FANDOM


„Bei diesem Wetter sollten wir nen Zuschlag bekommen für jedes Mal, wenn wir den Wagen verlassen müssen...“, brummt der Polizeibeamte seinem Kollegen zu, das Gesicht mürrisch verzogen. Dieser nickt nur knapp, auch er sieht nicht gerade begeistert aus: “Na wenigstens sind wir gleich im Trockenen. Laut Funk wurden hier die Schreie gemeldet.“

Er irrt sich, denn gerade sind die Beiden dabei vom Regen in die Traufe zu geraten. Das Gebäude, das sie betreten, ist ein altes Schwimmbad, das bis vor kurzem noch als Discothek benutzt wurde, nun aber zum Renovieren leer steht. Die Eingangstür steht einladend offen und die zwei Polizisten haben selbst noch nie genug Action erlebt um bereits an dieser Stelle vorsichtig zu werden. Als die Zwei die Stufen des Eingangs hochsteigen, fällt ihnen auch nicht auf, dass die Treppe wasserüberflutet ist. Ein sehr sachtes Rinnsal fliesst die Stufen hinab, grade genug um die Treppe völlig unter Wasser zu setzen. Das Geräusch zweier Paar Füße, die mit schweren Stiefeln die Stufen erklimmen, bilden den Auftakt für eine ganz besondere Sinfonie...

Pitsch, patsch. Pitsch, patsch. Pitsch, patsch. Dann Stille. Rascheln von Stoff, als sich zwei Körper nebeneinander durch die Tür drängen. Weiteres Platschen - Stiefel die durch Wasser waten. Kurze Suche durch das Erdgeschoss und den kleinen Kellerraum. Nichts. Unaufhörlich geben die Stiefel nun einen Takt vor, hallen wieder, fordern die anderen Musiker heraus, endlich mit dem Spielen zu beginnen. Der erste Ton erklingt, ein sattes „Pling“, wie von einem schweren Wassertropfen, der auf Metall trifft, selbiges zum Klingen bringt. Ein weiterer Ton. Die Ouvertüre hat begonnen...

Die taktgebenden Schritte schwingen sich hoch in den ersten Stock. Ein weiteres kurzes Zwischenspiel, welches in einer weiteren erfolglosen Suche endet. Als die Schritte sich gerade der Treppe erneut nähern, ertönt das Tröpfeln unzähliger kleiner Tropfen, die auf den nassen Boden treffen. Ein genau abgestimmtes Werk von kleinen Wasserspritzern, die fast so etwas wie den Grundstock einer Melodie bilden. Das Echo dieser leeren Hallen wirkt wie ein natürlicher Verstärker und doch sind die einzigen Zeugen dieser Aufführung taub für die Bedeutung dieser Komposition.

Als die Polizisten die letzte Tür öffnen - eine weit ausladende Doppelschwingtür – beginnt die Arie. Ein dünner spitzer Schrei, der fast klingt als würde jemand seine Stimmbänder mit Glas zerschneiden, schallt den beiden entgegen. Dann öffnen sich verborgene Schleusen und ein großer Schwall Wasser ergießt sich über die zwei. Ihre Flüche sind ein kaum wahrnehmbarer Misston im großen Orchester aus kleinen Rinnsalen, stetig tropfenden Wassertropfen und dem Dröhnen der ungezählten dicken Tropfen, die weiterhin auf Metall schlagen.

Hier in der großen Halle im zweiten Stock wird das Finale gespielt. Der Schrei verstummt, die Todesarie ist vorbei, doch es folgen Kaskaden von Wasser, die vor den beiden niedergehen. Die Sicht ist versperrt, daher verlassen sie sich nun ganz auf ihre Ohren. Der Klügere von beiden erkennt nun die Absicht hinter all den Tönen, kann für einen Moment die gesamte Komposition verstehen. Doch seine Erkenntnis wird hinweg gefegt von einem lauten Krachen. Keinen Meter vor ihm kommt die Decke herunter und kündigt mit einem Knall an, dass nun der Höhepunkt erreicht ist. Der Staub wird sofort vom Wasser hinweggespült, die Sicht ist nun glasklar, als ein Körper dort aufschlägt, wo eben die Decke gelandet ist.

Für einen Moment bleibt die Zeit stehen. In dieser einen Schrecksekunde brennen sich Details ein, die nie wieder auszulöschen sind. Der eine wird es dennoch versuchen – erst mit Alkohol, später mit Kokain – und scheitern. Erst der Sprung von der Brücke in den Rhein wird ihn erlösen, doch für einen Moment wird er dann eintauchen in diesen zeitlosen Augenblick.

Haut, bis zum Bersten gespannt, bläulich schimmernd, durchsichtig zart. Zugenähte Körperöffnungen, mit Folie verstärkt, die in kleinen Fetzen absteht, das Wasser im Körper hält. Der nasse Aufschlag, gefolgt vom unangenehmen Platzen des Körpers. Knochen, die durch die Gegend springen, eine Kakophonie von trommelnden Schlägen. Ein Lachen, erfüllt von Heiterkeit und Erleichterung über ihren Köpfen. Ein Blick nach oben: eine schwarze Gestalt, umhüllt vom Lichtschein eines starken Strahlers. Dann Dunkelheit...

Ein neues Opfer. Ein neuer Schauplatz. Ratlosigkeit wie zuvor. Die Einsatzleitung gibt die Anweisung heraus, nun besonders auf alles zu achten, was mit Feuer zu tun hat. Ob es ihnen etwas nützen wird?

Wieder bin ich entwischt. Wie ein Aal habe ich mich aus der Situation gewunden. Mein Werk zieht Kreise, wie ein Stein, den man in einen ruhigen See wirft. Bald. Bald ist meine Offenbarung reif für den menschlichen Verstand. Ich sitze in meinem Versteck, denke nach. Trinke einen Schluck – Wasser.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki