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Die örtliche Bar hatte vor ein paar Minuten dicht gemacht, die Nachtschwärmer zog es nach Hause. Männer, frisch Verliebte oder aber auch einsame Herzen wie ich gingen nun nach Hause. Drei Whiskey auf Eis, vielleicht auch vier, ich weiß nicht, wie viele ich insgesamt getrunken hatte. Die Nacht war dunkel, lediglich das Licht der Laternen und der Autoscheinwerfer sorgte für Beleuchtung in der dunklen Straße. Man sah kein Licht in den Wohnungen brennen, Finsternis begrüßte die Stadt bei Nacht mit offenen Armen und war wie ein aufdringlicher Liebhaber nicht bereit, sie so bald gehen zu lassen. Mein Name ist Peter Simonds, ich war Detektiv, bis ich vor ein paar Minuten meinen Job verlor, kein Bedarf mehr hieß es.

Mein Chef sagte es sei alles eine Geldfrage, was dies in der Schuldenkrise des Landes heißt wenn man jemanden entlässt, darüber hat er sich sicherlich keine Gedanken gemacht. Drei Jahre nun friste ich alleine mein Dasein, keine Frau an der Seite die mein Herz erwärmt, der Alkohol hat dies heute Abend wiedereinmal geschafft. Angetrunken setzte ich mich in mein Auto und fuhr die knapp 50 Kilometer lange Strecke nach Hause, auch in dem Wissen, dass durch den Alkohol meine Sinne getäuscht sein könnten. Die beiden Autoscheinwerfer spendeten mir Licht während der Rückfahrt, die Welt um mich herum lag komplett in Finsternis, auf den Straßen brannte keine Laterne. Irgendwann sah ich auf der Straße eine graue Silhouette, den Umriss einer Frau. Ich blinzelte, sie war weg. Waren meine Sinne so getäuscht, wurde ich langsam verrückt? Ich fuhr weiter, machte für eine Sekunde kurz die Augen zu und sah erneut den Umriss dieser Frau und ich konnte eine Art von schwarzen Perlen an ihrem Hals erkennen. Ich schloss erneut für eine Sekunde kurz die Augen in der Hoffnung, dass sie den Weg freimachen würde.

Sie verschwand jedoch nicht und es krachte. Hatte ich jemanden überfahren? Es klang nach dem Aufprall einer Person auf mein Auto, ich raste in einen Baum, der unter einem Schneekleid liegend am Seitenrand stand. Das Auto überschlug sich zwei Mal und landete auf dem Dach, ich verlor dabei das Bewusstsein. Wie durch ein Wunder, hatte ich mir wohl lediglich das Bein verletzt, starke Schmerzen verrieten mir, mein Bein war verletzt. Jedoch war mir nicht mehr passiert, ein Wunder. Mein Handy hatte ich nicht dabei, es war eisig kalt und in der Nähe schien auch wohl keiner den Unfall bemerkt zu haben. Ich raffte mich auf und schleppte mich durch den Schnee, lediglich ein alter Trenchcoat wärmte meinen Körper. Weit und breit nichts, keine Menschenseele. Gerade als ich mich um einen kleinen Berg schleppte, sah ich eine alte Villa, auch vom Schnee bedeckt. Ich schleppte mich die Treppen zur Tür herauf, in der Hoffnung dort jemanden anzutreffen. Auf den Stufen war der Schnee bereits herunter getreten, hier musste doch jemand sein. Ein Klopfen an der Tür sollte den Bewohnern zeigen, ich bin da und brauche Hilfe. Nichts, keiner machte die Tür auf.

