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Wie sehr habe ich versucht, sie zu verdrängen. Diese Szenen. Diese Emotionen. Diese Erinnerungen. Wie viele Tränen habe ich geweint, und wie viele Schnitte setzte ich an meinen Körper an, bis ich sie verdrängt hatte: Die Erinnerungen. Ich sehe sie ständig vor mir.

Diese Zeit damals war so wunderschön. Mit ihr. Sie hat mir Halt gegeben, wenn ich am fallen war. War mein Himmel grau und bewölkt, so nahm sie den Schleier und zauberte mir den Sommer ins Herz. Sie war es, die meine Gedanken besser kannte als ich. Und sie war es, die mir immer wieder zeigte, dass ich eben nicht nur ein Blatt in diesem Wald bin. Sondern mehr.

Wir gingen zu ihrer Freundin, die sie so mochte. Sie waren wie Schwestern. Es war immer wundervoll, wenn wir sie besuchten. Wir gingen meistens spazieren, durch einen Wald. Im Sommer war er der schönste Ort, den ich kannte. Die Blätter im warmen Wind... Es war fantastisch. Und sie, mein Schatz, machte jeden Ort zu etwas ganz besonderem.

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Wir gingen wieder einmal durch den Wald, einen kleinen Weg entlang. Wir setzten uns auf eine Bank, und redeten. Wir drei. Es war wie im Märchen. Meine wunderschöne Frau im Arm, unterhielten wir uns. Bis in den späten Abend hin. Und es war die Zeit gekommen, bei der wir gehen mussten. Wir hätten sonst den Bus nach Hause verpasst. Wir verabschiedeten uns von ihrer Freundin, und sie war sehr traurig, dass wir gehen mussten.

Als wir den Weg verließen, und uns verabschiedeten, gingen wir die Straße hinunter bis zu einer Bushaltestelle. Die Bushaltestelle, an der wir uns kennen gelernt hatten. Sie saß dort und wurde von anderen Menschen geärgert, verachtet und gepeinigt. Mobbing würde man es heute nennen. Sie nannten sie nur: „Billig“ und „Emo“. Warfen ihr die schlimmsten Dinge an den Kopf: Sie sei es nicht wert, überhaupt zu leben. Ich konnte doch nicht einfach so zusehen, wie sie ihren Kopf in der Ecke der Bushaltestelle in die Knie presste.

Ich ging dazwischen: „Lasst sie in Ruhe. Verschwindet“. Und sie taten es, denn sie wussten, dass ich ziemlich frustriert darüber war, was sie taten. Als sie gingen, setzte ich mich neben sie. „Es wird alles wieder gut“, sagte ich. Sie weinte. Und ich beschloss, sie hochzuheben. Sie war schwach. Sie war fertig mit den Nerven. Ich streichelte sie etwas am Kopf, den sie zu heben begann. Sie blickte mir tief in die Augen, und ich fühlte, dass sie etwas ganz Besonderes war. Sie war wunderschön, ein Engel. Doch sie war auch verletzt. Ihre Schminke verlief. Die rote Nase, die sie vom weinen hatte, war völlig verwischt von der Schminke, die die Tränen verschmierten. „Ich bin für dich da.“ konnte ich im Anblick ihres wunderschönen Hauptes nur entgegenbringen.

Sie setzte sich auf die Bank inmitten der Bushaltestelle. Ich habe mich neben sie gesetzt, denn ich brauchte ihre Nähe. Wir schwiegen nur, eine ganze Zeit lang. Nach ca. einer halben Stunde wurde das Schweigen von einem lauten Motorgeräusch durchbrochen: Der Bus ist gekommen. „Ich muss weg.“, sagte ich zu ihr, in der Angst, sie vielleicht nie wieder zu sehen. Sie war still, schaute weg. Ich war traurig... Die Bustür ging auf. Ich stieg ein, traurig, alleine. Dann hörte ich eine leise Stimme: „...Danke... mein Name ist Luna... Luna Learda." Ich riss die Augen auf, blickte nach hinten. Sie schaute mich an, mit ihren wunderschönen Augen, und sagte: „...bitte... geh nicht.“

Ich beschloss, nicht weiterzufahren und stieg wieder aus. Ich setzte mich wieder neben sie, und wir unterhielten uns lange. Sehr lange, bis in die Nacht hinein. Sie erzählte mir von den Mobbingattacken in der Schule, den Schlägen ihrer Eltern ihr gegenüber, den Tod ihres Hundes, der ihr zu seinen Lebzeiten stets Halt gegeben hatte. Sie war völlig alleine. Sie hatte niemanden. Als ihr bewusst wurde, dass sie wirklich niemanden mehr hat, begann sie zu weinen. Ich nahm sie in den Arm und sagte ihr: „Du hast mich“.

Sie lächelte, und wir hatten gleich das Gefühl, wir seien vereint. Für immer.

Die Jahre zogen ins Land. Erst zwei, dann drei Jahre.

Und nun stehen wir wieder hier, an dieser Bushaltestelle. Und ich war so glücklich wie am Anfang. Plötzlich passierte etwas Eigenartiges. Der wolkenlose Himmel wechselte in einen verschleierten Regen. Es wurde alles grau, urplötzlich. Es schüttete wie aus Eimern. Das war eigenartig. Wir beschlossen, uns in die Bushaltestelle zu setzen, dort war es zumindest trocken. Und wir warteten auf den Bus. Doch dieser kam nicht. Hatte er vielleicht einen Unfall? Durfte er aufgrund des Unwetters vielleicht gar nicht los fahren? Ich wusste es nicht.

