräuschquelle, blieb schließlich vor einer kleinen Bar stehen. Sie sah aus wie ein typischer Irish Pub.

Der Pub hatte eine dunkle Holzfassade und gelbliche Fenster was für sich nicht außergewöhnlich aussah, doch die kleine Bar war eingemauert zwischen zwei Betonriesen was ihn etwas sonderlich aussehen ließ. Die Bar war hell erleuchtet und ich sah hier und da ein paar Schatten durch die schmutzigen Fenster, doch man hörte weder Gegröle noch Unterhaltungen lediglich die sanfte Melodie die unaufhörlich spielte.

Ich beschloss die Bar zu betreten.

Wie würden die Menschen wohl auf mich reagieren? Ich war ein Außenstehender in einer Bar die anscheinend ein Insider der Einheimischen war.

Egal. Ich ging rein.

Ich hatte recht, auch von innen sah sie aus wie ein typischer Irish Pub. Die Wandverkleidung aus dunklem 

Holz und das Mobiliar sah etwas altmodisch aus. Ich sah mich weiter um und fing an zu grübeln.

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Irgendwas stimmte hier nicht!

Ich stand eine gefühlte Stunde in einer leeren Bar, die Musik nur noch teilweise wahrnehmend.

"Genau! Jetzt weiß ich es... nein warte... wegen was war ich eigentlich hier... und wo war ich überhaupt?", überlegte ich angestrengt. Es war ungewöhnlich kalt.

Ich stand weiter wie angewurzelt da. Es war als, hätte ich alles vergessen. Ich wusste nicht wo ich war, warum ich überhaupt hier stand oder wer ich eigentlich bin, es war als hätte ich selbst vergessen wie man die Beine bewegt. An einen Gedanken klammerte ich mich aber wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring.

"Musik." Ich wusste nicht einmal mehr was diese Musik eigentlich sein sollte, doch ich wusste: würde ich dieses eine Wort vergessen wäre es um mich geschehen.

Neben mir ertönte etwas. Nein, es war die ganze Zeit da gewesen, ich hatte es nur ausgeblendet, was war das? Es war angenehm. Eine Reihenfolge von Tönen. Sie gingen auf und ab, mal hoch mal tief, schnell und dann wieder langsam. Es stimmte mich traurig erhellte mich aber Sekunden später wieder.

Das war es! Das war es, was man Musik nannte.

Ich torkelte in ein Nebenzimmer, völlig verwirrt und ohne auch nur einen klaren Gedanken fassen zu können, ohne Angst oder Instinkt zu Flucht. In diesem Moment fühlte ich mich, als würde ein unsichtbares Tau mich direkt zu dieser wunderschönen Melodie führen. Als ich den Raum betrat schloss ich sofort meine Augen und lauschte eine Weile der Musik.

Sie stoppte. Totenstille lag in dem kleinen Raum.

Langsam öffnete ich meine Augen. In dem kleinen Raum stand lediglich ein altes Klavier und unmittelbar vor mir stand eine geisterhafte, junge Frau.

Sie starrte mir direkt in die Augen.

"Gib mir... gib sie mir... gib mir... deine... Seele", hauchte sie mich mit ihrem kalten Atem an.

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Sie streckte ihre Hand nach mir aus, ich spürte eine schreckliche Kälte und im Bruchteil einer Sekunde war alles wieder da. All meine Erinnerungen.

Ich wusste wieder alles. Mein erst so entspannter Körper war nun bis zum Zerreißen angespannt und füllte sich blitzschnell mit Adrenalin.

Ich wich zurück und rempelte gegen die Zimmerwand. Die junge Frau sah nun etwas verwirrt aus, sie ließ einen Schrei ertönen der durch Mark und Bein ging.

Sie lief nein, schwebte, zurück zu ihrem Klavier und fing an ihre Komposition fortzuführen. Ich wurde wieder leicht benommen als es mir schlagartig klar wurde. Diese sonderbare und zugleich wunderschöne Melodie, hatte das mit mir angerichtet. Ich hielt mir die Ohren so fest zu das es wehtat und wankte aus dem kleinen Zimmer.

