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Als ich geboren wurde, war die Welt noch in Ordnung gewesen. Da gab es nur mich und meine Geschwister, die sich eng an mich schmiegten und meine Mutter, die mir liebevoll das nasse Fell trocken leckte. Ich spürte ihre Wärme, die mir durch alle Regionen des Körpers strömte und mich mit Lebensfreude füllte. Unbeholfen tapste ich umher, wollte nur spielen, mich mit meinen Brüdern und Schwestern raufen und mein Dasein als frisch auf die Welt gekommenes Mauzi feiern. Anfangs wirkte es auch so, als sollte mein Leben sorglos vonstatten gehen... es war, als ob ich im Paradies erwacht wäre. Doch ich sollte mich täuschen... wir alle sollten uns in unserem Glück täuschen...


Nur wenige Tage später wurden wir abgeholt. Ein seltsamer Mann, ganz in schwarz gekleidet, nahm uns einzeln per Nackengriff aus unserer Transportbox und beäugte uns misstrauisch, bevor er uns in einen viel zu kleinen Käfig steckte. Meine Geschwister und ich hatte große Angst, wussten nicht, was mit uns geschah. Ich blickte zu unserer Mutter, die, an der Seite ihrer Herrin, traurig hinter uns herblickte. Ich miaute ihr meine Sorgen zu und ich sah, wie sie mir langsam und voller Trauer ihre letzten Worte mit auf den Weg gab: Sei stark. Egal was auch geschieht, zeige niemanden deine Angst.


Ich verstand ihre Worte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch sollte mir ihre Botschaft nur allzu schnell und deutlich ins Gedächtnis zurückkehren. Eine simple Botschaft, die das ganze Ausmaß an Leid und Schmerz enthiehlt, welche niemals einen Ausweg aus meinen Gedanken finden sollten und die niemand anderes verstehen sollte, als ich selbst.


Wir wurden an einen Ort gebracht, der sich "Snobilikat´s Reich" nannte und von dessen Namen wir noch nie etwas gehört hatten. Und doch hegten wir noch einen leichten Gedanken, dass wir an einen schönen Ort angekommen waren, an welchem wir weiterwachsen und glücklich sein konnten. Doch die Phantasie strafte uns Lügen.
Kaum waren wir, eingequetscht in unseren kleinen Transportkäfig, über die Schwelle der großen Eigangstür getragen worden, drang uns bereits ein beißender Gestank in die Nase. Er roch schwer, nach Eisen und Rost... wie Blut und Knochen....


Erneut überflutete uns die Angst und meine Geschwister drängten sich immer weiter an die Gitterstäbe und schnürten den schwächeren von uns langsam die Luft ab. Ich hörte meine jüngste Schwester, die ganz hinten ans Gitter gedrückt wurde, gequält aufschreien und nach Sauerstoff japsen. Und auch ich miaute plötzlich lauthals auf, um die anderen wachzurütteln und die Formation zu lockern. Doch es half nicht, es wurde sogar noch schlimmer, als wir in eine große, schwach beleuchtete Lagerhalle gebracht wurden. Der Gestank von vorhin war hier nochmals viel stärker und wir hörten von überall fremde Laute...


Plötzlich durchflutete ein grelles Licht den Raum und enthüllte uns die schrecklichste aller Wahrheiten. Vor uns, links und rechts, sogar hinter uns, erstreckten sich schier endlose Reihen von rostigen, verschmutzten Käfigen, die aufeinandergestapelt, das ganze Ausmaß an Grausamkeit präsentierten. In fast allen dieser grauen Kästen waren Mauzi und Snobilkat eingepfercht. Auf engstem Raum, auf Gitterrost, mit wunden Pfoten und aufgeschürften Gelenken. Ihre Laute klangen gequält, voller Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Und auch ihre einst glanzvollen Augen waren nur noch trübe Linsen, in denen sich ihr tristloses Leben spiegelte.


Meine Geschwister und ich erstarrten, so sehr stand uns die Angst in den Gliedern. Die Männer, die unseren Käfig trugen, ließen diesen unsanft auf den Boden fallen, dass die Schaniere vor Anstrengung ächzten und es laut schepperte. Die Klappe würde geöffnet und wir wurden alle nach und nach aus dem Transportkäfig herausgeholt und getrennt jeweils in einen etwas größeren Käfig gesperrt. Ich war der Vorletzte und noch bevor mich die fremde Hand packen konnte, sah ich zu meiner jüngsten Schwester, die zuvor durch die Ängste der anderen ans Gitter gepresst wurde. Sie bewegte sich nicht mehr. Gab keinen Laut von sich. Ich beschnupperte sie, miaute ihr zu, doch sie regte sich nicht... sie gab mir keine Antwort.


