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Blinzelnd erwachte ich allmählich aus dem fast komaähnlichen Zustand des Schlafes der jetzt, mit dem gnadenlosen Eintreten des Morgens ein jähes und viel zu abruptes Ende gefunden hatte. Meine verquollenen Augen gewöhnten sich nur allmählich an das unerträglich grell erscheinende Sonnenlicht, das zu Streifen zerhackt durch die schwarzen Jalousien meines Fensters fiel und zu meinem Bedauern die wohltuende Dunkelheit aus dem Zimmer vertrieb.

Gequält schloss ich die Augen und massierte mit sanftem Druck leicht meine Schläfen. Gleichzeitig versuchte ich, meine Erinnerung an gestern Abend erneut aufleben zu lassen.  Nur dunkel und bruchstückhaft setzte sich die vergangene Nacht vor meinem geistigen Auge zusammen.

Diese Party, der ganze Alkohol, ich, Lucie, Jack, der den ganzen Abend nur Augen für dieses Mädchen gehabt hatte..

Jack! Ich fuhr abrupt auf, was sich als fataler Fehler erweisen sollte. Weiße  Blitze explodierten vor meinen Augen und tauchten meine Umgebung in ein grelles Licht. Mein Kopf schien vor Schmerzen ebenso aufzustöhnen wie ich als ich notgedrungen zurück in die Waagrechte sank. Dabei bemerkte ich erstmals, dass ich statt auf dem Bett auf dem purpurfarbenen Teppich in der Mitte des Zimmers lag.


Bevor ich mich darüber wundern konnte vernahm ich das leise Plätschern der Dusche aus dem, meinem Zimmer gegenüber liegenden Bad. Verwundert richtete ich mich erneut auf, diesmal behutsam um keinen weiteren Migräneanfall zu provozieren und lauschte dem vertrauten Geräusch des an dem Duschvorhang abperlenden Wassers. Meine Mitbewohnerin Lucie war normalerweise absolut keine Frühaufsteherin, erst recht nicht wenn am Tag zuvor eine Party stattgefunden hatte. Ein Blick auf die Uhr in meinem Zimmer bestätigte mich in der Annahme, dass es noch nicht ganz acht Uhr und damit relativ früh am Morgen war. Eine derart starke Abweichung von ihren Gewohnheiten machte mich trotz meines eigenen schlechten Zustandes misstrauisch.

Illusion? Bearbeiten

Meine nackten Füße erzeugten ein klatschendes Geräusch auf dem kalten Parkett als ich mich langsam dem Badezimmer näherte. Da die Tür nur angelehnt war und ebenfalls kein Licht zu brennen schien, klopfte ich nach kurzem Zögern an die Tür. „Lucie?“ Als ich nach einiger Zeit des Wartens immer noch keine Antwort erhalten hatte beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen und betrat das Bad. Sobald ich den Lichtschalter betätigt hatte, erstarrte ich vor Schreck.

Auf den ehemals schneeweißen Fliesen mit denen das Badezimmer ausgekleidet war hatte das Blut bizarre Muster gezeichnet,  die Spur zog sich unregelmäßig von der Tür bis zur Dusche, in der, gegen die geflieste Wand gelehnt, eine junge Frau saß. Das Wasser perlte an ihren filzigen, gelbblonden Haaren ab und bildete dünne Rinnsale über ihr bleiches Gesicht bis hin zu ihrem Hals, wo es sich mit dem Blut mischte, das mit grausiger Beständigkeit aus der Schnittwunde tropfte und ihr ehemals weißes Top, das einige Zentimeter ihres flachen Bauches freiließ, fleckig rot färbte. Die junge Frau blickte mit erstorbenen, eisgrauen Augen ins Leere während die Dusche unbeirrt weiter plätscherte.

Trotz dem Schrecken, den der Anblick der toten Frau in mir auslöste konnte ich den Blick nicht von ihr abwenden. Dumpf glomm ein Funken des Erkennens in mir auf und ich wich entsetzt zurück bis ich mit dem Rücken an die kalte Wand stieß, den Blick unverwandt auf die Leiche gerichtet.

Es war zweifellos das Mädchen, gegen das mich Jack ausgetauscht hatte. Das gestern an seiner Seite war, dem er sanft die Haare aus der Stirn gestrichen hatte mit seinen immer etwas kühlen aber unglaublich weichen Händen, wie er es bei mir immer getan hatte. Nur sie war in den Genuss gekommen, von ihm geküsst zu werden, hatte den herben, etwas holzigen Duft seines Rasierwassers wahrgenommen, die Hände tief in seinen schulterlangen, pechschwarzen Haaren vergraben, tiefschwarz wie seine Augen..

Ich merkte, wie mir bei dem Gedanken an ihn schwindelig wurde und ich stützte mich kurzzeitig auf dem Waschbecken ab, das ebenfalls rot gesprenkelt vom Blut der Schlampe war. Dabei fiel mein Blick auf mein Spiegelbild und erneut erstarrte ich vor Schreck.

