FANDOM


„Du wirst ihr nichts tun.“

Es war mehr ein Murmeln, als eine Feststellung, und eher eine Bitte, als ein Befehl. Der Angsthase hatte seinen Blick auf die schneeweißen Fliesen gerichtet, die das sterile Neonlicht reflektierten, und stand mit vorgebeugten Schultern da. Die Hände hatte er in die Hosentaschen geschoben, und das braune, längliche Haar hing ihm verwuschelt und von allen Seiten ins Gesicht.

Er war ein Opfer. Seit seiner Geburt an. Mehr als Verlieren konnte er nicht, und das Leben hatte es nie wirklich gut mit ihm gemeint. Das bestätigten die vielen, blauen Flecken, und die frischen Narben auf seiner Haut zu gut. Misshandlungen hatte er schon immer ertragen müssen, auch wenn er dabei stets stumm geblieben war. Beinahe unbeugsam, als ob er sich einem höheren Wohl opferte.

Ich hingegen stand breitbeinig einige Meter entfernt von ihm, strotzte vor Kraft gepaart mit Selbstsicherheit und hatte die Arme verschränkt. Mein ungehaltenes Lachen hallte von den kalten Wänden wieder, und mein eiskalter Blick suchte den Seinen. Er blickte dennoch stur auf die Fliesen, und hoffte wahrscheinlich, dass ich mich gleich in Luft auflösen würde. Doch im Gegenteil zu ihm war ich kein Schwächling. Im Gegensatz zu ihm, war ich nämlich real. „Das hast du auch bei den letzten sieben gesagt.“, zischte ich belustigt, bevor ich einen Schritt auf ihn zumachte.

Er zuckte zurück.

Diese Bewegung, die zugleich Angst und Schwäche demonstrierte, gab mir den nötigen Anspurn. Eigentlich zeigte er nie Gefühle, und litt ohne einen Ton von sich zu geben, doch das würde ich ändern.

„Und langsam wirst du lästig.“

Wieder kam ich ihm näher, woraufhin er abermals einige Meter zurücktaumelte. Dieser Vollidiot hatte mir schon zu lange den Spaß geraubt, und ich würde ihm das alles zurückzahlen. Jede Sekunde, in der er mich gestoppt hatte, würde ich in sein persönliches Angstszenario verwandeln. Jede Minute, in der er mir das Gute gezeigt hatte, würde ich ihn fühlen lassen, während er verblutet. Jede Stunde, in der ich an ihn gefesselt war, würde ich ihm heimzahlen.

Ich kannte ihn schon lange. Zu lange. Wir kamen zusammen auf die Welt, sammelten Erfahrungen zusammen, und wurden zusammen älter. Jedoch hatten wir nichts gemeinsam, abgesehen von unserem Aussehen, welches sich kaum unterschied.

„Deine Liebste wird mein neustes Spielzeug.“, schnurrte ich, nur um ihn zu provozieren, und irgendeine noch so winzige Reaktion zu erhalten. Doch er reagierte nicht, und hielt den Kopf weiterhin gesenkt. „Genau wie deine andere...“ Diese Worte hauchte ich in sein Ohr, woraufhin er sich unwillkürlich versteifte, und wieder Abstand zwischen uns brachte.

„Die Kleine hieß Emily, nicht?“

In diesem Moment begannen seine Schultern zu beben. In regelmäßigen Abständen erzitterte sein ganzer Körper, und ein leises Schluchzen drang aus seiner Kehle. Eine Flüssigkeit tropfte auf den Boden. Sie war klar, und dennoch getrübt. Ich wusste, was er tat. Und deswegen wurde mein Grinsen nur noch breiter.

Was für eine unausstehliche Heulsuse.

Doch dann wurde es plötzlich still, und ich betrachte mein Gegenüber neugierig, bis...

„Du kannst sie nicht haben! Ich liebe sie!“, schrie er plötzlich, woraufhin er sich mit geballten Fäusten auf mich stürzte. Sein hasserfüllter Blick bohrte sich in den Meinen, und ich sah die unglaublichsten blauen Iris der Welt, die beinahe violett anmuteten, während sich meine eigenen weiteten. Die Wut, welche er so lange unterdrückt hatte, brachte mich zum Stutzen, und so konnte ich nicht ausweichen. Sein Kinnhaken warf mich von den Beinen, woraufhin er mich zwischen ihm und den Fliesen gefangen hielt. Weitere Schläge trafen mich. Hauptsächlich im Gesicht; vielleicht weil er es genauso wenig wie ich mochte, so auszusehen wie der andere. Seine Faust erwischte mich besonders hart, und schrammte an meiner Wange vorbei. Ein Knacken und purer Schmerz teilten mir mit, dass der Penner mir soeben die Nase gebrochen hatte. Mir hingegen entfuhr nach einigen Sekunden nur ein entnervtes Knurren, als ich ihn von mir warf.

Sein Körper prallte gegen die nächste Wand, was ein unschönes Geräusch von sich gab, und er rutschte hinab auf den Boden, wo er dann beinahe reglos angelehnt blieb. Meinen Gesichtserker zu Recht zu rücken, war eher unangenehm. Doch ich bemerkte mit einer gewissen Genugtuung, dass er auch er sich leicht benommen und nur mit zunehmenden Schwierigkeiten aufrappelte.

Als ich meine Hand wieder von meiner Nase zurückzog, befand sich eine weitere Flüssigkeit auf ihr. Sie glänzte unheilvoll, und rollte gemächlich von meinen Fingerspitzen, woraufhin sie auf dem Boden aufprallte, und sich mit den klaren, und dennoch trüben Tränen vermischte. Gemeinsam bildete sich eine gewöhnlich ungewöhnliche rote Farbe, die in dem kalten Licht blitzte wie ein Edelstein.

Blut.


Wut wallte in mir auf, und mit nur wenigen Schritten war ich bei ihm. Ich riss ihn an seiner verdammten Mähne nach oben, und verharrte dann in dieser für ihn eher unangenehmen Position. Wir beide waren gleich groß, was oft nicht so wirkte, da er immer gebeugt ging; doch nun hing er machtlos über mir, wimmerte vor Schmerzen, und versuchte mit seinen Händen meinen festen Griff zu lockern. Der Depp erinnerte mich unwillkürlich an ein Meerschweinchen, so wie er sich wandt, und quietschte. Sein Haar war unendlich weich, und ich hatte ihn schon immer dafür gehasst, dass seine irgendwie gepflegter wirkten, als meine. Nun trat er um sich, und traf mich in der Magengrube, woraufhin ich mich krümmte, und ihn unabsichtlich zu Boden fallen ließ. Dieser Tritt hatte mir sämtliche Luft aus der Lunge gepresst, und ich benötigte einige Zeit, um mich wieder zu sammeln.

Genauso wie er.

Statt Sauerstoff schien mich nun Hass zu erfüllen, und als ich ihn so schutzlos am Boden sah, fasste ich einen Entschluss.

Dieses Mal, würde ich es zu Ende bringen.

Dieses Mal, würde ich ihn zu seinem Ende bringen.


Wütend setzte ich mich auf das Problemkind, und hielt ihn mit meinem Gewicht, das sich nicht sonderlich von seinem unterschied, unbeweglich am Boden. Sein Wimmern war Musik in meinen Ohren. Wieder begann ich siegessicher zu lächeln. „Jetzt hol ich mir die Schlampe erst recht.“, versprach ich der Heulsuse. Er wandte sich, setzte zu einer Erwiderung an… und bekam einen harten Schlag ab.

Die Augen, in die ich blickte, schienen sich zu trüben, woraufhin ich knurrte. Er war es nicht wert, diese violetten Schätze zu tragen. Er war es nicht wert, so auszusehen wie ich. Er war wertlos! Ich nahm seine Gesichtshälfte in die Hand, und strich ihm mit dem Daumen beinahe liebkostend über die Wange,…


bevor ich ihm den Finger in das Auge rammte. Er bäumte sich auf und schrie, während sich sein anderes Sehorgan weitete, doch ich hatte seinen Kopf fest im Griff, und lachte nur kalt. Es war beinahe so, als ob ich eine Bowlingkugel halten würde, doch in seinem Schädel war es warm, und weich.

Die glitschige Masse schlang sich um meinen Finger, den ich immer fester hineinpresste und sein Schreien wurde zu einem Gurgeln, als ich vielleicht sogar sein Gehirn erreichte. Die Masse wurde an der Seite leicht herausgepresst, doch ich wollte ihn nicht so einfach sterben lassen.

Ich zog die Hand zurück, und wischte sie an meinem Hemd ab, wo eine unidentifizierbare Masse zurückblieb.

Ekelhaft...

Nein,

nicht meine Tat, sondern, dass sein Körper den Meinen berrührte.


Ein kurzer Kontakt von meiner Faust mit seinem Adamsapfel, und er röchelte nur noch leise. Kaum hörbar für jemanden, der nicht genau über ihm lehnte, und ihn belustigt folterte. Ich riss ihm eine besonders lange Haarsträhne aus. Etwas Haut haftete noch an dieser, und er wimmerte, bis ich ihm das Zeug in den Mund rammte. Etwas unwirsch hob ich sein Kinn an, und sah zu, wie er verzweifelt versuchte, zu schlucken.

„Hoffe dir schmeckts.“, lachte ich grausam, bevor ich sein Handgelenk nahm, und es langsam in eine einzelne Richtung drehte. Das Knacken war unangenehm, und doch ein wundervolles Geräusch, das wie Musik in meinen Ohren verhallte. Er bäumte sich auf, - ein sinnloses Unterfangen - ich schlug ihn abermals - ein sinvolles Unterfangen. Ach, das wollte ich schon seit fünfzehn Jahren tun.

Dann beugte ich mich zu seinem Bauch, und biss fest hinein, wobei ich den Kopf mit einem Ruck zurückzog. Fleisch befand sich zwischen meinen Zähnen. Ich spuckte es weg. Er wimmerte. So viele Eindrücke.

