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Die schlanke junge Frau mit dem aufregenden Namen Roxanne und der noch aufregenderen Figur wischt sich eine Strähne ihres langen, seidig glänzenden Haars aus der Stirn. Ihr Blick wandert zwischen zwei Monitoren und einer großen Scheibe aus Sicherheitsglas hin und her, welche den Kontrollraum von dem zugehörigen medizinischen Labor trennt. In dem weiß gefliesten, von Kunstlicht erhellten Saal hinter dem Fenster liegt ein sehniger, athletisch gebauter Mann auf einem Operationstisch. Er trägt nichts weiter als einen eng anliegenden Catsuit und eine Sturmhaube, aus denen jeweils eine Vielzahl dünner Kabel ragen, die sich, zu einem dicken Bündel vereint, an einem großen Anschlusspult treffen. Um den Kopf des Mannes liegt ein halbkreisförmiger Schädel-CT, aus seinem Mund ragt ein transparenter Beatmungstubus. Als Müller hinter sie tritt und über ihre Schulter schaut, dreht sie leicht den Kopf zu ihm.

Wir sollten langsam mit der Abkopplungsprozedur beginnen, Doktor. Die Stunde ist fast rum.“

- „Lassen Sie ihn noch 10 Minuten drin!“ -

Laut Versuchsverlauf-Protokoll darf der Patient in dieser Testphase nicht länger als...“

- „Ich weiß; ich habe es selbst geschrieben. Jetzt tun sie gefälligst, was man Ihnen sagt!“ -

Aber die Gefahr, Hirnanomalien zu verursachen,...“

- „...ist überschaubar. Das Arschloch hat mir die Kehle aufgeschlitzt. Dafür soll er ruhig noch ein bisschen zappeln.“ -

Ein schmutziges Skalpell ins Auge gerammt zu bekommen, war auch nicht lustig. Bin ich deswegen rachsüchtig?

- „Das hat nichts mit ‚rachsüchtig’ zu tun, Müller. Meinen Sie ernsthaft, wir wären schon so weit gekommen, wenn wir uns immer ans Protokoll gehalten hätten?“ -

Wie Sie meinen, Frau Doktor. Machen Sie das mit ihrem Mann selbst aus!

- „Worauf Sie sich verlassen können, Müller! Je mehr vorher die Fetzen fliegen, umso besser wird nachher der Versöhnungssex.“ -

Roxanne Wegener grinst boshaft. Die Reflexion im Bildschirm ist zwar nicht klar genug, um seinen Gesichtsausdruck sehen zu können, aber Müllers Blickrichtung ist eindeutig. Er starrt ihr geradewegs in den Ausschnitt. Glotz nur, du kleiner, feiger Scheißer, denkt sie, näher wirst du in diesem Leben nicht rankommen. Als sie bemerkt hat, dass er sich nähert, ist sie extra bis an die Kante ihres Stuhls vorgerückt, hat den Oberkörper etwas vorgebeugt, die Beine leicht gespreizt und unauffällig zwei weitere Knöpfe ihres Kittels geöffnet. Wenn er sich nicht völlig dämlich angestellt hat, hat er sicher gesehen, dass sie keinerlei Unterwäsche trägt. Vielleicht sogar die große obere Naturperle ihres Deep-Hood-Piercings. Aber das hat sich dieser geile, sabbernde Sack wahrscheinlich nicht getraut. Tja, Freundchen, an meine Haut lasse ich nur Wasser und richtige Männer, denkt sie hämisch.

Ihr Blick gleitet mit Stolz und Begierde über den Körper des Mannes auf dem OP-Tisch. Das ist ein richtiger Mann. Ihr Mann! Ein Mann, der auch mal was riskiert. Ein Mann, der sich auch in einer völlig surrealen Welt und trotz Schmerzen durchbeißt. Als sie gesehen hat, wie er dem Roxanne-Monster, das der Computer generiert hatte, das Skalpell durch die Kehle gezogen hat, war ihr richtig heiß geworden. Und zwar nicht an den Ohren. Überhaupt... Wenn Müller wüsste, dass sie schon in der Mitte von Testphase II stecken. Er hat lediglich das „angepasste“ Versuchsverlauf-Protokoll.

Ende Testphase I:
‚Computergenerierte Simulationsumgebung, Testobjekt weiß um die Simulationsbedingungen, keine Persönlichkeitsmodulation’
Das einzig Richtige an dieser Beschreibung ist die computergenerierte Simulationsumgebung. Den Rest haben ihr Mann und sie stillschweigend unter den Tisch fallen lassen. Nur so erreicht man innerhalb des gedeckelten Budgets vorzeigbare Resultate. Je nachdem, welche Ergebnisse der heutige Test bringt, kann man schon Testphase III einleiten: ‚Persönlichkeitsmodulation mit dem Ziel der Handlungsbeeinflussung’. Wenn das funktionierte, würden Militär, Geheimdienste und Marketingfirmen Schlange stehen und sich mit Milliarden-Angeboten gegenseitig überbieten. Ein Soldat, der keine Furcht und keine Scham kennt, sondern nur Effizienz? Kein Problem. Ein Attentäter, der bis zur Tat nicht weiß, dass er einer ist? Wir liefern ihn. Ein Kunde, der selbst den größten Dreck zum höchsten Preis kauft? Nur eine Frage der Gewinnbeteiligung.



Ein leiser Glockenton erklingt. Roxanne schaut auf den Bildschirm. Einer der Messwerte für die Körperfunktionen hat die Farbe von Grün zu Gelb gewechselt. Geringfügige Kontraktion des Musculus rectus medialis. Das Muskelrelaxans lässt langsam nach. Ein Blick auf die Uhr. Es wird Zeit, mit der Abkopplungsprozedur zu beginnen. Sie gibt die entsprechende Befehle in die Simulationssteuerung ein und klickt auf „Enter“. Plötzlich wird die komplette Bildschirmoberfläche rot. Zwei weiße Buchstabenfolgen blinken ihr unbarmherzig entgegen:

+++ ACCESS DENIED +++

Ungläubig starrt die Frau auf den Bildschirm. Nach scheinbar ewig dauernden 5 Sekunden wechselt die Anzeige zurück zu den Körperdaten. Die Anzahl der gelben Bereiche füllt inzwischen etwa die Hälfte des Monitors. Und auch mehrere rote Bereiche sind dabei. Ihr Mann wacht auf. Und er ist noch in der „Matrix“, wie er selbst es scherzhaft nennt. Kein Mensch weiß, was passiert, wenn er jetzt die Sturmhaube mit den Elektroden abnimmt. Beendet das die Simulation? Und die Persönlichkeitsmodulation? Mit einem Ruck richtet sich Dr. Wegener auf. Verwirrt schaut er sich um, dann fällt sein Blick auf sie. Was sieht er? Roxanne, seine Ehefrau? Oder Roxanne, die Monsterbraut...


~~ Horrorcocktail ~~


Nächster Teil - Abgekoppelt

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