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Ich wusste bis zu meinem 8 Lebensjahr nicht wirklich, was die Farben bedeuteten, die um den Menschen herumlungerten, welchen ich täglich über den Weg lief.

Manche von ihnen wurden von einem Blauton umgeben, während andere dunkelrot, oder gar schwarz aufleuchteten. Doch als ich meine Eltern danach fragte, sahen sie mich nur seltsam an, und schleppten mich zum Optiker, der aber nichts an meinen Augen feststellen konnte, und einen Psychiater empfahl, welcher jedoch auch nichts an mir feststellen konnte.

4 Jahre lang lebte ich unter der Vorstellung, dass mir die Farben zeigten, wie die Seele der Leute um mich herum beschaffen war. Es war meine Gabe, über die ich schwieg. Meine Gabe, die mich schützte.

Ich glaube in dieser Zeit habe ich oft den falschen Leuten vertraut, aber Fehler gehören zum Lernen dazu, nicht wahr?


Seit einem Jahr weiß ich, was sie tatsächlich ankündigen…



Sie zeigten mir den Tod.



Bemerkt hatte ich es bei Bobby Hilkins. Ziemlich netter Typ. Trug immer Schlabberhosen und hatte unkämmbare Haare. Als dieser Kerl sich neben meinem Fensterplatz hinsetzte, und mir ein Lächeln schenkte, konnte ich diese Geste nur schwer erwidern. Denn er leuchtete dunkelrot, und ich hatte keine Ahnung, dass ich eher Mitleid mit ihm haben sollte, als mich zu fürchten. Am nächsten Tag war er von einem 8-Tonner auf dem Highway gerammt worden. Tragischer Unfall. Sehr, sehr Schade, da ich ihm aus dem Weg gegangen war, als ich die Farbe an ihm gesehen hatte.


Ein paar Monate danach starb Patil Christchurch.

Ich hatte alles versucht, um es zu verhindern. Hatte sie zu mir gebracht, um sie zu beschützen. Ihr Vater hatte die Tür des Hauses meiner Eltern beinahe zu schnell zerschmettert. Schneller als die Polizei. Sie hatte – genauso wie er – schwarz geglüht. Nachdem er ihr ein Paar mal in die Brust geschossen hatte, richtete er die Waffe an seinen eigenen Schädel, und drückte abermals ab. Und ich hatte das alles gesehen. Ich hatte versucht mich auf Patil zu werfen, doch die blauen Stränge meiner Farbe hatten mich zurückgehalten.

Ja, genau. Wenn ihr euch jemals mehr Mut gewünscht hättet, während jemand vor euch verprügelt wurde, und ihr euch partout nicht bewegen konntet, solltet ihr dankbar sein. Eure Farben haben euch den Hintern gerettet...


Aber dieses Mädchen hatte es mir wirklich angetan, und meine Eltern nahmen mein Schweigen als eine Schocksituation hin, als sie mich später aus dem Krankenhaus abholen durften.


Während also blaue Leute noch einige unbeschwerte Tage vor sich hatten, würden die dunkelroten bald sterben. Schwarze Leute werden ermordet, oder bringen sich selbst um… Es ergab Sinn... Irgendwie...

Am letzten Schultag, auf den sich jeder außer mir freute, hatte ich genug. Sowohl mein Vater, als auch meine Mutter hatten die Farbe von Blut angenommen. Sie wunderten sich, weshalb ich beide umarmte, sagte, wie lieb ich sie hatte, und dass ich sie vermissen würde...


Ich saß später auf meinem Platz, als der erste hereinkam. Mein Kopf begann zu brummen. Blau.

Auch die anderen, die eintraten, trugen diese Farbe, und verzehrende Wut schwappte in mir auf. Sie begann zu brennen, und ich hatte keine Lust mehr, gegen dieses Feuer anzukämpfen.

Doch als der Lehrer eintrat, geschah etwas Seltsames mit meinen Mitschülern.

Zuerst dachte ich an eine optische Täuschung, aber als sich das Lila, in ein dunkelrot färbte, musste ich kichern. Joanne die leuchtete wie eine Kristbaumkugel warf mir einen verwirrten Blick zu.

Die Farben hatten sich doch tatsächlich verändert.

Alle leuchteten rot. Die Schüler. Der gottverdammte Lehrer. Und sicher waren sie nicht die einzigen. Sicher brannte die halbe Schule in meiner neuen Lieblingsfarbe.

Ich blickte grinsend zu meinem Spiegelbild, welches sich leicht in dem Fenster neben mir reflektierte, und umschloss das kleine Spielzeug, das ich mir vor kurzem für einen anderen Zweck angeschafft hatte.

Mein Abbild nickte mir zu, während sich eine Farbe um mich schlängelte...


Blau



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