Glänzendes Rot drang aus der neuen Wunde, und ich beobachtete amüsiert, wie sein verbliebenes Auge hektisch blinzelte. Das andere war schließlich zu Brei geworden.

„Bei den Weibern mache ich es normaler Weise mit einem Messer.“, murmelte ich, bevor ich einen einzelnen Finger hineingleiten ließ, und ihn langsam rotierte. „Und bei den Weibern mache ich das hier an einem ganz anderen Loch.“ Ein Kichern drang über meine Lippen, als ich einen zweiten, dann dritten und später sogar vierten Finger hineingleiten ließ. Bald umschloss wohlige Wärme meine Hand, und es war beinahe entspannend zwischen seinem Wimmern tiefer in sein Inneres zu gleiten. Ich stieß manchmal an etwas hartes - möglicherweise seine Rippen - und beobachtete lächelnd, wie er sich aufbäumte, und meine Hand unter seiner Haut hindurchdrang. Das wäre beinahe heiß gewesen, wenn ich nicht hetero, und er nicht so ein Vollidiot wäre.

Er wimmerte mittlerweile so, als ob er schon jede Hoffnung aufgegeben hatte. Mir gefiel das. Bis jetzt hatte er nie klein bei gegeben, egal, was ich ihm angetan hatte. Ich ließ langsam meinen Unterarm in seinen Körper gleiten. Die Wärme und das pure Leben umschlossen mich beinahe liebkostend, während in seinem Inneren etwas pulsierte, und immer mehr Blut aus der Wunde drang, welches sein Hemd und den sterilen Boden rot färbte.

Wieder drang ein Kichern aus meiner Kehle, als ich bemerkte, dass er irgendetwas flüsterte. Beinahe neugierig beugte ich mein Ohr zu ihm herunter, - vielleicht würde er mich um einen schnelleren Tod anflehen - doch was ich hörte, ließ mich im ersten Moment zu Eis erstarren, und daraufhin heller aufflammen als jemals zuvor.

„Emily… hasst... dich…“

Mit einem Satz war ich aufgesprungen, hatte den Fuß gehoben, und auf sein dämliches Mundwerk hinabsausen lassen. Immer wieder trat ich zu, wobei ich tosend brüllte, dass er es nicht wagen sollte, über sie zu reden.

Niemand durfte über meine erste große Liebe reden. Tritt. Auch nicht er. Tritt. Tritt. Niemand durfte mich an die Zurückweisung erinnern, die ich von ihr erlitten hatte. Tritt. Tritt. Tritt. Er nicht.Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Niemand durfte mir zeigen, dass sie mich Bloßgestellt hatte.Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Vor allem nicht er. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt.

Er verdiente es nicht, so auszusehen wie ich. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Er durfte es nicht. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Er konnte es nicht. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Er würde es nie wieder tun. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt. Tritt.

Ein Knacken erklang. Zufrieden zog ich den Stiefel zurück, und sah den zermatschten Schatten seines einst attraktiven Gesichtes, das die Spiegelung von meinem zu sein schien. Ich beugte mich zu ihm hinab, und murmelte: „Du kannst mich nicht mehr aufhalten.“, bevor ich ein irres Lachen anstimmte, dass den kleinen Raum beinahe zum Beben brachte. Das Lachen eines Siegers. Das Lachen eines Menschen, der den Verstand verloren hat.

Seine Brust senkte sich zum letzten Mal...




„Cole?“



Ich blinzelte. Ein Stimmengewirr drang an mein Ohr, und das Licht an diesem Ort war weder grell noch unangenehm. Es dauerte einige Sekunden, bis sich mein Blick klärte, und die schwarzen Flecken in meinem Sichtfeld verschwunden waren.

Vor mir am Tisch eines Restaurants warf mir eine wunderschöne Brünette einen besorgten Blickt zu. Sie war in jeder Hinsicht eine Traumfrau. Lange Beine, geschwungene Lippen und große… *räusper* eine großartige Persönlichkeit. Ihr Haar umschmeichelte ihr Gesicht, und sie fragte mich, was los sei, bevor sie eine weitere Gabel zu ihrem Mund führte. „Du warst gerade irgendwie abwesend.“, fuhr sie nach ausgiebigem Kauen fort. Sie leckte sich über die Lippen, und sofort waren meine Wut und mein Triumpf-Gefühl verraucht. Meine geballten Fäuste entspannten sich wieder, und ich ließ meine nun geöffneten Hände zum Besteck gleiten.

Nun fühlte ich etwas ganz anderes an ganz anderen Regionen meines Körpers. Erregung...

Ich sah hinab auf meinen Schokoladenkuchen, und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Meine beinahe violetten Augen funkelten belustigt, als ich erwiderte: „Ich musste nur schnell mein schlechtes Gewissen überwinden.“, mir einen winzigen Happen aufspießte, und zum Mund führte.



Das eigentliche Dessert, würde ich mir später holen.



Deine Bewertung dieser Pasta:

Durchschnittsbewertung:



Whocaress

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki