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Der Tentakel dringt in meinen Mund, durchdringt meinen Kopf, zerfetzt mein Hirn! Dieses Biest zersprengt meinen Schädel, der Kater von vorhin ist nichts gegen den Schmerz, der sich in meinem Kopf breitmacht, meinem Kopf, der nicht mehr existieren dürfte. Ein Glockenton erklingt, schwillt an und dröhnt immer lauter in meinen Ohren, reißt an meiner Kopfhaut, skalpiert mich schier. Ich schreie, schreie, bis meine Stimmbänder reißen, doch das Klingeln der Glocken ist lauter. Brennend ist der Schmerz in meiner Kehle und in meinem Kopf, alles ist Schmerz. Ich schwebe im schwarzen Nichts, nur gehalten von tausenden Tentakeln an einem Kopf, und tausenden mehr, die meinen Körper in Stücke zerren, langsam an mir reißen und sich um die besten Stücke streiten. Wieso sterbe ich nicht? Ich müsste sterben! So etwas kann ich unmöglich überleben!

Eine dunkle, heisere Stimme erhebt sich aus den Untiefen meines Inneren, wispert, haucht Worte und flüstert immer lauter, schreit, brüllt dann aggressiv und herrisch gegen den Lärmpegel der spitzen Glocken und meines heiseren stimmlosen Keuchens in meinen Ohren an. Der Red Church entkommt niemand. Niemand! NIEMAND!

Ich schlage die Augen auf. Der Schmerz ist fort. Die Schwärze und die Tentakel sind fort. Was war das für ein Trip? Haben mir diese Freaks etwa doch Drogen gegeben? Ich sehe mich um, und mein Blick trifft auf lange, heiße Beine, einen engen Arztkittel und ein prall gefülltes Dekolletee, darüber ein wohlgeformtes, von seidigen Haare umrandetes Gesicht. Das nahezu perfekte Gesicht von Roxanne, der Monsterbraut, wie sie hinter einer Glasscheibe steht und mich anstarrt, keine drei Meter von mir entfernt. Aber wieso schaut sie mich an, als ob ich das Monster wäre? Es ist still im Raum, nur das leise Piepen der Geräte hinter mir gesellt sich zu meinem erstaunlich ruhigen Atem. Die Krankenschwester hinter der Scheibe im Nebenzimmer verschließt beiläufig die untersten Knöpfe ihres Kittels. Sie steht unschlüssig abwartend da, nur durch die dicke Glasscheibe des Fensters von mir getrennt, neben einem großen, von mir abgewandten Monitor. Mein Raum ist bis auf eine Menge Kabel, meine Liege und eine Art Kontrollgerät leer. Ich setze mich auf der Liege auf, an meinem Kopf sind Kabel, welche mich über eine Sturmhaube mit der Maschine verbinden. Sind das da auf dem kleinen Monitor etwa meine Werte? Sieht jedenfalls nicht gut aus, viel gelb und einige rote Lämpchen... ich entferne mit einem Ruck die Haube mit Elektroden und werfe sie auf die Liege, setzte mich an die Kante der Liege und dränge den aufsteigenden Schwindel zurück. Dr. Mengele-Frankenstein geht einen Schritt auf die Scheibe zu, hebt dabei beruhigend die Hände und wirft einen fragenden Seitenblick auf die heiße Schwester, welche ihn mit einer zackigen Geste zum Stillstand bringt.

Mein Reflex will mich zum Aufspringen bewegen, doch da ertönt ein Knacken von einem der dezenten Lautsprecher in den Ecken des Raumes. Der Mengele-Frankenstein-Verschnitt neben der Domina im Nebenzimmer räuspert sich und fragt zögernd: „Bitte bleiben Sie ruhig?“ Domina-Roxanne lässt ein genervtes Stöhnen verlauten und schiebt ihn beiseite. „Bleib sitzen, egal was du siehst, hörst oder sonst wie wahrnimmst, klar soweit?“

