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Eis, so klar und rein wie neues Glas.

Licht fällt hindurch, bricht sich in Myriaden einzelner Strahlen, Regenbögen tanzen über die intensiv blauen Wände aus gepresstem Schnee. Der gebündelte Kegel einer einzigen Lampe beleuchtet den Weg nach unten. Wie weißer Qualm steigt Atem vor dem Gesicht auf und entschwindet durch den schmalen Spalt dutzende Fuß weiter oben an die Oberfläche.

Knirschend graben sich Steigeisen und Pickel in die spiegelglatte Oberfläche der Steilwand. Feiner Eisstaub rieselt in den gähnend schwarzen Abgrund. Bodenlos, bis tief in die Eingeweide der Erde.

Was man hier sucht?

Nichts. Es ist der Nervenkitzel.

An diesem ruhig lauten, knirschend und knackenden Ort, an dem noch nie zuvor eine Menschenseele ihr Glück versucht hat. Quietschend läuft das Seil durch die Verankerung und einige Ösen, die alle paar Meter in die Wand getrieben werden, bis hin zu einem breiten Eingang, der wie eine Höhle weiter in den Gletscher hinein fühlt.

Schwungvolle Landung, kurzes Orientieren und wissendes Grinsen diesen Ort entdeckt zu haben.

Der Boden ist rau, wellig. Man erkennt wo das Wasser hinab schießt, wenn die Temperatur das Eis schmelzen lässt. Oder eine jener verborgenen Blasen aufplatzt und alles überflutet, mit sich reißt was ihr im Weg steht. Doch nicht heute. Es ist kalt genug.

Langsam, vorsichtig, nur kleine Schritte machen. Keine falsche Bewegung. Es könnte tödlich sein. Tastend die behandschuhten Hände an den schimmernden Wände. Unheimliche Geräusche, wie nicht von dieser Welt in dieser Eishölle.

Keine Sackgasse, ein langer Gang folgt der Höhle, bis hin zu einem weiteren Abgrund.

Künstliches Licht reißt den Abgrund aus seinem schwarzen Schlaf, offenbart jedoch nichts Neues. Die Birne ist zu schwach, als das sie den Boden erreichen würde.

Kurzes Überlegen, ob es die Gefahr wert ist. Dann ein liebliches Zucken und der weitere Abstieg kann beginnen.

Langsamer dieses Mal. Behutsam. Die Zeit dehnt sich wie ein Stück weicher Kaugummi. Schweiß rinnt unter dem dicken Pulli in den Bund der Hose und lässt schaudern.

Dann der Boden. Klaustrophobische Enge. Die Wände kaum mehr einen Meter voneinander entfernt. Doch kann man etwas wie einen Pfad erkennen. Pfeifender Atem der in dem Schacht schallt und tausendfach gebrochen zurück kommt. Tickend knirschendes Eis, millionen von Tonnen die mit unsichtbarer Gewalt von oben drücken, nur darauf wartend ein Opfer zu finden.

Ein Überhang und der Gang führt weiter, zu groß die Neugierde.

Ein lautes Knirschen, verhaltenes Innehalten, Lauschen. Da war nichts, alles in Ordnung.

Zwei, drei weitere Schritte, wieder dieses Geräusch, nicht weit hinter ihm. Kopfschüttelnd umdrehen; wie erwartet: vollkommen allein.

Das Dröhnen wird lauter, einem Rauschen gleich. Dann Brechen und ein wahrer Schlag.

Der Lichtstrahl, der durch den Eingang fällt, wird zerschnitten. Weißer Staub in der Luft, legt sich direkt in die Lunge. Eisige Kälte, wie ein Hammer, entgegen geschleudert, lähmt.

Panik. Nackte, grauenerregende, tierische Angst.

Eingeschlossen.

Verzweifeltes Stürmen, klanglose Hiebe gegen die unnachgiebige Wand aus gefrorenem Beton. Alles glitzert, alles blau, alles weiß. Alles schwarz.

Gehörlose Schreie. Niemand weiß wo, keiner wird kommen. Erschütternde Nüchternheit.

Krachend schlägt der Pickel gegen das zementierte Eis. Bricht nur kleine Stücke heraus. Wie eine schleichende Krankheit legt sich die Kälte herum, klammert wie eine Schelle aus gehärtetem Stahl. Schnürt die Luft zum Atmen ab, lässt Sterne vor den Augen tanzen und den  Verstand gefrieren.

Wahnsinn greift an und löscht alles aus. Irrationale Handlung sich die Kleidung vom Leib zu reißen.

Wärme als Mittel diese Wand zu schmelzen.

Zu spät die Erkenntnis das es längst zu spät ist.

Sinkt auf die Knie, die Kehle blutend vom Schrei…

… im eigenen Grab.

Ravnene

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