Mein Nacken wurde gestrafft, ich wurde unsanft aus der Klappe gezogen und in den erstbesten Käfig geworfen. Die Tür wurde zugeknallt und ich hörte, wie das Schloss einrastete. Meine Beine trugen mich nur kraftlos zum Gitter, und was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Der schwarzgekleidete Mann hatte meine Schwester in der Hand, drehte sie wie einen Gegenstand hin und her und sagte mehr zu sich selbst als zu seinem Freund, dass sie tot sei und er sie entsorgen wolle. Er schürzte die Lippen und pfiff einen ohrenbetäubenden Laut.


Wir spürten, dass die anderen Pokémon unruhig wurden, aber warum das so war, sahen wir erst jetzt. In schnellen Schritten und mit lauten Gebell kamen zwei Pokémon angelaufen. Ein Hunduster und ein Hundemon. Sie blieben auf Distanz zu dem Mann mit meiner Schwester in der Hand stehen. Sie bleckten die Zähne, knurrten bedrohlich und wetzten die Krallen. Ein kaltes, mit kranker Freude angefülltes Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Mannes, ehe er die Hand hob und meine jüngste Schwester auf die beiden Pokémon warf. Ich schaute voller Entsetzen, wie sich die beiden voller Mordlust auf ihren Körper stürzten, wie sie ihn in ihren Mäulern herumzerrten, ihn auseinanderrissen, sodass Blut und Organe ihren Weg nach draußen fanden. Ich konnte die Augen nicht abwenden, trotz des ganzen Bluts auf den Boden und des grausamen Kampfs der Pokémon. Dieses Ereignis brannte sich tief in meine Augen, in mein Herz und meine Seele. Nur meine anderen Geschwistern, die den Blick noch rechtzeitig in ihrer Angst abgewendet hatten, würden allein die Kampfgeräusche auf ewig in den Ohren wiederhallen.


Die Wochen vergingen und wir wurden größer. Doch wir wuchsen nicht voller Glück auf, sondern mit einer schweren Last im Herzen, die uns zu erdrücken versuchte. Warum nur waren wir hier? Weshalb? Es waren die einzigen Fragen, die sich jeden Tag in meinen Kopf festsetzten und mich nachgrübeln ließen. Ich hob dabei immer den Blick empor und betrachtete die anderen Pokémon in ihren engen Verschlägen. Ich sah, wie einige sich immer und immer wieder gegen das Gitterrost warfen und sich die Haut aufrissen, sodass deren beiges Fell sich allmählich Blutrot verfärbte. Ich sah, wie sich ein paar Snobilikat oder Mauzi aus Schmerz die Gliedmaßen anknabberten, bis sich der Knochen daraus hervorhob und die Pfoten nur noch ein rotes Fleischbündel waren. Ich sah, wie einige regungslos in ihrem Käfig lagen und selbst nach Stunden nicht mehr aufstanden. Andere wiederrum saßen einfach nur in der hintersten Ecke und starrten voller Angst hinaus.


Und ich sah, wie täglich Männer kamen und viele der Snobilikat mitnahmen. Die kraftlosen Pokémon wurden herausgezerrt und auf einen Wagen geworfen. Andere wurden durch ein Bisasam mit Stachelsporen gelähmt, sodass sie sich nicht wehren konnten. Keines davon sahen wir jemals wieder.
Ich selbst erinnerte mich an die Worte meiner Mutter und verstand nun deren Bedeutung. Ich verstand die Botschaft nun endlich und versuchte sie zu befolgen. Doch es fiel mir schwer.


Die Zeit verging, und wir wurden mit künstlichem Futter aufgepeppelt, welches dafür sorgen sollte, dass sich unser Fell schön entwickelte und nicht stumpf wirkte. Es schmeckte schlimmer als verfaultes Fleisch, doch es hielt uns am Leben... sie zwangen uns zu leben, an einem Ort, der nach Blut und Angst stank.


Die Uhr tickte weiter, und meine Geschwister entwickelten sich eines nach den anderen in Snobilikat. Nur ich unterdrückte den Impuls ihnen zu folgen, denn ich wusste, dass es früher oder später zum Ende führen sollte. Doch es schmerzte zu sehr. Mir wurde heiß, ich hatte das Gefühl innerlich zu verbrennen, während sich meine Pfoten ins Gitterrost drückten und zerschnitten wurden. Und irgendwann gab ich auf und entwickelte mich.
Das Ende kam früher als erwartet... zumindest für meine Geschwister. Sie waren alle sehr kräftig, vor allem auch sehr schön, doch genau dies sollte ihnen zu Verhängnis werden. Ein Mann trat zu ihnen und befahl dem Bisasam seine Arbeit zu machen. Meinen Brüdern und Schwestern flog der Staub in die Nase, sie wehrten sich dagegen und sprangen an die Gitterwände... doch es half nicht. Einer nach dem anderen fiel gelähmt um und wurde aus seinem Käfig geholt.