Geschockt sah ich mich um, aus der dunklen verlassenen Bar war ein Ort geworden der wohl direkt aus der Hölle stammte, außerdem schien dieser kleine Raum gewachsen zu sein, so dass der rettenden Ausgang meilenweit entfernt schien.

 

Ich traute mich nicht einen Schritt voran, denn an den Tischen saßen auf einmal Menschen. Doch ihr Anblick ließ mich schaudern.

Einigen von ihnen fehlten diverse Gliedmaßen, anderen wurde wohl die Haut stellenweise abgezogen. Verbrannte, verstümmelte und auf das schlimmste entstellte Gesichter sahen mich traurig und durchdringend an. Ich konnte ihren Schmerz förmlich spüren. Einige weinten soweit ich es erkennen konnte, andere würden gerne, hätten sie Augen gehabt. Sie blickten auf und schauten mich verzweifelt an.

Der gesamte Pub war nun in ein rötliches Licht getaucht.

Jeder dieser Menschen war auf unvorstellbare Weise gepeinigt worden, doch eine Sache hatten sie alle gemeinsam. Sie alle waren mit schweren Eisenketten an den Boden, die Wände oder das Mobiliar gekettet. Sie waren Gefangene. Soweit konnte ich noch denken.

Die Gestalten nahmen ihren durchdringenden Blick von mir und sahen hinter mich. Sie rissen ihre Augen, oder was davon übrig geblieben war, weit auf und fingen an gequälte Schreie von sich zu geben. Manche versuchten die Hand zu heben, um hinter mich zu zeigen.

Wollten sie mich warnen?

Ich hatte nicht gemerkt wie ich die Hände von den Ohren nahm und auch nicht wie die Musik aufhörte zu spielen.

Ich drehte mich hastig um schaute geradewegs in das Gesicht der jungen Frau. Sie sah wütend aus.

Nun wurde das Gekreische der Menschen lauter. Zwischen dem Gejaule, hörte ich Wörter wie: Lauf! Renn! Verschwinde! Beeil dich! Ich vernahm diese Warnungen jedoch nur am Rande. Die Frau schien mich mit ihrem Blick zu fesseln, mir die Seele auszusaugen.

Ich konnte nichts tun.

Ich spürte einen Ruck an meinem Bein, gefolgt von einem Tritt. Es schmerzte nicht sonderlich weil in ihm nicht viel Kraft steckte. Sekunden später wusste ich auch wieso. Dieser leichte Tritt schoss mich aus meiner Starre. Ich schaute an meinem rechten Bein hinab und sah ein kleinen Jungen, er war acht, vielleicht neun Jahre, nicht älter. Er sah aus wie aus einer vergangenen Zeit.

Er trug eine braune Latzhose, darunter ein weißes Hemd und eine gräuliche Mütze, die seine blonden Haare nicht ganz bedeckte, doch was mich fast in Tränen ausbrechen ließ, war die Tatsache, dass an der Stelle wo eigentlich sein Herz seien sollte, ein riesiges Loch klaffte.

Ich war direkt in der Hölle gelandet, soweit war ich mir sicher.

Erneut drang ein makaberer Schrei an mein Ohr. Die junge Frau war sichtlich wütend und sie fuchtelte wütend um sich, sie traf mich mit ihren langen schwarzen Fingernägeln an meinem Unterarm, den ich schützend über mein Gesicht hielt. Es schmerzte, doch ich hatte keine Zeit für so etwas.

Ich wollte verschwinden, doch brachte es nicht über das Herz diesen Jungen inmitten einer solch grauenhaften Szene zurückzulassen.

Ich wollte ihn an der Hand fassen, aber alles was ich zu greifen bekam war eine rauchartige Substanz die durch meine Hände glitt nur um sich dann wieder zum Arm des Kleinen zurück zu formen.

Erschrocken sah ich ihn an. Er sah auch mich an.

