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Die Regentropfen prasselten in einem einschläferndem Takt gegen das Fenster, und hinterließen verschlungene Muster auf dem vom kühlen Herbstwind beschlagenem Glas. Es wirkte beinahe wie ein Wettrennen, oder das ziellose Umherwandern eines Kindes, weshalb die vermummte Gestalt, welche an der kühlen Scheibe lehnte, diese Formen mit der Fingerkuppe nachzeichnete.

Ineinander verschlungene Ranken bildeten sich nach und nach auf der glatten, aber kühlen Oberfläche ab, und sie erinnerten ihren Erschaffer beinahe an die verzwickte Konstellation der Venen im menschlichen Körper. Gedankenverloren ließ er seinen Blick ein klein wenig abschweifen.

Aus diesem Winkel konnte er die entfernen Baumspitzen eines Waldes sehen, die sanft in dem Lufthauch tanzten, und das beinahe verstummte Röhren einer Hauptstraße vernehmen, während alles in einer unwirklichen Schönheit erleuchtete, die ihn nur noch mehr faszinierte. Bald würde das alles nicht mehr existieren, obwohl er noch auf der Welt umherstreifen würde. Ziellos. Zeitlos.

Alleine…


Memento Mori. Das war die Devise. Das war sie zumindest noch vor kurzer Zeit gewesen. Sein Lebensmotto, nachdem er sein gesamtes Dasein gestaltet hatte. Doch nun gab es keinen Tod mehr. Nicht mehr für ihn. Nie mehr für ihn.

Er ließ seine Hand langsam sinken, und hinterließ einen senkrechten Strich dort, wo soeben noch seine Finger geruht hatten. Mit einer gelangweilten Geste wischte er sich die Feuchtigkeit vom Zeigefinger auf die Hose, während er sich umwandte, und ein kleines Lächeln über sein zerfurchtes Gesicht huschte.

Das Wohnzimmer, welches sich nun vor ihm erstreckte, war liebevoll und geduldig eingerichtet worden. Selbst das wärmende Feuer im Kamin verlieh diesem Raum etwas gemütliches, ja, beinahe himmlisches, während der goldene Schein der Flammen sanft über die Holzscheite leckte, und sich in den vielzähligen Spiegeln, die aufgehangen worden waren, reflektierte. Er konnte auch sich selbst in einer dieser Spiegel sehen, vermummt mit einer schwarzen Kapuze, die die blonden Haare, welche hervorlugten, noch heller wirken ließ. Geknickte Gestalt, papierartige Haut. Etwas, das Fangzähnen verdächtig ähnlich sah, blitzte unter der Schwärze seiner Kleidung hervor. Ein Monster, wie es im Bilderbuche steht. Ein Monster, das er nun ist, und ein Monster, das er nicht mehr zurückhalten wird.


Etwas weiter im Hintergrund befand sich die Ursache seiner guten Laune, welche nun ängstlich und kaum vernehmbar wimmerte. Es war eine wunderschöne, junge Dame, mit einer zierlichen, und dennoch vollkommenen Gestalt, die in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl festgebunden war. Ein Träger ihres BHs war hinabgerutscht, und offenbarte eine delikate Schulter, umhüllt von cremefarbiger Haut, die nicht ebenmäßiger sein könnte. Ihre Augen waren unnatürlich weit aufgerissen, während sie zum wiederholten Mal an den Fesseln riss, welche bereits rote Striemen auf ihrem Körper hinterlassen hatten. Ihre Gestalt erzitterte unter seinen begehrenden Augen, und der Kälte, welche sich verräterisch den Flammen angeschlossen hatte… Sie wollte fliehen. Es war ein sinnloses Unterfangen. Er würde so eine perfekte Braut niemals gehen lassen. Schließlich brauchte auch ein einsamer Vampir irgendwann einmal eine ewige Gefährtin.

Und sie würde die Seine sein.


„Hallo, Belle.“

Langsam kam er auf sie zu, und begann sie wie ein Jäger seine sicher geglaubte Beute zu umkreisen. Er streckte eine Hand aus, doch sie zuckte zurück, weswegen ein verstehendes Lächeln über seine bereits gealterten Gesichtszüge strich. Ihm war bewusst, dass ihr eigentlicher Name Charol Parker war. Doch dieses lächerliche Anhängsel würde sie nie wieder brauchen. Schließlich war sie ab jetzt seine Schöne. Seine Belle. Seins.

