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Der Geruch war nun stärker geworden. Ich fluchte und versuchte, ihn zu ignorieren. Mein Hund zog wieder heftig an der Leine und schleppte mich der Quelle des Geruchs entgegen. Es roch verfault, wie verrottete Früchte. Ich hatte keine Ahnung, was wir da überhaupt entgegen gingen, so furchtbar stank es.

Seit 3 Stunden folgte ich diesem Geruch nun in den Wald hinein. Wo er herkam, wusste ich immer noch nicht. Ich bin Polizist einer kleinen Dorfgemeinde im Hinterland, meine Aufgabe war, dafür zu sorgen, dass alles in Ordnung blieb. Ich tat meinen Job gewissenhaft, aber einsam, weil ich der einzige Polizist der Gemeinde war. Generell passierte hier fast nichts, ein richtiger Schnarchnasenjob. Normalerweise. Allerdings wurde das Dorf schon seit Tagen von einigen ungeklärten Vermisstenfällen heimgesucht; seltsamerweise wurden nur Kinder vermisst. Die Gemeinde rätselte herum, und einige Mütter waren verzweifelt zu mir gekommen. Sie flehten mich an, ich solle doch ihre Kinder finden. Ich konnte nichts versprechen, doch ich versicherte, dass ich mein Bestes geben würde. Das war eigentlich gelogen, ich tappte bei meinen Ermittlungen im Dunkeln. Diejenigen, die etwas gesehen hatten, erzählten von einer großen Gestalt, und es sei immer ein metallisches Schaben zu hören gewesen. Nicht wirklich hilfreich. Doch heute Abend, als ich durch das Dorf patroullierte, hatte mein Hund eine Spur aufgenommen, der ich nun folgte.

Ich lief weiter und weiter, immer meinem Hund hinterher. Inzwischen war es schon so dunkel geworden, dass ich meine Taschenlampe hervorholen musste. Ersatzbatterien hatte ich keine, ich würde also nicht lange Licht haben. Ich war nun schon sehr tief im Wald- ich kannte die Umgebung, aber langsam wurde es mir mulmig. Die Bäume verdeckten die untergehende Sonne, es war sehr düster. Ich merkte, einfach weiterlaufen würde nichts bringen. Mit einem Ruck zerrte ich an der Leine, und der Hund blieb stehen. Ich horchte und hörte... nichts. Nicht ein Geräusch. Es war totenstill.

Das wunderte mich. Es musste doch irgendein Geräusch geben, irgendwelche Waldtiere. Aber da war nichts. Es war wie ausgestorben im Wald. Ich horchte wieder.

Da! Ein Geräusch. Irgenwie hörte es sich an, als würde etwas über den Waldboden gezogen, außerdem noch ein Stapfen, klang wie schwere Schritte. Ich wunderte mich wieder. Wer würde im Dunkeln etwas durch den Wald ziehen? Man konnte ohne Lichtquelle ja fast nichts sehen.

Vorsichtig zog ich meine Pistole und signalisierte meinem Hund, dass er leise sein sollte. Wenn es der Entführer war, dann erklärte sich, dass er so seltsame Aktivitäten im Wald bei Nacht trieb. Insgeheim hoffte ich aber, er sei es nicht. Ich schlich mich durch das Gebüsch an die Geräuschquelle heran, mein Hund pirschte neben mir zwischen den Ästen hindurch. Jetzt hörte ich noch ein Schaben. Klang metallisch. Wie die Dorfbewohner es beschrieben hatten...

Kein Zweifel, das war der ominöse Entführer. Jetzt würde er seine gerechte Strafe erlangen. Und trotzdem war ich nervös. Wieso überhaupt? Vielleicht, weil ich weder wusste, wie er vorging, noch wie er überhaupt aussah. Ich vertrieb die Gedanken aus meinem Kopf. Angst konnte ich in dieser Situation nicht gebrauchen.

Vorsichtig ging ich weiter, als ein Platschen erklang. Ich schaute nach unten und bemerkte schockiert, dass ich mitten in einer Blutpfütze stand. Leise fluchte ich; das konnte nichts Gutes für die Vermissten bedeuten.

Das Gebüsch endete abrupt, und vor mir befand sich eine Höhle. Ich hatte bisher nicht gewusst, dass sich im Wald eine Höhle befand. War ich zu weit weg gelaufen? Überhaupt sah die Höhle seltsam aus. Der obere Rand des Eingangs war gezackt, und pechschwarz gähnte mir die Öffnung entgegen. Zum Eingang führte eine Blutspur. Ich ging zum Gebüsch, und sah, dass sich die Blutspur durch den Wald zog. Eine Schneise war im Gebüsch, wo die Spur entlanglief. Als ich den Boden untersuchte, sah ich, dass große Fußabdrücke im Boden waren. Entweder jemand hatte etwas Schweres getragen, oder dieser Jemand war verdammt groß.