Wie es doch so schön heißt, man ist sich selbst sein liebster Gast uns so öffnete ich die Tür, denn sie war einen Spalt geöffnet. In der Haupthalle der Villa angekommen, merkte ich, wie Einsamkeit mich umfing. Die Villa schien komplett leer. Wie kann aber die Villa offen stehen, wenn hier niemand lebt? Fragen wie diese beschäftigen mich die ganze Zeit über. Auf dem Tisch lag eine Telefon, ich hob es ab in der Hoffnung, jemanden um Hilfe bitten zu können, die Leitung war tot. Ich ging in den nächsten Raum, dort war überall Erde und ein Spaten stand an der Ecke, die Erde darauf war noch frisch. Überall im Haus flackerte das Licht, durchgehende Beleuchtung gab es auch hier nicht. Auf dem Tisch in der Küche lag eine Schachtel Streichhölzer, 12 Stück waren darin. Ich zündete eins an und konnte so wenigstens etwas mehr Licht erhaschen. Im nächsten Raum erwartete mich das Schlafzimmer der Besitzer. Nur spärlich durch das Streichholz-Licht, konnte ich das Portrait der vermeintlichen Hausherren sehen. Es war ein älterer Mann mit weißem Haar und grauem Schnauzer und seine Frau mit grauen Haaren, die zu einem Dutt geformte waren.

Sie saß und er legte seine Hand auf Ihre Schulter. So schön dieses Bild auch wirken mochte, in ihrem Kopf steckte ein Messer auf der Leinwand, hier hat wohl das Schicksal im Ehebuch der Hausherren mit roter Tinte die Tragödie geschrieben. Fragen über Fragen gingen in meinem Kopf umher, was war hier passiert? Neben der Küche war direkt die Hausbar zu finden. In einem kleinen Raum war ein großer Holztisch, mit einem Mikrofon samt Ständer und in der einen Ecke des Raumes war eine Bilderwand mit einem Klavier und einem Plattenspieler zu finden.

Der Holztisch war so groß, man könnte denken, dies wäre eine Bühne. Direkt daneben stand ein Sessel, eigentlich war hier alles vorhanden, um entspannt in der Musik oder in Erinnerungen schwelgen zu können. Eigentlich, denn das Gefühl in diesem Haus war bedrückend. Nur das flackernde Licht oder der Schein meines Streichholzes sorgte für Licht im Dunkeln, draußen sah man außer einem Wald und rieselndem Schnee nichts, keine Menschenseele. Es war noch eine Platte aufgelegt auf dem Plattenspieler, auf ihr stand Meryl Sweet „Time to Realize“. Ich startete den Plattenspieler, setzte die Nadel auf, Musik durchdrang die Stille dieses einsamen Hauses. Plötzlich fegte ein kalter Wind durchs Zimmer, obwohl hier kein Durchzug herrschte und die Fenster geschlossen waren und das flackernde Licht an der Decke ging aus. Lediglich der Plattenspieler war noch in dem komplett dunklen Raum zu vernehmen. Auf einmal erklang dann eine Frauenstimme, eine Sängerin, von Richtung des Mikrofons. Die Musik war schleppend, wenig fröhlich mit eher düsteren Akkorden. Ein Klavier, ein Bass, mehr gab die Musik auf der Platte nicht her. Wie bei einem Karaoke-Abend, spielte der Plattenspieler das Instrumental, die Sängerin verlieh dem Lied mit ihrer Stimme Leben.

Die Frau sang so drückend und gleichzeitig hingebungsvoll, dass ich eine Gänsehaut bekam. Nachdem die Frau fertig gesungen hatte und auf einmal der Plattenspieler aufhörte zu spielen, war in der Mitte es Raums, beim Mikrofon, eine graue Silhouette zu erkenne. Moment mal, eine Frau, nur in Grau angedeutet, das kommt mir doch bekannt vor. Wie eine Art Geist schwebte sie über den Boden, in Richtung des Schlafzimmers der Hausherren. Vor dem Bild mit dem Messer und den beiden Hausherren, schwebte sie auf einen Brief zu.

Dieser lag vorhin noch nicht dort. Mitten im Schlafzimmer verschwand sie plötzlich. Auf dem Brief stand geschrieben: Ich bin die Tochter dieser beiden Menschen, die du auf dem Bild siehst. Der Tod entriss mir meine Mutter, mein Vater segnet nun mit Grimm die Erde vor dem Haus. Meine Stimme wurde nie erhört, die Bühne gehörte nie mir. Meine Geschichte kennst du nun, das Leiden meiner Seele hast du erfahren, willst du tatsächlich meinen, dein Leiden zerfrisst dir deine Seele?

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