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Noch 3 Schritte.

Dicke schwere Regentropfen fallen auf meine Kleidung, mein Gesicht und durchnässen meine Jacke und mein T-Shirt. Während sich der Stoff langsam mit Wasser voll saugt und immer schwerer wird, schaue ich in den dunklen, mit tief hängenden Wolken durchsetzten Himmel. Über mir nur das leise Kreischen von Möwen, das sich im aufziehenden Donner verliert. Hin und wieder ein Blitz, der durch den Himmel zuckt wie ein riesiger mahnender Peitschenhieb. Unter mir die wogende Gischt die sich an den Felsen zerschlägt und in mir eine sonderbare Ruhe aufsteigen lässt. Rückblickend betrachtet musste es wohl so kommen. Ich versuche zu ergründen, welche Entscheidungen mich hier an diesen Ort gebracht haben, während ich langsam meinem Ende entgegen gehe. Dass ich geflohen bin? Dass ich meine Unschuld nicht beweisen konnte? Dass ich es nicht geschafft habe meine Schwester zu retten? Oder, dass ich am Ende selber zu dem geworden bin, was ich aufhalten wollte?

Noch 2 Schritte

Nichts davon ist mehr relevant. Ich werde einfach vergehen. Ungesehen, verfolgt und letztlich doch gebrochen. Niemand wird sich an mich erinnern oder mich vermissen. Unterm Strich bleibt mir nichts. Nur noch tröstende Hoffnungen, die mehr und mehr schwinden, je länger ich hier oben bin. Bald muss ich nicht mehr fliehen. Bald bin ich wieder mit meiner Schwester vereint. Und vielleicht wird mir auch diese eine Tat vergeben, die ich in meinem blinden Hass begangen habe. Ich habe das falsche getan. Aus den richtigen Gründen. Und dennoch. Die Hoffnung schwindet... Gleich ist es vorbei. Dieser Gedanke hilft mir weiter einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich glaube nicht, dass jemand nachvollziehen kann, wie ich mich gerade fühle. Meine innere Zerissenheit überhaupt wahrnehmen oder verstehen kann. Wie es ist, dass süßlich verkohlte Fleisch von seiner eigenen Schwester zu riechen. Dem Letzten was mir auf diesem Planeten geblieben ist. Der einzigen Person die mich je geliebt hat. Die nun fort ist. Für immer. Von einem ist zu einem war. In die Vergangenheitsform geschickt. Gleich bin ich wieder bei ihr. Gleich ist es vorbei.

Noch 1 Schritt

Mein Blick wandert nach unten. Nun da ich die Gischt sehen kann, fürchte ich mich vor dem, was passiert, wenn mich diese monströsen, kalten und meterhohen Ungeheuer unter mir packen und meine sterbliche und zerbrechliche Hülle gegen die Felsen schmettern. Ich zögere noch einen kurzen Moment. Ja, es ist Angst, die in mir aufkeimt und mich lähmt. Doch es gibt kein zurück mehr. Ich kann nicht mehr anhalten. Für mich gibt es nur noch einen Weg. Den eine letzten Schritt zu wagen. Dann ist es endgültig vorbei.

Freier Fall

Der rauschende Wind, der in meinen Ohren tost und tanzt während ich in den donnerndern Abgrund stürze macht es mir schwer meine eigenen Gedanken zu verstehen. Ich schreie aus Leibeskräften, doch meine Stimme wird vom Wind und den Wellen unter mir verschluckt. Niemand sieht mich. Niemand hört mich. Ich sehe die schäumende Masse unter mir und merke wie mein Körper in das Wasser eintaucht. Mit einem gewaltigen Aufprall, der mir an meinen Händen und Fingern das Fleisch aufplatzen lässt. Ich lebe ist mein letzter Gedanke als mich die Welle packt und wie ein Spielzeug gegen die Felswand schleudert. Ich spüre wie meine Knochen brechen. Ein letzter Schrei dringt über meine Lippen als die Schmerzen mich in die Realität zurück holen und mich aus meinen Gedanken reißen. Meine Beine und Arme sind nutzlos, können mir nicht mehr helfen als ich weiter in den Abgrund hinab treibe. Hier endet es also. Die letzte Luft ist mit dem Schrei aus meiner Brust entwichen. Ich kann den Atemreflex nicht länger unterdrücken. Kaltes und salziger Geschmack erfüllt meinen Mund während sich meine Lungen mit Wasser füllen. Ich kann nicht mehr denken. Meine... Gedanken werden... träge. Hier... endet... es... also. Mama... Papa... Ivory... ich lieb...


du da vor dem Computer



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