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Rost bröckelt, Metall kreischt auf, als die schwere Metalltür aufgerissen wird. Das gequälte Schreien der Angeln mischt sich mit dem verzweifelten Brüllen einer Kreatur auf der Schwelle des Todes. Schritte hallen eilig durch den Gang, an dessen Ende der Irrsinn ein Bild gemalt hat, welches für die, die es nun gleich sehen werden, nicht nur zum Alptraum werden wird, sondern auch den Beginn einer neuen Zeitrechnung darstellt: an diesem Tag, zu jener Stunde stirbt die Hoffnung für diese Menschen. Endgültig und unwiederbringlich.

Etwas bewegt sich dort im Halbdunkel. Bewegt sich und die Schreie werden noch lauter. Ein ohrenbetäubendes Krachen wie von berstendem Holz begleitet diese Melodie der Agonie. Dann blitzt Licht auf – Spotlights erhellen eine Szenerie, die besser in der Dunkelheit verborgen geblieben wäre. Der Anblick schockiert die eintreffenden Polizisten so sehr, dass sie zu spät auf den schwarzen Schemen reagieren, der sich durch eine Seitentür davon macht. Diese kurze Reaktionsverzögerung ist es, die später dafür sorgen wird, dass man in der Ermittlungsakte leider zugeben muss, den Täter zwar noch vorgefunden zu haben, er aber trotz allen Bemühungen entkommen und immer noch auf freiem Fuße ist.

Der Ersteindruck ist überwältigend. Zwei Männer beginnen, sich wortwörtlich die Seele aus dem Leib zu kotzen. Man hat schon Tote gesehen, aber das hier will wirklich niemand sehen. Das hier hat nichts mit Zorn, Hass, Habgier oder Leidenschaft zu tun. Das hier ist schlichtweg abartig. Unmenschlich. Irgendwo in der Gegend rennt ein Etwas herum, das sich eine Menschenhaut übergezogen hat, zur Tarnung. Damit es besser und unerkannt an seine Opfer herankommt.

Die Szene ist bestens beleuchtet. Von der Decke hängen feine Stoffbahnen aus hellblauem Chiffon. Bewegen sich in der Zugluft, werfen feine Schattengespinste auf das Geschehen. Drei Stangen halten den Toten in Form: eine Querstange, auf der der Tote hockend platziert wurde und zwei Stangen, wie Speere in den Boden gerammt, die Arme haltend. Fast schon filmreif. Perfektionismus war hier am Werk. Irrsinn hat das Drehbuch geschrieben. Der Hauptdarsteller: ein unfreiwilliger Akteur, hineingezwungen in seine Rolle, die Arme weit ausgebreitet, einem segnendem Priester gleich. Die Hände fehlen jedoch, aus den Stümpfen sickert weiterhin Blut. Der gesamte Körper ist bedeckt von Federn. Nicht aufgeklebten Federn – jede einzelne ist mit dem Kiel unter die Haut geschoben worden. Keine Feder steht ab oder ist in ihrer Größe unpassend zur Körperstelle gewählt. Alle sind makellos schwarz, ölig glänzend. Rabenfedern. Hunderte. Fast scheint es als wären sie aus der Haut gewachsen. Dünne Rinnsale von Blut strafen diesen Eindruck Lügen.

Die Haut unter den Armen wurde gedehnt, bis sie lang genug war, die Kluft zwischen ausgestreckten Armen und Oberkörper zu überwinden. Wurde dann angenäht, ist verheilt, verwachsen. Wäre diese Haut nicht auch über und über mit Federn bedeckt, würde es an Flughäute erinnern. Die Beine sind dicht an den Oberkörper gepresst, die Füße abgeschnitten und durch die Hände ersetzt, die sich um eine dicke Eisenstange krallen. Die Fingernägel lang und spitz. Vogelkrallen. Die Augen wurden entfernt und durch großen rund geschliffenen Obsidian ersetzt. Nase und Unterkiefer wurden entfernt, die obere Zahnreihe schneeweiß und ein schockierender Kontrast. Kein Tropfen Blut an den Zähnen, fein säuberlich gereinigt, lächelnd. Ein weiterer Polizist übergibt sich.

Wie lange mag es gedauert haben, bis jener Mensch völlig verwandelt ward? Monate? Jahre? Unvorstellbar diese Zeitspanne in Bezug auf das zu erwartende Leid. Doch ich mag euch ein Geheimnis verraten. Die gequälten Schreie, sie stammen nicht von ihm. Sie stammen von mir. Weil nicht ich dort sitzen darf. Verwandelt. Mein eigentliches Wesen zeigend. Ich bin neidisch. Wütend. Und zugleich empfinde ich Hochachtung vor diesem, der eingewilligt hat, sich in meine Hände zu begeben. Mir gestattet hat, dass ich sein Inneres der Welt zeige. Ihn gebären durfte, diesen Alptraum. Ich lächele. Hole tief Luft. Atme bewusst. Welch ein wunderbares Element – Luft.

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