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Weiße. Das unendliche Blenden. Du suchst vergebens nach dem Sinn hinter dem Weiß. Schon seit einer gefühlten Ewigkeit wanderst du durch dein eigenes Labyrinth. Du siehst nichts, als das blendende Weiß. Oft hast du versucht, deinen Augen einen Moment der Ruhe zu gewähren, indem du sie schließt. Doch jedes Mal, wenn du das tust, findest du dich am Anfang deines Weges wieder.

Du erkennst ihn daran, dass es ein schwarzer Strich auf dem weißen Boden ist, welcher sich rechts und links scheinbar bis ins Unendliche erstreckt. Ein ewiger schwarzer Strich auf dem endlosen Weiß. Und wieder blinzelst du. Wieder bist du am Anfang deines Weges angelangt. Während du dich erneut in Bewegung setzt, durchbohrt die quälende Angst. Du weißt nicht, wann all das begann und ob es je enden wird. Ob du je das Ziel erreichst. Wenn dir das Ziel doch nur bekannt wäre.

Immer mal wieder schießt dir dieser eine Gedankenfetzen in deinen Kopf. Du warst vor alldem auf der Suche nach etwas. Nach etwas, was dir die Ewigkeit bringen soll. Mehr weißt du nicht mehr von deinem alten Dasein. Und so langsam bezweifelst du, dass es ein altes Dasein gegeben hat. Neugierig streckst du deine Hände zur Seite aus. Hoffst, endlich mal etwas greifen zu können. Fehlanzeige. Deinen Augen befiehlst du nicht zu blinzeln. Je mehr Schritte du tätigst, desto schwieriger wird es für dich, gegen deinen menschengegebenen Reflex anzukämpfen. Du schaust an dir herunter. Dein Kittel, Sportschuhe, Socken und Handschuhe. Komplett weiß. Wirkt sehr steril auf dich. Du ballst frustriert deine Hände zu Fäusten, denn wieder findest du dich am Anfang deiner unendlichen Reise wieder.

In deinem Inneren verfluchst du dich selbst, denn du hast erneut geblinzelt. Bevor du erneut losgehst, hältst du einen Moment inne. Dir fällt etwas auf. Niemand hat vorgegeben, welchen Weg du einschlagen sollst. Du drehst dich zur Seite. Versuchst eine neue Strategie. Zögerlichen Schrittes, beginnst du auf dem schwarzen Strich entlangzugehen. Oder eher: zu balancieren, da dein Schwindelgefühl dir vorgaukelt, dass du, sobald du die Markierung verlässt, in das endlose Weiß fällst. Mit jedem deiner Schritte verstärkt sich dieses Gefühl. Es beschert dir ein so flaues Gefühl im Magen, dass du das Gefühl hast, dich erbrechen zu müssen. Dennoch bist du irgendwie der Überzeugung, dass du endlich den richtigen Weg gefunden hast.

"Wieso kämpfst du gegen dich selbst? Siehst du denn nicht, dass du es schlimmer werden lässt?", beginnt eine zutiefst beruhigende Stimme von...überall her. Du zuckst zusammen. Sie wirkt auf dich, als würde sie dir näher sein, als irgendetwas es je sein könnte.  Es ist mittlerweile egal, ob du blinzelst oder nicht. Du bist permanent auf diesem endlosen schwarzen Strich, dass sich durch das gesamte Weiß durchzieht. Dir ist nicht einmal im Ansatz bewusst, was du dieser Stimme entgegenbringen sollst. Nicht einmal, ob sie überhaupt real ist, geschweige denn, ob irgendetwas hier generell real ist.

"Du verstehst das Prinzip deines Seins nicht.", haucht die sanfte Stimme dir zärtlich ins Ohr, sodass du eine widerwärtige Gänsehaut auf deinem Körper bemerkst. Deine Gedanken versuchen mit Hochdruck den Inhalt des ebengesagtem zu deuten. "Das Prinzip meines Seins?", erwiderst du mit kratziger Stimme. Du hast deine Stimme schon sehr lange nicht mehr benutzt. Deine noch immer eher schwankenden Schritte, tragen dich weiter über diesen schier endlosen Weg.

