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Ich bin nicht mehr am Leben, natürlich bin ich auch noch nie gestorben. Leute können mich sehen, und ich kann sie sehen, ich kann mit ihnen reden und sie mit mir, ich kann sie berühren, und sie können mich berühren... aber aufgehört zu leben hab ich eigentlich erst, als ich anfing, nichts mehr zu spüren... keine Angst mehr, keine Trauer mehr, kein Leid mehr... kein Glück mehr, keine Freude mehr, keine Liebe. Nie wieder!

Du fragst dich jetzt sicher, warum ich aufgehört hab, Emotionen zu fühlen, naja, die Antwort ist nicht sonderlich spektakulär, nein, regelrecht unbefriedigend.

Aber ich möchte nicht lange um den heißen Brei herum reden... ich hatte damals einfach keine Lust mehr auf diese Emotionen, auf all die Trauer, das Mitleid, die Vorfreude und die Liebe. Nein... ich hatte sie sogar gehasst, nun ist Hass nur noch ne kleine piepsige Erinnerung irgendwo in meinem Kopf.

Am Anfang fiel es mir schwer, die Emotionen zu unterdrücken. Ich hatte aber nach ein Paar Monaten schon fast alles weg. Nur die Liebe... die hässliche, hässliche Liebe. Die war einfach nicht weg zu bekommen. Egal, wie stark ich es probierte. Dann kam mir die geniale und so offensichtliche Lösung. Na gut, eigentlich gab es zwei Lösungen. Die eine, die mir damals eigentlich besser gefiel, war das Töten von allem und jedem, was ich liebte. Aber meine damalige Befürchtung lag darin, dass dadurch neue, potthässliche Emotionen aufgerufen werden könnten. Das wollte ich natürlich nicht. Da, wo ich schon so weit gekommen war. . also war die andere Lösung klar die logischere. Ich zog weg. Weit weg. Brach jeden Kontakt ab.

Nach ein paar Monaten, in denen ich nur geschlafen und gegessen und gearbeitet hab, sah ich körperliche Veränderungen, nicht dass ich sie nicht mochte oder sowas, sie waren mir eigentlich egal, aber sie sind da, und erwähnenswert, und Interessant für jeden, der dasselbe macht wie ich.

Die eine war, dass meine Haut grau wurde, und meine Haare die Farbe verloren und mir ausfielen (ich war damals gerade mal 22), meine Zähne fingen an von weiß zu perlgelb zu wandern, und eine gerade,"traurige" Form anzunehmen, wie einer von euch wahrscheinlich sagen würde. Geschmack hatte ich ja ohnehin schon nicht mehr.

Nach einiger Zeit vernachlässigte ich sogar meine Bedürfnisse, ich fühlte den Drang nach Schlaf nicht mehr, nach Hunger, nach Trinken oder den Drang, meine Blase zu erleichtern.

Später verlor ich dann auch meine Arbeit, wegen mehrfachem Zuspätkommens. In der Zeit, in der ich von Hartz IV lebe, schlafe ich viel.

Nun, genau jetzt in dem Moment, wo du das liest, liege ich verhungernd auf dem Boden, neben meinem Bett. Zu schwach, um mir Essen zu holen... obwohl... hab ich überhaupt Hunger? Ich fühle nichts.

War das mein Ziel? War das die logische Lösung auf das Emotionen "abschaffen"? Bin ich glücklich damit?

Ja. Obwohl.. ich weiß es nicht. Wahrscheinlich, aber sag du es mir doch einfach. Denn du wirst in ein paar Jahren genau hier, neben deinem Bett, ohne irgendetwas zu verspüren kauern, weil du wie ich bist. Weil ihr alle wie ich seid. Wir alle finden Emotionen doch lästig und schmerzend. Geben wir es doch zu. Sie sind hässlich.

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