Er erlaubte seinen Fingern, durch ihre vollen Haare zu gleiten, welche in dem sanften Licht des Kaminfeuers beinahe schokoladig wirkten, und beugte sich vor, um ihren verzaubernden Geruch einzuatmen. Ihr Puls war schnell, ungleichmäßig. Zu hastig. „Ruhig, mein Herz.“, säuselte er, bevor er seine Zunge herausgleiten ließ, und über die empfindliche, angenehm warme Haut gleiten ließ, welche ihre Schulter und ihren Hals verband. Sie versuchte weiterhin, sich aus seiner Reichweite zu winden, doch er ließ den Geschmack seelenruhig zergehen. Ihr wundervolles Parfüm haftete noch immer an ihr wie eine zweite Haut, und der Geruch betörte neben seinen Sinnen auch seinen Verstand.

Ein kühler Windhauch glitt um die beiden, und zeugte von der Magie des Momentes, als er in seiner Euphorie einen langen Fingernagel über ihr Bein gleiten ließ. Die Tatsache, dass sie nichts weiter als den zart-weißen Dessous trug, welche er ihr geschenkt hatte, ließ eine kleine Beule in seiner Hose erscheinen. Doch das war nebensächlich. Er durfte sich nicht zu lange an ihr ergötzen. Zärtlich glitt er mit dem Finger immer weiter hinauf, bis er an der Spitze der Unterhose Halt machte, und kleine Muster darauf zeichnet.

Sie war warm, und weich. So anders als die kühle Glasscheibe. Formen tummelten sich auf Gleichgesinnten. Spiralen zogen mit Linien über sie. Ein kleines Kunstwerk erschien auf ihr, dem eigentlichen Meisterstück, welches unter jeder seiner Berührungen zurückzuckte, und unwillig zischte.

Sie weinte stumm, und die Tränen tropften auf ihr Schlüsselbein, um dort langsam hinab zu rollen. Beinahe wie bei einem Wettrennen, welches ohne Regeln und Schiedsrichter ausgetragen wurde. Seine Linien wanderte immer weiter hinauf, über ihren Bauchnabel, das Piercing, die zarte Brust, welche sich hastig hob, und senkte. Perfektion. Das würde sie sein. Mit dem ewigen Leben beglückt. An seiner Seite. Ewig.


Er drückte zu. Ein Keuchen drang durch den Stoff, der ihren Mund geschlossen hielt, um sie am Widersprechen zu hindern. „Ich liebe dich.“, murmelte er, als er mit seinem Nagel eine kleine Ranke auf ihrer Haut zeichnete, die sofort in einer rötlichen Farbe aufschimmerte. Aus ihrer gespaltenen Haut drangen wohlig runde, perfekte rote Tropfen hervor, und er fing jeden einzelnen auf. Genoss den metallischen Geschmack auf seiner Zunge. Ließ ihr letztes Abendmahl zergehen, wie Schokolade, und kostete das Gefühl aus, welches ihn vollkommen in eine Welt zwischen Anfang und Ende versetzte. Er bohrte seine Zähne in ihren Oberarm.

Sie krisch, hell, gedämpft, hilflos, wundervoll. Musik in seinen Ohren. „Psst.“


Er leckte über die kleinen Punkte auf ihrer Haut, und strich einmal sanft mit dem Daumen darüber, bis er die Hand zu ihrem Körperschmuck hinabgleiten ließ, und ihn umkreiste. Es war nur ein winziger Fehler, doch er würde ihre Vollkommenheit zunichtemachen. Seine Kreise wurden enger, fester. Ihr Atem verschnellerte sich. Das kalte Metall störte ihn kaum, als er es mit einer fließenden Bewegung hinausriss, und mit einem animalischen Interesse beobachtete, wie sie sich aufbäumte. Unter seiner Berührung? Das würde er noch ändern…

Lächelnd legte er den Kopf schief, und fuhr abermals durch diese außergewöhnlichen Haare, nachdem er dieses unschöne Ding achtlos in die tuschelnden Flammen geworfen hatte, die sich beinahe anklagend überschlugen. Wie oft hatte er gesehen, wie sie ihre Wellen gekämmt hatte? Wie oft hatte er beobachtet, wie sie sie zu diesen wundervollen Zöpfen geflochten hatte, und damit ihren zarten Nacken freilegte? Nie wieder sollten diese seidigen Locken seine Sicht beeinträchtigen. Für immer. Seins.


Euphorisch riss er kräftig an der ersten Strähne. Sie würgte, er blinzelte. Ihr Würgen wurde panisch, als sie den Kopf, welcher angebunden war, hastig nach vorne riss. Er beachtete das nicht.