"Es gibt viele Prinzipien. Das Prinzip der grauen Tat. Dann die, des schwarzen Sehens. Danach die des weißen Ganges und zuletzt...", spricht diese Stimme und bricht ab, bevor sie ihren Satz zu Ende bringen kann. Du verstehst gar nichts. Nicht ein bisschen von dem, was die Stimme von dir möchte. Und dennoch sagt dir dein Bauchgefühl, dass exakt dies jene Sache ist, die du immer gesucht hast. Deine Schritte werden fester. Du bist von Motivation durchtränkt. Das Ende dieses Weges wird dir jene Antworten liefern, die du zu finden versuchst.

"Du wirst es niemals verstehen und genau das ist auch deine Aufgabe. Jeder hatte seine Aufgabe. Alle haben sie bestanden. Doch bist du bereit, den Fehlschlag der deinen anzunehmen?", summt die Stimme so zärtlich, als würde sie ein Wiegenlied singen. Dein Herz rast unnormal schnell. Es weiß ebenso wenig, wie du, mit diesen kryptischen Sätzen umzugehen. "Ich werde finden, was ich suche.", gibst du entschlossen zurück und schreitest weiter. Und tatsächlich. In der Ferne kannst du erkennen, wie sich etwas in dem ewigen Weiß verändert. Für dich sieht es wie ein Flimmern in der Luft aus.

"Du solltest dir überlegen, ob das, was du suchst, die Suche wert ist. Fehlschlag bedeutet nicht unbedingt versagt zu haben.", rät diese Stimme etwas barscher. Du bemerkst, dass sie etwas von ihrer Sanftheit verloren hat. Dein Bauchgefühl rät dir, deinen Weg fortzusetzen. Doch etwas Neues drängt sich mit aller Gewalt zwischen deinem Bauchgefühl und den Gedanken, die du durch die Stimme bekommen hast. Es sind Zweifel. Zweifel an allem. Was ist, wenn du durch etwas anderes in eine Richtung gelenkt wirst, die dir am Ende mehr Schaden als Nutzen bringt. Du blinzelst. Etwas ist anders. Die Veränderung im Weiß wird für dich immer deutlicher. Das Flimmern in der Luft wechselt zu einer Farbe. Du kennst sie, doch weißt sie nicht mehr zu benennen. Du assoziierst sie mit Bäumen. Den Blättern genauer gesagt. "Merkst du es? Diese Zweifel? Höre auf sie, wenn schon nicht auf mich.", ruft die immer hysterischer werdende Stimme.

Du weißt nicht, was du tun sollst. Obwohl dein Bauchgefühl dir nahelegt, deinen Weg fortzusetzen, erscheint es dir das Ziel immer zweifelhafter. Letzten Endes bleibst du stehen. Das schwankende Gefühl erreicht einen gewissen Höhepunkt. "Sehr gut. Lass die Zweifel deinen Geist durchfluten. Sie bringen dir die wahre Antwort. Das einzig richtige, was du jetzt noch tun kannst.", haucht die wieder sanfter werdende Stimme zärtlich. Du bist zutiefst verwirrt. "Aber vielleicht", denkst du dir, "ist das auch richtig so." Die Zweifel vernebeln deine Logik und vor allem dein Bauchgefühl. Du lächelst, denn nun wird dir auch klar, was du zu tun hast. Mit einem breiten Lächeln, breitest du deine Arme aus. Lässt dich seitlich hinweg fallen. Es ist genau, wie die Zweifel es dir verraten haben. Du fällst von dem schwarzen Balken in das ewige Weiß.

"Gut gemacht. Du hast versagt und genau das ist das Richtige. Das ist dein Sinn. Das Prinzip des weißen Ganges. Versagen ist dein Erfolg. Du hast es geschafft. Nun kann das letzte Spiel beginnen...", haucht die sanfte Stimme, die sich im Rausche deines Falles neben dir, zu einer transparenten Silhouette manifestiert. Und obgleich sie transparent ist, erkennst du ihre schwarzen Haare, ihre grauen Augen und durch sie hindurch die weiße Leere, bevor du deine Augen zum letzten Mal schließt. Das Weiß nimmt dich in seine sanften Fittiche. Mögest du hier in Frieden deinem Weg finden...

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Autor: Lord Maverik

Transparent (nächster und letzter Teil)

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