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Ellen war 15 Jahre alt. Sie hatte wunderschöne blonde Haare, tiefgrüne Augen, zwei kleine Brüder – Joey, 12 Jahre alt und Marco, 8 Jahre alt – und lebte mit ihrer Mutter zusammen in einem typischen Einfamilienhaus einer amerikanischen Kleinstadt. Ihre Eltern waren geschieden. Ellens Schulnoten waren recht gut, auch wenn sie wenige Freunde hatte, sie wurde weder gemobbt noch gehasst, hatte einen festen Freund namens Jacob – Ein typisches Teenagermädchen eben.

Nach der Schule traf sich Ellen mit ihrer besten Freundin Jill. Beide kannten sich bereits seit der Grundschule und gingen durch dick und dünn. An jenem Donnerstagnachmittag ging Ellens Mutter mit ihren Freundinnen einkaufen. „Viel Spaß, ihr zwei!“, hörten Ellen und Jill es noch von der Eingangstür aus, bis Ellens Mutter jene zuschloss und die beiden alleine zu Hause waren. „Da meine Mum jetzt weg ist“, begann Ellen zu sprechen, „kann ich es dir endlich sagen, ohne dass es jemand anders mitbekommt!“ „Was ist denn?“ „Mit Jacob… Es ist aus. Wir lieben uns einfach nicht mehr! Er ist letztens mit Caro fremdgegangen!“ „Oh mein Gott!? Das ist ja furchtbar!“ „Und deshalb möchte ich ihn aus meinem Leben auslöschen!“

Ellen nahm ein Fotoalbum, in welchem sich gemeinsame Bilder mit ihr und Jacob befanden. Sie nahm eine Schere, das erste Foto aus dem Album und schnitt die Silhouette ihres Ex-Freundes aus. Langsam zerriss sie den ausgeschnittenen Jacob und grinste dabei: „Es ist so ein wunderbares Gefühl! Jill, mach doch auch mit!“ Jill nahm sich ebenfalls ein Foto und zerriss es. „Gut gemacht, weiter so! Oha was hab ich denn hier?“ Eine Zeichnung von Jacob kam in Ellens Blickwinkel. Von ihm gezeichnet. Sie sollte das sein. „Dieses Werk verdient ein besonderes Ritual!“ Ellen nahm ein Feuerzeug und hielt es unter das Bild. Ein kurzer Klick, und schon fing die Zeichnung an zu brennen. Die Flammen loderten langsam, es knisterte.

Auf einmal schrie Ellen auf. Das Feuer hatte ihre Haare erfasst, sie ließ das Bild fallen und rief: „Jill!!! Hilf mir!“ Hastig drehte sich Jill um und griff nach der nächstliegenden Flüssigkeit aus dem Schrank, in der Hoffnung, es würde das Feuer in Ellens Haaren löschen. Schnell öffnete sie die Flasche, doch Ellen schrie: „Jill!? Das ist Alkohol!“ Doch es war zu spät. Der Alkohol lief über Ellens zartes Gesicht, das Feuer breitete sich aus, sie schrie lauter. Ihre Schmerzen waren unfassbar schlimm. Der brennende Alkohol lief in Ellens Augen, Jill konnte sich von dem Schock nicht bewegen und schaute dem Leiden ihrer besten Freundin zu.

Nicht einmal den Notruf konnte sie wählen… Es war so, als wäre sie in eine Schockstarre versetzt worden. Ellen fiel zu Boden. Sie wurde schwächer, von Sekunde zu Sekunde. Ihre letzten Worte, mit letzter Kraft, waren: „Ich hasse dich!“ Daraufhin bewegte sie sich nicht mehr. Jill nahm wortlos eine Decke und legte sie über das Feuer, um es zu erlöschen. Hätte sie das nicht vorher machen können? Es wenigstens versuchen? Wegen ihr war nun ihre beste Freundin tot… Langsam schob Jill die Decke weg. Sie blickte auf Ellens verkohltes Gesicht und brach in Tränen aus.

Doch ihre Trauer wurde jäh vom Geräusch der aufschließenden Haustür unterbrochen. Ellens Brüder kamen vom Sportverein nach Hause. „Jill..?“ Marcos Blick fiel auf den toten Körper seiner Schwester. „Ahhh, was ist passiert!?“, schrie er auf. Jill konnte nicht mehr. Sie fing an zu rennen und verließ das Haus ihrer besten Freundin. Ein kurzer Blick zurück. Sie spürte einen stechenden Schmerz in ihrer Seele – Schuldgefühle. Auf einmal fühlte sie einen starken Schmerz auf ihrem Rücken… Daraufhin auf ihrem Kopf… Sie wurde kraftlos.

Jill war so sehr in Gedanken auf Ellen konzentriert, dass sie ohne Umschauen über die Straße gelaufen war und von einem Auto angefahren wurde. Blut schoss aus ihrem Hinterkopf auf die Frontscheibe des Autos. Langsam schlossen sich Jills Augen. Geschockte Passanten versammelten sich um den Ort des Unfalles. Der Notarzt wurde gerufen… Während Joey und Marco geschockt auf der Treppe vor ihrem Haus saßen und nicht fassen konnten, was passiert war.