Ich miaute ihnen hinterher. Ich schrie voller Verzweiflung und sagte ihnen, sie sollen keine Angst haben, dass sie bald von hier fort sein werden. An einem besseren Ort...
Ich weinte mich in den Schlaf, dachte an meine geliebten Geschwister und wollte das alles nicht wahr haben... Ich wollte die Menschen dafür hassen, doch ich konnte nicht. Ich wollte sie dafür hassen, wie sie uns so behandelten, doch es ging nicht. Doch eines wollte ich: Ich wollte ihnen niemals zeigen, dass ich Angst hatte.... Angst zu sterben.


Einige Tage später war es soweit. Sie kamen zu mir und das arme Bisasam sah mich traurig an. Sie befahlen ihm Stachelspore einzusetzen, doch das Pokémon wollte nicht. Sie verpassten ihm einen Tritt und schrien es an, es solle gefälligst tun, was sie von ihm verlangten. Das Bisasam blickte wieder zu mir hoch und ich nickte ihm unmerklich zu. Das Pokémon verstand und versprühte seine Sporen. Ich widerstand dem Drang mich zu wehren und wurde, vollkommen erschlafft, auf den kleinen Wagen geworfen, auf welchem bereits sechs andere Snobilkat lagen. Ich war der siebte...


Der Wagen wurde vorwärtsgeschoben und in einen Raum gebracht, der mit dem Geruch von Tod nur so überquoll. Die Männer und das Bisasam gingen, doch es kamen andere. Sie trugen weiße Kleidung, die überall mit roter Farbe beschmiert war.... Blut... es roch nach Blut...


Sie hoben einen nach den anderen aus dem Wagen und ich sah das Schlimmste, was mir je in meinem Leben wiederfahren ist. Die Männer legten das erste Snobilikat, welches nur gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein war, auf einen Metalltisch und fingen an, ihm mit einem scharfen Messer die Haut vom Körper zu schälen. Das Pokémon schrie voller Schmerz auf, konnte sich aber nicht wehren und lag bald in seinem eigenen Blut. Die abgestreifte Haut mit dem einst beigem Fell wurde in eine Wanne gelegt, während das halbtote Pokémon in ein Loch in einer Wand geworfen wurde. Darüber stand in Großbuchstaben: Knochenwalze.


Ich schloss die Augen und hörte nur noch die Schreie der anderen, die nach und nach aus dem Wagen geholt und ihres Fells beraubt wurden. Und dann kam ich an die Reihe. Ich wurde auf den Metalltisch gelegt und spürte, wie mir die Kälte durch die geschundenen Muskeln zog. Die Männer kamen, setzten ihre Messer an und schnitten mir langsam die Haut vom Gesicht. Ich miaute aus voller Kehle, miaute voller Angst und Schmerz. Blut strömte mir aus den Poren. Sie ließen ihre Messer über mein Gesicht gleiten, über den Hals und waren gerade bei den Schultern angekommen, als die Tür aufflog und die Männer erschrocken von mir abließen. Mit halben Bewusstsein nahm ich wahr, wie jemand Befehle rief und die Männer mit der weißen Kleidung auf den Boden gedrückt wurden.


Eine junge Frau schob sich in mein Blickfeld und sah mich voller Mitleid an. Sie legte eine Hand auf meine unversehrten Schultern und redete mir zu. Es waren freundliche Worte, das vernahm ich an ihrem Klang, doch den Schmerz ließen sie nicht verschwinden. Ich weinte... zum ersten mal in meinem Leben. Ich weinte... und das salzige Wasser vermischte sich mit dem Rot meines Blutes. Es waren blutige Tränen, die mein Gesicht hinabliefen und in meine abgeschnittene Haut sickerten. Ich weinte, um den Verlust, weinte um meine Geschwister, um mein Leben und um die ganze nutzlose Grausamkeit der Menschen. Warum nur wollten die Menschen unser Fell? Warum mussten wir für sie leiden?
Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr. Ich wollte nur noch sterben und endlich von diesem Ort entfliehen... doch soweit sollte es nicht kommen...


Viele Wochen sind seit dem Ereignissen an jenem Ort, der Snobilikat-Pelzfarm, vergangen. Die Polizei hatte alle Menschen dort festgenommen und die Pokémon befreit. Doch viele von ihnen waren nicht mehr lebensfähig gewesen. Sie wurden erlöst. Alle anderen wurden an freundliche Familien vermittelt oder in die Freiheit entlassen, sobald es ihnen wieder besser ging. Ich selbst wurde intensiv gepflegt und mit Schmerzmitteln am Leben erhalten. Die Haut am Kopf und Hals ist zwar wieder verheilt, doch das Fell würde dort nie mehr nachwachsen... und auch meine inneren Narben würden nie mehr heilen.
Doch nun scheine ich einen Ort gefunden zu haben, an welchem ich leben kann. Die junge Frau hat mich bei sich aufgenommen, zusammen mit den Bisasam. Sie kümmert sich liebevoll um uns und auch mit ihrem Chaneira verstehen wir uns gut.
Ich habe endlich das Paradies gefunden.

Original

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