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Es war ein ganz normaler Wintermorgen, an einem ganz normalen Montag. Ich fuhr ganz normal einen Feldweg entlang um ganz normal zur Schule zu kommen. Ich war ein ganz normaler 16-jähriger Junge, der sich, um Ärger zu vermeiden, dem Standard der Gesellschaft anpasste. Eins war jedoch nicht normal. Es roch ein wenig komisch...

Rechts neben mir ragten die Bäume eines Waldes gen Himmel. Links war eine große, weiße Fläche, wo sonst grünes Gras im Licht schimmerte. Die noch relativ dünne Schneeschicht schien so unberührt und wunderschön...

Ich wandte meinen Blick von dem Schnee ab, als ich ein leises Wimmern hörte. Ich schaute hinüber zum Wald. Nichts Ungewöhnliches. Es klang nun schon mehr wie ein Weinen. Das eines kleinen Kindes. Ich war eigentlich schon ziemlich spät dran, aber was wenn es verletzt war oder sich verlaufen hatte? Ich musste einfach helfen. Ich stieg ab, suchte einen geeigneten Baum, um mein Fahrrad anzuschließen und stapfte los.

Zweige brachen unter meinen Schritten und je weiter ich kam, umso stärker wurde der Geruch. Mir wurde ein wenig übel. Ich versuchte dem Schluchzen entgegen zu laufen, doch dies erwies sich als eher schwierig. Wenn nicht sogar unmöglich. Es hallte fast schon durch den ganzen Wald. Ich konnte nicht weit sehen, da es noch recht dunkel war und auch die dichten Bäume ließen kaum etwas von dem ohnehin schwachen Licht durch ihre Blätter hindurch. Doch ich meinte einen menschlichen Umriss erkennen zu können.

Der inzwischen beißende Geruch machte mir Sorgen und ein leichter Schauer überkam mich. Meine Gedanken verdammten noch immer die Dunkelheit, während ich auf den Boden starrte, um nicht zu stolpern. Als ich aufsah, traf mich der Schlag.

Ich musste würgen. Nur ein paar Meter weit von mir entfernt sah ich den Grund für diesen Gestank. Vor mir stand... Nein, hing, eine aufgespießte, junge Frau! Ihr Gesicht war von Schmerz verzerrt. Ihre Bauchdecke war geöffnet und ihr Top an dieser Stelle zerfetzt. Auch sonst war das eigentlich weiße Top fast Schwarz. Überall getrocknetes Blut. Ihre Kehle war von einem Metallpfahl durchbohrt. Dieser Anblick ließ mich für einige Sekunden den grausamen Geruch, welcher von der Leiche ausging, vergessen. Das war zu viel für meinen Magen. Ich übergab mich.

Als ich wieder zu Atem gekommen war, versuchte ich nicht in Panik zu geraten. Sie musste schon etwas länger tot sein. Es war brutal und abartig. Wer tat so etwas? Ich musste irgendwas tun. Die Polizei! Genau. Ich nahm mein Handy aus der Tasche. Kein Empfang. War ja klar. Aber Moment.. Wo war das Schluchzen plötzlich hin? Das hatte ich völlig vergessen. Doch während ich mich noch fragte, was ich nun tun sollte, wurde mir die Entscheidung abgenommen. Ich spürte ein Stechen in meiner Schulter. Danach sofort ein extremes Brennen. Ich versuchte mich umzudrehen aber... Mein Kopf war wie gelähmt! Ich wollte weglaufen, doch auch meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Panik durchfuhr mich. Angst, wie ich sie noch nie zuvor verspürt hatte. Todesangst. Ich konnte ja nicht mal um Hilfe schreien! Ich sackte in mich zusammen.