Meine langen, rot gefärbten Haare hingen wirr in ein todblasses Gesicht, meine Augen waren von violett-blauen Schatten umrahmt, die sich tief in meine Haut gruben. Die Spuren der sorgfältig aufgetragenen Schminke von letzter Nacht bildeten einen wirkungsvollen Kontrast zu der todbleichen Haut. Als ich eine Hand hob, um diese wegzuwischen bemerkte ich, dass auch meine Hände rostrot und klebrig vom getrockneten Blut waren. Hastig wollte ich das Wasser aufdrehen um mich notdürftig zu säubern als etwas silbrig glänzendes am Rand des Waschbeckens meine Aufmerksamkeit erregte. Kühl und glatt lag das Rasiermesser auf der Keramik des Beckens, die Klinge ebenfalls rotbraun vom Blut, das beinahe das gesamte Waschbecken füllte. Mit zitternden Händen griff ich nach der Tatwaffe und hielt sie gegen die Badezimmerlampe, wo sie das Licht dumpf reflektierte. Der Griff fühlte sich angenehm an in meiner Hand, nüchtern, beinahe tröstlich. 

Als ich plötzlich Schritte hörte, die sich näherten war es als erwache ich aus einer Trance. Die Tür wurde abrupt aufgerissen und meine Mitbewohnerin stand vor mir, noch in den Klamotten, die sie letzte Nacht getragen hatte vorwurfsvoll und gegen die plötzliche Helligkeit anblinzelnd.

„Du machst es einem unmöglich zu schlafen, das weißt du, oder? Erst höre ich stundenlang das Plätschern dieser verdammten Dusche und jetzt schreist du auch noch wie ein abgestochenes..“                                                      Sie brach ab als ihr Blick an der Dusche hängen blieb und ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Erst jetzt schien sie das Blutbad zu bemerken, ebenso wie die Leiche in der Dusche. Entsetzt starrte sie zuerst auf ihre nackten Fuesse mit den schwarz lackierten Zehen, an denen das Blut hochzukriechen schien wie eine Dornenranke und dann auf das silberne Rasiermesser in meiner Hand.

Sie sah mich an, die Augen eines gehetzten Tieres aus tiefschwarz umrandeten Augen. Ich erwiderte ihren Blick mit einer Ruhe, die mich selbst überraschte. Meine Fingerknöchel traten weiß hervor als ich meine Hand noch fester um den Griff der Klinge schloss. Ich glaube ich lächelte.  Sie deutete mit zitterndem Finger auf die Dusche. „Hast du..warst du das?“

Wenn mich heute jemand danach fragen würde, wüsste ich nicht mehr warum aber anstatt zu antworten begann ich zu lachen, ein dröhnendes, skurriles Lachen, das von den Wänden widerhallte und das das nackte Entsetzen in ihrem Blick provozierte. Man sah ihr an, dass sie sich verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit umsah, jedoch nicht den Mut aufbrachte, an mir vorbeizulaufen, da ich ihr den Weg abschnitt. Dass die sonst so taffe und großspurige Lucie mich zu fürchten schien gefiel mir. Lächelnd trat ich einen Schritt auf sie zu, woraufhin sie angsterfüllt zurückwich bis sie an das Waschbecken stieß. Interessiert betrachtete ich sie. Der Ausdruck in ihren Augen hatte alles Menschliche verloren, sie war die personifizierte Angst. Ich trat auf sie zu und strich so sanft wie es mir möglich war über ihre fahle Wange, auf der meine Hand augenblicklich einen Blutfleck hinterließ. Ich hörte nicht auf zu Lächeln als ich mit einer einzigen, fließenden Bewegung ihre Kehle durchschnitt.

Beinahe sofort floss das Blut aus der Wunde und tropfte auf den Boden, wo es sich mit dem der Schlampe mischte. Die Tropfen erblühten auf dem weißen Untergrund wie hellrote Blumen bis sie auf den Fliesen verschwommen und wie Geister durch den Abfluss verschwanden. Lucie ging in die Knie, verzweifelt nach Luft ringend, beide Hände an der Kehle um den Fluss zu stoppen. Ich sah ihr zu als sie starb, sah wie die Farbe ganz allmählich aus ihrem Gesicht wich, wie das Licht in ihren Augen erlosch. Und ich genoss jeden einzelnen Augenblick. Blut strömte über ihre Hände, wärmte die kalten Finger, tropfte auf ihre halbnackten Beine. Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Entsetzen im Gesicht, brach sie endgültig zusammen, die Augen unverwandt auf mich gerichtet. Als auch das letzte Zucken ihres Körpers vorbei war und der Blutstrom allmählich versiegte, ließ ich das blutverschmierte Rasiermesser auf den Boden fallen, wo es mit einem leisen Klirren aufschlug.



Ich fühlte mich erschöpft, beinahe ausgelaugt wie nach einem langen Arbeitstag. Leicht benommen taumelte ich aus dem Bad. Ungeachtet der Blutspur die meine Fuesse auf dem Parkett hinterließen kehrte ich in mein Zimmer zurück und fiel auf mein Bett. Sofort wurde ich von einer unbändigen Müdigkeit übermannt, der ich beschloss nachzugeben. Mit geschlossenen Augen tastete ich nach der erstarrten Hand meines Exfreundes und umschloss sie mit meinen Fingern. Ich sah ihm tief in die erstorbenen, tiefschwarzen Augen, die ich so geliebt hatte. Von nun an würde ich die einzige sein, die von diesen Augen träumen durfte. „Du und ich, Jack.“, flüsterte ich mit einem leisen, zufriedenen Lächeln auf den Lippen als ich seine tote, kalte Wange küsste. „Du und ich für immer.“

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