Langsam öffnete Jill ihre Augen. Sie nahm ihre Umgebung gar nicht richtig wahr. „W-wo bin ich?“, sagte sie mit schwacher Miene und schaute sich um. Ein schwach beleuchteter Raum. Neben ihrem Bett standen ein Arzt und Jills Mutter. „Schatzi, du hattest so Glück, dass du überlebt hast! Mehr als eine akute Gehirnerschütterung, ein paar Knochenbrüchen und Prellungen sowie Blutergüssen… Es hätte viel schlimmer enden können.“ Der Arzt fügte hinzu: „Du wirst die nächsten zwei Wochen hier bleiben müssen. Mindestens. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden…“ Daraufhin verließ er das Patientenzimmer. Außer Jill und ihrer Mutter war hier sonst niemand, es war ein Einzelraum.

„Was machst du nur für Sachen, Jilli? Ich hab mir so viele Sorgen gemacht!“ „M-mama… Es… tut mir leid, ich w-war in Ei… Eile.“ Müde und kraftlos versuchte Jill, einen Satz heraus zu bringen. „Ich d-denke ich… gehe schl… schlafen…“ „Mach das“, entgegnete ihre Mutter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Daraufhin schaltete sie das Licht im Patientenzimmer ihrer Tochter aus und verließ den Raum. Jill versuchte einzuschlafen, doch die Gedanken an Ellens Tod holten sie ein. Es war so, als hätten sie sich als Film in ihr Gehirn eingespielt und würden ständig wiederholt werden. Ein ewiger Schock. Sie versuchte, an etwas anderes zu denken, doch sie schaffte es nicht.

Bis sie plötzlich einen lauten Schrei vernahm. Es war die Stimme ihrer Mutter. Jill wollte aufstehen, doch sie konnte nicht. Eine Krankenschwester bemerkte den Schrei und rannte schnurstracks den Gang entlang. Was sie dort sah, war furchtbar: Jills Mutter lag auf dem Boden. Tot. Ihr Gesicht war blutüberströmt, ihre linke Augenhöhle leer. Ein Teil ihres Armes war verbrannt. An der Wand standen mehrere Worte, welche mit dem Blut der Frau geschrieben wurden: „Ellen was here“. Sofort drückte die Krankenschwester den Notfall-Knopf.

Während die Notärzte nach wenigen Minuten also hoffnungslos versuchten, Jills Mutter zu reanimieren, betrat die Krankenschwester das Zimmer der Patientin: „Hallo, Jill…“ „W-was ist mit meiner Mutter?“, antwortete sie tränenüberströmt. „Nun ja, sie wurde wohl umgebracht, eine Wiederbelebung ist nicht möglich.“ Jill schaute an die Decke. Vor gut zwanzig Minuten hatte sie ihre Mutter noch gesehen, und jetzt? Jetzt war sie tot! „Und wir müssen dir noch etwas mitteilen… Scheinbar wurde sie in der kurzen Zeit von einer gewissen ‘Ellen‘ ermordet. Weißt du, wer das sein könnte..?“ Jill schaute die Krankenschwester geschockt an.  „J-ja… Es war meine beste Freundin… Oh nein!“ Ihr Atem stockte. Sie schloss ihre Augen und wollte einfach weg. Weg von diesen Gedanken. Weg von Ellen. War das alles nur ein schlimmer Alptraum? Jill versuchte, ihre Augen zu schließen und zu schlafen. Ihre Augen schlossen sich langsam… Und sie schlief wirklich ein.  

Am nächsten Tag wachte Jill gegen 11:30 Uhr auf. Sie schaltete das Radio an, wollte etwas entspannen, nach diesen schlimmen Stunden. Der Sender spielte gerade die Nachrichten ab:

„[…] nach dem Tod der 15-jährigen Ellen S. und der Ermordung der 38-jährigen Eileen K. wenige Stunden später, ermittelt die Polizei weiter. Am Tatort des Mordes an Eileen K. wurden die mit Blut geschriebenen Worte ‚Ellen was here‘ aufgefunden. Welchen Zusammenhang die Tode der beiden Personen haben, ist noch unklar.“

Jill schaltete das Radio aus. Sie fing wieder an zu weinen. Warum nur? Warum? Sie hatte es doch nicht extra gemacht, damals mit Ellen… „Aber warum rächte sich sie sich an meiner Mutter?“, fragte sie sich. Familie hatte sie kaum, nur ihre Eltern… Ihr Bruder war schon vor ihrer Geburt gestorben.

Ihre Gedanken wurden unterbrochen vom Eintreten der Krankenschwester in ihr Zimmer. „Hier das Frühstück: Haferflocken-Müsli, Kamillentee, Zwieback und ein leichter Brotaufstrich. Dazu habe ich Taschentücher für dich mitgebracht und einen Zeichenblock… In einer halben Stunde kommt ein Polizist hinein. Er will dich ausfragen, wegen deiner Mutter und der Sache mit dieser Ellen, wenn das okay ist…“ Jill seufzte stotternd: „Klar… ist es… d-das.“ Ihr Frühstück fasste sie gar nicht erst an. Sie hatte keinen Hunger.