Sein Blick fiel auf das Haar in seiner Hand, an dessen Ansatz noch etwas Haut haftete… Er ließ einen Finger über ihr samtenes Inneres gleiten, - glitschig - und führte ihn dann zum Mund; den wundervollen Geschmack einsaugend. Die engelsgleiche Kreatur begann zu kreischen. Weiterhin gedämpft. Die Pupillen nunmehr ein kleiner Fleck in den tiefen, grünen Wäldern, die sich in ihren Iris erstreckten.

Sie war so voller Leben. So anders als er – zumindest noch. Memento mori? Carpe diem! Carve? Celebrare! Seine Schöne. Sein Eigentum. Seine Gefährtin. Sein Besitz.

Er drückte seinen Nagel immer fester in ihre Haut, wo sich die verschiedensten Muster tummelten, und einander in Perfektion übertrumpften. Das restliche Haar war schnell entfernt. Er sah etwas weißes hervorblitzen, und legte seine Lippen auf ihren heißen Knochen, wobei sie nur stöhnte. Das Delirium hatte sie mit der Dunkelheit beinahe an sich gerissen.

Draußen konnte man hören, wie Metall auf Metall prallte – wahrscheinlich ein Autounfall – als er sich abermals zu ihr beugte, und seine Zähne an ihrem Hals anlegte.

Er biss zu. Sie versteifte sich, und schüttelte sich. Wie stupide. Bald würde sie gänzlich ihm gehören.


Sein Speichel mischte sich mit ihrem roten Gold, dass wie ein Schatz hervorsprudelte, während er jeden einzelnen Tropfen kostete, und sein Lächeln immer breiter wurde.

Das Elixier des Lebens glitt über seine Lippen. Er hauchte ihr noch mehr von der Unendlichkeit ein. Alles war wundervoll. Alles war gut.

Bald jedoch wurde es zu viel.

Zu viel Blut.


Ihre unschuldige, weiße Unterwäsche verfärbte sich verräterisch, und glänzte Nass in den Flammen des Feuers, das sich beschuldigend überschlug, und ihn mit leisem Knistern verdammte.

Die Tropfen prallten immer schneller gegen das Glas, ein Chor von Hupen zerschnitt die wundervolle Ruhe. Mit dem Nebel lichtete sich auch seine Euphorie, währender immer panischer auf ihr Erwachen wartete. Doch sie tat es nicht. Sie blieb regungslos. Er rief ihren Namen. Sie schwieg. Er löste ihre Fesseln, und zog sie zu sich auf den Schoß. Sie blinzelte nicht. Er küsste jeden Zentimeter ihrer immer kälteren und leblos werdenden Haut. Sie zuckte nicht einmal mehr zurück!

Seine Lippen machten nirgends halt. Er versuchte sogar auf die unsittlichste Weise, die er kannte, das Leben wieder in sie zu hauchen. Doch auch nach dem stärksten Akt der Liebe geschah nichts. Ihre Gesichtszüge waren nur in Schmerz und Unglaube verzogen. Er hatte keinen Fehler gemacht, das konnte nicht sein.

Doch ... Selbst unter seinen Liebkosungen, und unter seinem Verlangen bewegte sie sich nicht. Seine Stimme bebte. Seine Hände zitterten. In seinem Kopf überschlug sich alles.

Seine Belle! Seine wundervolle Schönheit!


Er hob den Blick an, um anklagend in den Himmel hinaufzuschreien, der ihm schon so lange verwehrt gewesen war. Die Kapuze war ihm vom Kopf gerutscht.

Doch dann fanden seine Augen ihr Gegenstück, und er starrte wie paralysiert geradeaus. Neben dem Kamin. Dort war jemand Fremdes. Oh Gott. Schwarz gekleidet, blonde Locken. Der Mann sah verängstigt aus, ja beinahe panisch. Oh nein.

Sie lag weiterhin regungslos da, die Kleidung etwas weiter weg von ihr gelegen. Eine Lache hatte sich um sie gebildet, und die leeren, glanzlosen Augen blickten ihn anklagend an.

Doch er konnte sie nicht beachten.


Die Regentropfen prasselten in einem einschläferndem Tackt gegen das Fenster, und hinterließen verschlungene Muster auf dem vom kühlen Herbstwind beschlagenem Glas. Es wirkte beinahe wie ein Wettrennen, oder das ziellose Umherwandern eines Kindes, doch die Gestalt, welche davor auf dem Boden vor einem rot besprenkelten Stuhl kauerte, und den Körper einer leblosen Frau in seinen Armen hielt, konnte sich nicht dafür begeistert.

Dort starrte ihn eine Person an.

Braungebrannt, glatte Zähne, blonde, beinahe durchsichtige Haare.


Der Vampir beugte sich vor, schützend über seine Belle, und er knurrte den verdammten Menschen an,




welcher zeitgleich die Zähne fletschte.


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