Ach ja, Roxannes liebliche, genervte Stimme. Im Raum hängt noch immer ein Hauch des Parfums, welches ich ihr zu unserem Hochzeitstag letztes Jahr geschenkt habe. Gekauft von unserem ersten Geld, welches wir mit einem kleinen Testlauf unserer Matrix-Spielerei gewonnen haben, an welche ich bis eben angeschlossen war. Ich atme erleichtert auf, als ich mich endlich wieder erinnere, und stehe auf, lehne mich lässig an die Liege und blicke herausfordernd zwischen dem Versager und der rattenscharfen Ärztin hinter der Scheibe hin und her. Endlich wieder Herr der Lage zu sein tut gut. „Ruhig sitzen bleiben habe ich gesagt!“ fährt sie mich an. Ich grinse sie nur herausfordernd an, dieses Spiel treibe ich gerne noch ein bisschen weiter. Offensichtlich weiß sie nicht, wie sie mich einzuschätzen hat. Wir waren uns nicht sicher, welche Auswirkungen ein solch abruptes, unvollständiges Abkoppeln hätte, wie es aussieht, denkt sie, ich wäre nicht bei Verstand. Tja, jetzt zeigt uns der Ernstfall wohl die Konsequenzen. Mir gefällt nur nicht, dass ausgerechnet ich das Versuchskaninchen bin. 'Aber wieso bin ich so unvermittelt aus der Matrix gerissen worden? Hat dieser Stümper Müller etwa einen Fehler gemacht?' meldet sich eine leise Sorge aus meinem Hinterkopf. 'Die Werte sahen mehr als bedenklich aus.' Dass Roxanne mich mit Absicht hat lange schmoren lassen, ist natürlich auch denkbar. Das wird mir dieses Biest schon noch büßen.

„Keine Sorge, mein Schatz. Ich erinnere mich an alles, und es tut mir sogar fast leid, dass ich dich da drinnen gekillt habe – fast“, beruhige ich sie dennoch. Roxannes knallrote Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, und sie nimmt eine entspannt-laszive Haltung ein.

„Ich freue mich, Schatz. Ich hatte schon Sorge, etwas könnte schiefgegangen sein... aber wegen Kehleaufschlitzens reden wir noch mal!“ Oh ja, sie ist sauer. Gott, ist dieses Temperament geil.

Neben ihr räuspert sich Müller, dieser Stümper. Wieso haben wir den eigentlich noch mit im Boot? Ich drehe mich mit einem missbilligenden Blick zu ihm, während meine Frau sich schon zur Tür, welche den Kontrollraum mit meinem verbindet, bewegt. „Wir sollten Sie noch testen, Wegener. Nur überprüfen, ob alles in Ordnung ist.“

Ich winke ab. „Ich denke, meine Privatschwester wird mich durchchecken können.“ Ihr bestätigendes Schnurren, während sie die Tür entriegelt und durchquert, ist Musik in meinem Ohren.

„Doch, ich denke, wir sollten darauf bestehen, dass -“, setzt Müller wieder an.

Ich will ihn höflich – ach, wem mache ich was vor? - ich will ihn einfach nur darauf hinweisen, dass sich niemand für seinen gottverdammte Meinung interessiert - doch in meinem Hals breitet sich wieder der Schmerz meiner reißenden Stimmbänder aus, und ich meine wieder die schleimigen Tentakel in meinem Kopf spüren zu können. Roxanne ist mittlerweile an meiner Seite angekommen, drückt mir einen Kuss auf die Wange und beginnt, das Gerät herunterzufahren.

Der Red Church entkommt niemand!“, verhöhnt mich die Stimme in meinem Kopf.

Erst Sekunden später erreicht mich die Tatsache, dass sich meine Stimme gerade selbstständig gemacht hat und das doch nicht nur in meinem Kopf war. Roxanne zuckt alarmiert zusammen und fährt zu mir herum. Auch Müller reißt erschrocken die Augen auf, wetten, dass er kurz vor einem Asthma-Anfall steht?

„Ein kleiner Scherz, Sie Trottel!“, verspottet ihn die Stimme weiter; meine Stimme, verdammt! Müller schüttelt den Kopf, dreht sich haareraufend weg und sichert den Verlauf der medizinischen Daten während des Versuchs. Ich will zu Roxanne blicken, doch auch meine Halsmuskulatur reagiert nicht auf meinen Befehl. Stattdessen flüstert es, dieses Mal wirklich nur für mich hörbar: Du jedenfalls entkommst ihr nicht!


Dann hebt sich gegen meinen Willen und meinen inneren Protest vehement ignorierend mein Arm und streckt sich in Richtung von Roxannes Hals aus.


~~ BecksLaFleur~~


Nächster Teil - Vom Regen in die Traufe

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