Nach den 30 Minuten, welche sich für Jill wie eine halbe Ewigkeit anfühlten, betrat der Polizist den Raum. Er hatte einen massigen Körperbau, kurze Haare und eine schwarz umrandete Brille. „Mein Name ist Officer Rays“, fing er an zu sprechen, „und ich habe ein paar Fragen bezüglich der Todesfälle deiner ehemaligen besten Freundin Ellen S. und deiner Mutter, Eileen K.“ „J-ja, o-okay!“ „Und zwar: Was ist gestern Nachmittag vorgefallen? Was ist da mit Ellen vorgefallen?“ Jill brach erneut in Tränen aus: „E-es war ein Unfall… I-ihre Haare sie h-haben gebrannt… Und ich wollte e-es lö… löschen mit Wasser… D-doch ich hab nach A-Alkohol gegriffen. U-und w-war zu schock…“ Keinen vernünftigen Ton brachte sie mehr raus.

„Und weshalb hast du nicht den Notruf gewählt oder den Notarzt gerufen?“ Keine Antwort. Jill schaute auf ihre Decke. Ihr Blutdruck sank. Sie wurde schwächer, sofort betraten die Ärzte den Raum. Jill ist ohnmächtig geworden. Der Officer schaute sie noch einmal an. Danach verließ er das Zimmer. Die Krankenschwester flüsterte ihr ins Ohr: „Dein Vater kommt dich nachher besuchen.“ Doch Jill hörte die Worte der Krankenschwester nicht und schlief ein.

Gegen 16:00 Uhr wachte Jill wieder auf. Neben ihr stand die weinende Krankenschwester mit einer herzzerreißenden Nachricht: „Dein Vater… Er wollte dich heute besuchen kommen… Er hatte auf dem Weg hierher einen Autounfall und ist dabei ums Leben gekommen. Und auf der Frontscheibe des Autos fanden sich, erneut in Blut geschrieben, die Worte „Ellen was here“. Es tut mir so leid für dich…“ Jill starrte an die Decke. Ellen hatte ihr bereits ihre Mutter und ihren Vater genommen. Sie würde die nächste sein. Sie wollte es sagen, jedoch brachte sie keinen Laut über ihre Lippen.

Regungslos lag Jill im Bett und starrte die Decke an. Stundenlang. Sie machte sich Gedanken über den Tod… Und was in den letzten 24 Stunden geschehen war. Ihr gesamtes Leben hatte sich verändert. Leben… Es war mehr die Hölle. Im Kopf spielte sie noch mal alles Erlebte in diesen 15 Jahren ab… Doch nichts hatte sie so sehr in ihre Erinnerung eingebrannt wie die letzten 24 Stunden. Es war bereits 21 Uhr geworden, so lange philosophierte sie schon über das Leben. Sie drehte ihren Kopf zum Fenster. Im 11. Stock des Krankenhauses war sie stationiert.

Jill versuchte mit letzter Kraft aufzustehen. Sie hatte keine Kraft mehr, ihre Beine waren zudem gebrochen. Dennoch konnte sie das Fenster noch mit Mühe aufbekommen. Stehen konnte Jill nicht, aber sitzen. Also setzte sie sich auf die Kante des Fensters, schaute kurz auf die Tür. Plötzlich öffnete sich diese. Jill sah sie. Ellen. Ihre einst beste Freundin. War es nur Einbildung? Ihr war es egal. Jill ließ sich nach hinten fallen und stürzte in die Tiefe. Ihr Körper knackte auf dem Boden auf. Sie blinzelte noch kurz und sah eine Hand, welche einen Schriftzug neben ihr platzierte. Sie würde nie erfahren, dass es die Worte „Ellen was here“ waren.

Es war Samstagmorgen. Die Nachrichten liefen im Radio:

„Hier sind die Nachrichten bei Radio Oklahoma. Ihre Moderatorin: Jessica Lue. Im spektakulären ‚Ellen‘-Mordfall gibt es eine überraschende Wendung. Die ehemalige beste Freundin der verbrannten Ellen S., die 15-jährige Jill K., wurde heute Nacht tot vor ihrer Klinik aufgefunden. Wie bereits bei den vorhergehenden Toden ihrer Eltern fand man nebst der Toten den Schriftzug „Ellen was here“. Die Ermittlungen werden fortgesetzt […]“


Bis heute sind die genauen Umstände der sogenannten „Ellen“-Morde nicht aufgeklärt. Wer sich als Ellen ausgab, ist immer noch unklar. Man munkelt, es würde einer ihrer beiden Brüder sein. Doch das konnte nicht bewiesen werden. Ob es Ellen selbst war? Wir wissen es nicht und werden es nie erfahren...

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