Ich rief uns ein Taxi, das uns nach Hause bringen sollte. Mit großer Verspätung traf dieses eine Stunde später ein, und wir waren glücklich, nun doch eine Fahrmöglichkeit gefunden zu haben. Wir setzten uns ins Taxi. Ihr war so kalt. Sie setzte sich ganz nah an mich heran, und ich zog meine Jacke über uns beide. Wir unterhielten uns. Sie war wieder voller Selbstzweifel, fragte mich, was ich so an ihr lieben würde. Und sie sagte ihr: „Mein Schatz, du gibst mir das Gefühl von Geborgenheit in den schlimmsten Zeiten, die ich ohne dich nicht schaffen würde. Wenn wir zusammen sind, so vergesse ich für den Moment all meine Sorgen. Ich liebe dich, weil ich weiß, was du erlebt hast. Und wie liebevoll und zärtlich du bist, obwohl das, was du erlebt hast, so etwas meist nicht zu lässt. Du bist mein Stern, der in meiner Nacht heller leuchtet als die Sonne am Tag. Du bist alles für mich.“ Sie fing an zu weinen, drückte ihren Kopf fest an mich, und ich küsste sie auf die Stirn. „Ich liebe dich“, sagte sie. „Ich dich auch, mein Schatz. Ich dich auch.“

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Dann passierte es... Es ging alles so schnell: Das Taxi fuhr viel zu schnell. Aufgrund des Wassers auf der Straße verlor es an Halt in einer Kurve... Und wir überschlugen uns. Mir wurde schwarz vor Augen.

Als ich wieder zu mir kam, hatte ich große Schmerzen. Das Auto lag im Graben, verkehrt herum. Von dem Taxifahrer fehlte jede Spur. Mein erster Gedanke war, als ich realisierte, was passierte: „LUNA!“ Ich suchte sie, doch sie war nirgends. Ich geriet in Panik.

Ich zerrte mich aus dem Auto. Blut tropfte auf mein T-Shirt, was aus meiner Stirn zu kommen schien. Mir war dies egal, ich musste sie finden. Ich wankte, fiel immer wieder hin, aufgrund meines enormen Blutverlustes. Doch ich musste sie finden, mich versichern, dass es ihr gut ging. Und dann... fand ich sie. Sie lag etwa 10 Meter neben dem Auto in einer Wiese. Sie musste hinaus geschleudert worden sein. Sie lag schnell atmend auf dem nassen Gras. Ich rannte zu ihr. „LUNA“ schrie ich.

Sie war von Blut überströmt. Ich begann zu weinen, sie war so schwach... Sie drehte langsam, zitternd ihren Kopf zu mir... „Ich... liebe dich.“, flüsterte sie. Und ihre Augen schlossen sich. Ich begann zu schreien, zu weinen. Die Schmerzen waren weg, mein Herz begann zu explodieren. Das konnte nicht wahr sein. Ich fiel ins Gras, hörte laute Sirenen. Und schlief ein...

Schließlich wachte ich auf. Im Krankenhaus. Verdrahtet mit vielen Schläuchen und vergibst lag ich dort. Und hatte nur einen Gedanken: „Luna.“

Ich schrie ihren Namen. Ich musste sie finden. Wo ist sie? Geht es ihr gut? Und riss die Schläuche runter, von meinem gesamten Körper. Ich stieg aus dem Bett, und fiel hin. Ich war so schwach... und eine Schwester kam hinein. Ich schrie, sie versuchte mich zu beruhigen. Dies gelang ihr nicht, und sie rief einen Arzt. „Er braucht in Beruhigungsmittel!“
ErinnerungCover

Zwei Pfleger hielten mich fest, ich versuchte noch, mich zu wehren... Vergebens. Ich merkte einen Stich und wir wurde schwindelig. Dann schlief ich ein. Als ich wieder aufwachte, lag ich ohne Drähte im Bett. Am Ende des Bettes saß der Chefarzt mit besorgtem Blick. „Da sind sie ja wieder“ sagte er mir. „Ich muss ihnen etwas sagen.“ Ich rief ständig nur ihren Namen, ich musste doch wissen, ob es ihr gut geht. Der Chefarzt sagte mir: „Wir konnten nichts mehr für sie tun. Sie starb noch an der Unfallstelle.“

Ich wurde ruhig. Ich fing an zu weinen. Leise. Ich legte mich ins Bett und drehte meinen Kopf weg. Ich weinte. Den ganzen Tag lang, ohne ein Wort zu sagen. Seit diesem Erlebnis sind nun 5 Jahre vergangen. Ich habe die Erinnerungen verdrängt, doch sie kommen wieder. Immer wieder. Ich kann damit nicht leben. Nicht mehr, meine Kraft ist weg.

Ich schreibe noch einen Zettel: „Luna... Wir sehen uns auf der anderen Seite. Als Paar.“ Und nehme mir ein Messer. Ich fange noch einmal an zu weinen, denke an sie. Und ramme mir das Messer in den Arm. Ziehe eine lange Linie vom Handgelenk bis zum Ellenbogen. Und mir wird kalt. Immer mehr... Und sie ich sehe Luna noch einmal vor meinen Augen, und flüstere: „Diese Erinnerungen.“ und mir wird schwarz vor Augen...

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