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Schon immer hatte ich mich unbehaglich gefühlt, wenn ich nachts allein fahren musste. Die ersten Male, kurz nachdem ich meinen Führerschein hatte, waren am schlimmsten. Doch bis heute ist diese bohrende Angst nie ganz verschwunden. Es ist einfach verwirrend in die Spiegel zu schauen und nichts zu sehen, außer dieser verzerrenden Schwärze der Nacht. Nur zögerlich kann ich mich dazu durchringen die Spiegel zu checken, in Erwartung diese dunkle Leere zu sehen, oder schlimmer noch, jemanden, der auf der Rückbank sitzt und mich anstarrt.

Im Sommer 2013 fand ich mich auf dem Highway 902 wieder, als ich allein von einer Party heimfuhr. Es war beinahe Mitternacht, und ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es stockdunkel war. Wie gewöhnlich des Nachts, war ich nervös. Ich hatte das Radio nicht eingeschaltet und konnte nichts hören, außer dem gedämpften Brausen der Räder auf dem Asphalt und dem eintönigen Brummen des Motors. Ich warf einen verstohlenen Blick in den Rückspiegel und sah nichts als Finsternis hinter mir.

Ich weiß noch genau, dass ich nach hinten schaute und nichts sah. Ich bin mir dessen vollkommen sicher. Nur die scheinbar endlose Schwärze der Nacht. Ich erinnere mich noch so deutlich daran, weil mich nicht einmal 10 Sekunden später ein Auto links überholte. Mit leuchtenden Scheinwerfern. Mich überkam einer dieser plötzlichen Adrenalinschübe, so ähnlich wie in dem Moment, wenn man glaubt jemanden vor seinem Schlafzimmerfenster gesehen zu haben und es sich doch nur als ein Baum herausstellt. Oder wenn man nachts mit dem Gefühl erwacht, man würde fallen. Noch 10 Sekunden vorher war nichts hinter mir gewesen. Und dann, wie aus dem Nichts, ein Auto. Den gesamten restlichen Heimweg fuhr ich zitternd und in dem Gefühl, dass irgendwas nicht stimmte.

Am nächsten Morgen fand ich zwei Paar Kratzer an der Rückseite meines Transporters. Einen hinten links und einen rechts. Der Wagen war schon recht alt. Klar könnten sie dort schon seit Monaten gewesen sein. Doch das war das erste Mal, dass ich mich erinnere sie bemerkt zu haben.

Rückblickend gibt es zwei Möglichkeiten was in jener Nacht vorgefallen sein könnte. Möglichkeit eins: Durch eine Störung der Realität oder ein paranormales Phänomen war dieser andere Wagen irgendwie innerhalb dieser wenigen Sekunden, nach meinem Blick in den Spiegel, hinter mir aufgetaucht. Wie ein seltsamer scheiß Geist.

Version zwei allerdings ist es, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, wann immer ich darüber nachdenke.

Auch Monate später ist so etwas nicht mehr vorgekommen, aber dennoch graut es mir nun noch viel mehr davor nachts allein zu fahren. Möglichkeit zwei: Das andere Fahrzeug war völlig normal. Es hat sich mir von hinten genähert und mich links überholt. Allerdings war meine Sicht versperrt, weil sich etwas Riesiges, Breites – schwarz wie die Nacht – am hinteren Ende meines Wagens festgeklammert und tiefe Schrammen an den Seiten hinterlassen hat.

Und unabsichtlich habe ich dieses Etwas mit nach Hause genommen.

Original: Darkness in the Rear View Mirror

Übersetzung: Sicanda

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