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Langeweile ist ziemlich nervig, nicht wahr?

Wenn ich gelangweilt bin, rede ich gerne. Ich kann dir eine nette kleine Geschichte über diese merkwürdige Spezies namens „Mensch“ erzählen. Setz dich doch kurz und nimm dir die Zeit mir zuzuhören. Wenn du mich denn verstehen kannst.

Ich lebte eine Zeit lang bei der Familie Meier. Sie waren sich dessen vielleicht nicht bewusst, doch ich beobachtete sie unablässig. Ihr Verhalten war einfach zu komisch. Ich habe nie verstanden, warum Frau Meier diesen Mann geheiratet hatte. Er betrog sie schon, als die Beiden erst ein paar Wochen zusammen waren. Doch auf eine geheuchelte Entschuldigung und einen funkelnden Ring hin, verzieh sie ihm nicht nur, nein, nun hockt der Typ auf meinem Platz und sieht sich, sobald die liebe, naive Ehefrau nicht hinsieht, schmutzige Filmchen an.

Mit der Zeit wurde Frau Meier dann immer fetter. Zuerst dachte ich, es läge an den, zugegebener Maßen recht passablen, Kochkünsten ihres Mannes, aber ich merkte bald, das ein weiteres Familienmitglied dahinter steckte. Nur leider schien sie keine Ahnung davon zu haben, dass für die Wölbung ihrer Körpermitte ein kleiner Mensch verantwortlich war. Irgendwann registrierte sie es dann doch und hitzige Diskussionen über Namen und Kinderzimmer entstanden.

Die Schwangerschaft war wirklich lustig anzusehen, als die Frau seltsame Gelüste entwickelte. Ich hätte mir nie träumen lassen, jemanden zu sehen, der Fleisch mit Schokolade isst, aber siehe da, sie tat es. Oft saß sie nur stundenlang da, streichelte ihren Bauch und redete mit diesem Parasiten. Wie kann man etwas lieben, das einem lebenswichtige Nährstoffe entzieht und einen dick macht? Als sie dann auch noch in eine gurrende Babysprache verfiel und anfing, ihren Mann „Papa“ zu nennen, zweifelte ich ernsthaft an ihrem Verstand.

Die Monate vergingen recht rasant und ehe ich mich versah, war die kleine Maja da. Ich werde wohl nie verstehen, warum Herr und Frau Meier dieses kleine, speckige Bündel so anhimmelten. Dieses ständige Geschrei verhieß nichts Gutes, dass war mir schon klar, als sie das „süße und ach so anbetungswürdige“ Kind ins Haus trugen. Bei der Aufforderung, diesem Ding auch noch „Hallo“ zu sagen, verzog ich mich in den hintersten Winkel der Wohnung.

Die Tage vergingen nun quälend langsam, voll von Babyschreien, sowie denen eines entnervten Ehepaares. So wenig Vertrauen ich auch in Menschen habe, ich hätte schon gedacht, dass sie das Kleine noch etwas länger „niedlich“ finden würden. Sie schafften es gerade einmal zwei Tage lang. Sich aufs Übelste beschimpfend, stritten sie nun immer öfter darüber, wer sich um den Schreihals kümmern sollte. Auch die Tatsache, das Herr Meier jeden Tag bis spät Abends arbeitete und seine Frau allein ließ sorgte für Unmut. Mir konnte es egal sein, solange meine Grundbedürfnisse befriedigt waren, aber die ständige Unruhe machte auch mich aggressiv.

Und dann änderte sich alles.

Der Nachmittag schien normal zu verlaufen, nur zu ruhig. Einen Moment lang dachte ich sogar, Maja wäre tot, so still war es. Doch ein Gang in ihr Zimmer zeigte, dass sie lediglich schlief. Nebenbei bemerkt, sah ihr Bett recht bequem aus und so legte ich mich zu ihr. Leider weckte ich sie dabei auf. Das Baby versuchte darauf hin nach mir zu greifen. Entrüstet schlug ich nach ihr und brachte mich in Sicherheit. Nahezu augenblicklich begann sie wieder zu schreien.

Frau Meier kam herbei geeilt und trug die Kleine ins Wohnzimmer. Sie wiegte Maja in den Armen, tätschelte ihren Kopf und redete unverständliches Zeug. Es machte mich eifersüchtig, dass dieses nervige Etwas mehr Zuneigung bekam als ich.

Mehrere Minuten vergingen, doch Maja hörte nicht auf zu schreien. Und langsam, ganz langsam, veränderte sich Frau Meiers Gesichtsausdruck. Ich glaubte, blanken Hass erkennen zu können, als sie anfing, ihr Kind zu schütteln. Mit Tränen in den Augen, schrie nun auch sie, die angestaute Frustration heraus lassend. Ich verstand es nicht. Warum schrie sie, wenn ebendieses Geräusch sie so sehr in Rage versetzte? Still lag ich da, einfach nur dieses Schauspiel beobachtend. Auch als Majas Körper schon längst leblos in den Armen ihrer Mutter baumelte, hörte das Schütteln nicht auf.

Irgendwann endete es dann doch, ganz abrupt. Und dann saß Frau Meier auf dem Boden und weinte, die Leiche ihres Kindes im Arm haltend. Als sie erkannte, was sie getan hatte, ging das Schreien wieder los. Es beleidigte meine Ohren, weshalb ich mich dazu überwand, ihr ihre mangelnde Zuneigung meinerseits zu verzeihen. Ich stand auf, um dieses bemitleidenswerte Wrack zu trösten.

Ich setzte mich neben sie und begegnete ihrem verzweifelten Blick. „Was soll ich jetzt nur tun?“, murmelte sie immer wieder, den Kopf in die Hände gelegt. Auch wenn die Frage wohl nicht an mich gerichtet war, antwortete ich. Mit dem gleichen, für ihre Ohren monotonen, Laut, den ich immer von mir zu geben pflegte:


„Miau.“

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