Langsam betrat ich die Höhle, meine Waffe im Anschag. Es war so dunkel, ich konnte kaum etwas sehen. Die Blutspur führte mich immer tiefer durch einen Tunnel. An einigen Stellen sah ich Kleidungsfetzen, sogar eine Mütze auf dem Boden liegen. Mein Hund schnupperte an der Mütze und ging den Gang weiter, ich folgte ihm. Nach einigen weiteren Schritten sah ich etwas in der Dunkelheit...

Ein totes Kind hing an der Wand. Ein Haken wurde dem Kind durch den Nacken gestoßen und trat am Mund wieder aus. Eine Kette hielt den Haken an der Wand fest. Dem Kind selbst wurden die Augen ausgerissen, die Organe hingen aus dem aufgerissenen Brustkorb heraus. Es hatte einen verzerrten Gesichtsausdruck, als wäre ihm bei lebendigem Leib der Haken durch den Nacken gestoßen worden. Eine Blutpfütze sammelte sich um die Füße des Kindes. Und alles stank genauso wie der Geruch, dem ich im Wald gefolgt war.

Ich musste würgen. Was für eine grausame Art zu sterben. Es brauchte schon fast übermenschliche Kraft, um den Nacken eines Menschen einfach so zu durchstoßen. Mir wurde schwindelig. Irgendjemand hatte die Kinder hierher verschleppt und grausam getötet. Nachdem mein Magen sich beruhigt hatte, schaute ich mir das Kind genauer an. Es war der kleine Tom, er war gerade 4 geworden. Seine Mutter hatte mich weinend gebeten, ihn zu finden... Mir kamen wieder die Tränen hoch, doch ich verdrängte sie. Entschlossen stand ich auf. Wer auch immer dieses Kind so leichtfertig getötet hatte, ich würde ihn bezahlen lassen!

Ich schlich weiter, die Waffe immer noch im Anschlag, als plötzlich mein Hund bellte und in den Gang hinein rannte. Ich versuche ihn zu stoppen, doch die Leine riss, und so blieb ich allein zurück.

Ich rannte ihm hinterher und rief, doch er war mir entwischt. Fluchend trat ich gegen einen kleinen Stein am Boden, doch dabei stolperte ich und fiel hin. Ich konnte mich gerade so noch abfangen, aber meine Taschenlampe fiel auf den Boden und ging dabei kaputt. Ich fluchte abermals, nun war ich völlig orientierungslos. Langsam tastete ich mich an der Wand entlang. In der Dunkelheit wurde mir wirklich mulmig. Da hörte ich meinen Hund jaulen. Der Entführer musste ihn gefunden haben! Inständig betete ich, dass er ihm nichts tat, und tastete mich weiter vorwärts. Nach mehreren Metern meinte ich etwas erkennen zu können. Es war ein kleiner Spalt einer Tür, hinter der ein Licht durch den Spalt drang. Ich hob meine Waffe, drückte meine Schulter gegen die Tür und stemmte sie auf.

Ich bekam einen RIesenschreck, dass mir der Mund offen stehen blieb. Ich befand mich in einer großen Halle, die von Fackeln erleuchtet war, und in der Mitte war eine metallene Säule voller Stacheln, sie waren etwa eine Armlänge lang. Auf die Stacheln gespießt waren die Kinder. Ihre Körper waren an mehreren Stellen von den Stacheln durchbohrt, und sie hatten alle diesen gequälten Gesichtsausdruck. Sie waren alle lebendig aufgespießt worden.

Auf der Spitze der Säule war mein Hund; ebenfalls aufgespießt. Er war am heftigsten zugerichtet, der Schädel war eingeschlagen, die Pfoten abgeschnitten. Das Blut tropfte von seinem Körper.

All diese Grausamkeit traf mich mit einem Schlag. Mein treuer Hund, all die Kinder, die immer so glücklich gewesen waren; alle tot, verstümmelt, ermordet. Außerstande, all das auszuhalten, sank ich in die Knie und weinte. Ich weinte um die Opfer, um die Familien, die ihre Kinder verloren hatten, ich weinte um mich, der all das mitansehen musste.

Vor Trauer bemerkte ich nicht das schlurfende Geräusch, das sich mir näherte. Ich bemerkte die hinter mir aufragende Gestalt nicht, die einen Haken in der Hand hielt. Ich sah nicht, wie sie ausholte und auf meinen Nacken zielte...

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