Ich wache auf. Es ist dunkel. Ich sehe nur diese nichtssagende Schwärze. Was ist passiert? Ich schrecke auf. Ein Knacken. Irgendetwas nähert sich mit langsamen Schritten. Ich kann meine Augen kaum offen halten. Wo zum Teufel bin ich hier gelandet? Ich spüre plötzlich etwas Kaltes an meinem Arm. Nein... IN meinem Arm. Was ist das? Ich spüre wie es durch meinen Arm gleitet. Dann ist es weg. Etwas Warmes läuft meine Handfläche hinunter. Mir ist schwindelig... Schwarz...

Ich wache auf, geweckt von höllischem Schmerz in meinem rechten Arm. Ich kann noch immer nichts tun. Bin wie gelähmt. Dieses mal brennt eine Kerze. Ich sehe, dass ich festgeschnallt bin. Was auch immer dieses Wesen ist, es wollte wohl sicher gehen, dass ich nicht weg kann. Verdammt. Ich schaue zu meinem Arm. Die Pulsader wurde geöffnet und ich sehe wie sich das Blut bereits ausgebreitet hat. Der Schmerz ist nicht auszuhalten! Ich verliere fast das Bewusstsein, als ein lautes Klirren mich aufschrecken lässt. Direkt danach ein Fluchen. Kurz darauf tritt ein Mann aus dem Schatten. Er kam hinter einem riesigen Schrank heraus, in dem Bücher und Werkzeuge zu liegen scheinen. Panik. Ich starre in seine Richtung.

Er kommt zu mir. Ich bin hilflos ausgeliefert. Auch meine Stimme will mir noch immer nicht gehorchen und ich bekomme nur ein leises, gequältes Stöhnen heraus. "Oh, du bist wach, mein Sohn?" ... Er steht jetzt direkt neben mir, in der Hand ein Skalpell. Scheiße. Verdammte Scheiße! "Du hast meine Frau schon gesehen, nicht wahr? Sie wird bestimmt bald Heim kommen." Meine Gedanken schießen sofort zu der Leiche. Ihr gequältes Gesicht. Ihre blutverschmierte Kleidung. Nein... Ich werde hier nicht lebend rauskommen. Nicht bei diesem Psychopathen! Er lächelt mich nur an, während er das Skalpell an meinem anderen Arm ansetzt. Erst ein stechender Schmerz, dann das grauenhafte Gefühl, wie die Klinge durch mein Fleisch gleitet. Ich zucke zusammen. "Na, na. Beruhige dich. Alles wird gut, mein Sohn." Er nimmt ein Messer aus seiner Tasche... Und rammt es in meinen Bauch! Scheiße, der Schmerz ist so unerträglich! Lass mich doch endlich sterben, verdammt! Mein Gesicht verzieht sich vor unendlichen Qualen. Er lächelt mich noch immer an. Zieht es raus. Und sticht erneut zu. Ich spucke Blut und bekomme ein gebrochenes "Bitte... Nein..." zustande. Er hingegen summt weiter vor sich hin. "Alles wird gut. Alles wird gut." Schmerz in der Schulter. Brennen. Schwarz.

Ich schrecke auf. Keine Schmerzen. Keine Fesseln. Was? Wieder Schritte aus der Dunkelheit. Er kommt. Ich habe keine Angst mehr, nein. Seht mich an. 13 Einstiche in der Bauchgegend. Eine notdürftig genähte Wunde, irgendwo da, wo mein Herz sein sollte. Mein Schulterknochen ragt heraus. Meine linke Hand vollkommen zerfleischt. Ich kann mich wieder bewegen. Ich zupfe ein Stück loses Fleisch ab. Kein Schmerz. Er betritt den Raum. Ich habe Hunger. "Mein Sohn", sagte er voller Stolz, "Du bist wunderschön. Es ist Morgen, musst du nicht zur Schule?" ... "Ja, Vater."

Es ist ein ganz normaler Wintermorgen an einem ganz normalen Dienstag. Ich gehe ganz normal zur Schule.

Doch eines ist anders.

Ich habe Hunger. Und die Auswahl wird groß für mich sein.

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