"Nun geh schon!", sagte er in einem Tonfall der sich fast flehend anhörte. Ich tat was er sagte und rannte durch den unnatürlich großen Raum zur Tür. Ich sah hinter mich. Der Junge wollte hinterher, doch auch er war mit schweren Eisenketten an den Boden gefesselt. Mit allen Kräften versuchte der Junge die Frau aufzuhalten, zerrte an ihrem Kleid oder stellte sich ihr in den Weg.

Fast wäre ich gestolpert. Ich musste nach vorn sehen, wenn es mich jetzt hinlegen würde wäre alles aus gewesen.

Endlich die Tür.

Sie war tatsächlich offen. Mir gelang es aus dieser Hölle zu entfliehen, stürzte über meine eigenen Füße und lag nun auf dem kalten Boden. Der gewohnte Geruch aus Abgasen und Müll drang an meine Nase. Ich war totmüde und schlief geradewegs auf dem kalten Pflasterstein ein.

"Hey, hey Kumpel, alles in Ordnung?", leise vernahm ich eine besorgt klingende Stimme.

"Komm lass uns gehen, der ist bestimmt nur betrunken", sagte eine andere Stimme leicht abfällig.

Ich öffnete meine Augen, es war hell und die Sonne blendete unangenehm. Ich musste an gestern denken und konnte es nicht realisieren, dachte es wäre nur ein Albtraum gewesen. Dann sah ich an meinem Arm hinunter. Er blutete. Ich schob den zerrissen Ärmel meines Pullovers nach oben und sah einen tiefen Kratzer wie von einem Raubtier.

Mir kamen Tränen in die Augen. Ich schaute nur zögernd neben mich. Die Bar stand immer noch da, ruhig und unschuldig. Ich stand auf und wollte so weit wie möglich von hier weg.

"Alles klar bei dir Junge?"

Ich erschrak auf das Heftigste.

"Nicht erschrecken Kleiner, ich will nur zu meinem Laden." Der Mann grinste.

Es war ein älterer dicker Mann, er schien mir sehr sympathisch.

Ich starrte ihn an und fragte schließlich "Welchen Laden bitte?"

"Na meinen Pub."

"Sie meinen diesen da?" Und zeigte hinter mich.

"Ja genau, das ist mein Pub." Er grinste immer noch.

"Wissen sie ich war gestern in dieser Bar und dann..."

"Unmöglich Junge!", unterbrach er mich.

"Wieso ist das unmöglich?", fragte ich verständnislos.

"Ich öffne meine Bar nur am Wochenende, sprich Samstag und Sonntag." Nun sah er mich etwas besorgt an.

Ich versuchte es zu verstehen. Er lief an mir vorbei und öffnete die Tür. Ich wollte nicht hineinsehen, wollte nicht, dass die Erinnerungen von letzter Nacht wieder hoch kommen. Schließlich lief ich doch zur Tür, blieb aber an der Schwelle stehen. Die Bar sah ganz anders aus. Aus den altmodischen Holzwänden und dem alten Mobiliar war eine etwas modernere Sportbar geworden. Ich traute meinen Augen nicht.

Was sollte das?

"Spielt die Musik nicht schön?" Der Mann stand plötzlich hinter mir.

Er fing an zu lachen.

Kein sympathisches Lachen. Es war ein hysterisches fast geisteskrankes Lachen. Er verdrehte die Augen und hielt sich seinen dicken Bauch fest.

Nun wurde es mir zu viel, ich rannte aus der Türschwelle die Gasse entlang. Ich wusste nicht wohin, es war mir auch egal, Hauptsache weg von dieser Hölle. Ich rannte weiter vernahm den Verkehrslärm nur gedämpft als ich plötzlich mitten auf einer Straße stand, völlig verwirrt und fertig mit den Nerven.

Ich hörte nur noch Hupen, schreiende Menschen dann Schmerz, Kälte, Ruhe.

Xohoo1234 (Diskussion) 16:45, 8. Mai 2014 (UTC)Xohoo1234



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