FANDOM


Ich wache auf. Es ist kalt. Ich will nicht aufstehen. Wie jeden Tag. Doch ich besiege meinen inneren Drang liegen zu bleiben. Und so stehe ich auf. Erhebe mich aus meinem Bett in die Dunkelheit meiner Wohnung. Als ich versuche, das Licht einzuschalten, fällt mir wieder ein, dass ich die Stromrechnung nicht bezahlt habe. Licht ist also nicht. Ich ziehe die Rollladen hoch und stelle fest, dass es dunkel ist. Habe ich mal wieder den ganzen Tag verschlafen? Wenn man in seinem Leben keine Aufgabe hat, verschmelzen die Tage. Ich könnte mir einen Job suchen, doch habe ich dazu ehrlich gesagt keine Lust. Ich möchte nicht als auswechselbare Schraube in diesem System enden. Ich zünde ein paar Kerzen an und setze mich auf mein Bett. Da bin ich wieder, alleine mit meinen Gedanken. Alleine mit dem ständigen Gefühl, nicht alleine zu sein. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich weiß nicht mal mehr, wie ich aussehe.

In einen Spiegel zu sehen traue ich mich seit Wochen nicht mehr. Ich habe Angst, so große Angst. Alle Spiegel in meiner Wohnung sind verhängt. Besuch hatte ich lange nicht mehr. Wie sollte ich auch so was erklären? Verstehen würden sie mich ja doch nicht. Ich weiß selbst nicht, wieso gerade Spiegel eine so erschreckende Wirkung auf mich haben. Sie sind für mich wie die Dunkelheit, etwas Ungewisses in dem nicht klar ist, was mich erwartet. Ich meine, stell dir mal vor, ich sehe in den Spiegel und sehe mein Spiegelbild, doch dann bewegt es sich anders als ich. Es winkt mir zu und grinst. Ein Grinsen, das mir das Blut gefrieren lässt. Oder nehmen wir mal an, ich würde in diesen Spiegel sehen und hätte erst gar kein Spiegelbild. Das würde Fragen aufwerfen wie die, ob ich real bin oder vielleicht ein Geist. Bin ich verstorben? Was ist nur geschehen? Eine weitere Angst von mir im Bezug auf Spiegel ist, dass ich hinein sehe und hinter mir Jemanden stehen sehe, obwohl ich weiß, dass ich alleine Zuhause bin. Dann drehe ich mich um und sehe im Raum Niemanden. Nur durch den Spiegel sehe ich ihn. Das ist mir zu viel, dieses Risiko gehe ich nicht ein.

Auch Türen in meiner Wohnung halte ich stets verschlossen. Dieses ständige Gefühl, dass dort noch Jemand ist, in meiner Wohnung, meinen eigenen vier Wänden, der Ort an dem man sich sicher und geborgen fühlen sollte. Wenn ich in einem Raum sitze kann die Tür zu Flur nicht auf sein, es könnte Jemand hinter der Tür stehen, mich beobachten oder mich anfallen, wenn ich den Raum verlasse. Beim Duschen habe ich Angst sobald die Kabine beschlägt und ich nicht mehr in mein Bad sehen kann. Wenn durch den heißen Wasserdampf alles beschlagen ist, kann ich nicht sehen was mich hinter der Tür von Dusche zu Badezimmer erwartet. Nachts lasse ich niemals einen Arm oder ein Bein aus dem Bett hängen, aus Angst dass Jemand oder Etwas nach mir greifen und mich zu sich hinunter ziehen könne. Ständig sehe ich mich um, blicke mir über die Schulter. Ich höre Schritte und andere Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Leider weiß ich nicht, ob diese Dinge real sind oder meinem Kopf entspringen. Die Angst, sie fesselt mich. Ich verlasse das Haus nur wenn es wirklich nötig ist, meinen Keller betrete ich nie, genauso wie meinen Dachboden, wer ahnt, welches Grauen sich wohl dort verbirgt.

Ich weiß nicht mehr, wie es soweit kam. Ich weiß nicht, wie das Alles begann. Doch ich weiß, es wird nicht besser. Es ist nie klar, ob die Monster wirklich da sind oder nur in meinem Kopf. Ich sitze noch immer auf meinem Bett. Ich habe jegliches Gefühl für Zeit verloren. Wie lange ich wohl hier schon wieder sitze und vor mich hin grübel? Ich schalte eine Taschenlampe ein und gehe in die Küche. Dort zünde ich ein paar Kerzen an und mache mir auf meinem Gasofen die Suppe von gestern warm. Wieder versinke ich in meine Gedanken. Die Seele nimmt auf die Dauer der Zeit die Farbe der Gedanken an. Je dunkler meine Gedanken, desto dunkler ist demnach meine Seele. Es ist wie in einem dunklen Loch, aus dem ich nicht mehr heraus komme. Ich habe es auch gar nicht versucht. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt hinaus aus diesem Loch möchte. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wo ich mich doch an die stetige Anwesenheit von Dunkelheit in meinem Leben gewöhnt hatte, wollte ich mich von ihr schon gar nicht mehr trennen.

Das ist wie wenn man Jahre im Knast war und dann nicht mehr weiß, wie man außerhalb des Gefängnisses überleben soll. So ist es mit mir und der Dunkelheit, dem Kummer und der ständigen Angst. Ich merke Tag für Tag, wie die Angst mein Gehirn zerfrisst und die Dunkelheit meine Seele. Jeden Tag löse ich mich ein Stück mehr auf ins Nichts. Schon als Kind hatte ich Angst im Dunkeln doch wurde nicht ernst genommen. Es verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr und mittlerweile von Tag zu Tag. Die Dunkelheit umgibt mich und frisst mich auf und doch fürchte ich nichts mehr wie sie. Wie kann ich nur so große Angst haben vor etwas, das ein Teil von mir ist. Ich denke, das was ich am allermeisten fürchte, ist die Furcht und die Angst selbst, das Gefühl, Panik zu erleben. Die Angst davor stürzt mich immer weiter in einen Kreislauf aus Angst und Panik. Als Kind hatte ich immer Monster unter meinem Bett gesucht, doch als ich älter wurde fand ich sie. In mir selbst eingeschlossen.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki