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Die Sonne streckte ihre kleinen Fühler behutsam durch den gräulichen Nebel des Morgens. Die Nacht befand sich schon auf dem Rückzug, doch noch sah man den alltäglichen Kampf der beiden Zeiten hoch oben am Himmel. Ich stand schon im Wald. Tau hing am Gras und befeuchtete meine Stiefel, welche meine Füße vor der Kälte bewahrten. Hose und Mantel umhüllten meinen filigranen Körper, während ein dunkelgrüner Hut mein langes Haar zu bändigen versuchte. Försterin war in meinen Augen schon immer ein toller Beruf gewesen und endlich, endlich hatte ich ihn bekommen. Offiziell begann mein erster Tag zwar erst in ein paar Stunden, aber ich hatte es vor Aufregung einfach nicht mehr ausgehalten und war so früh wie möglich in meinen grünen Arbeitsplatz geeilt. Es versprach, ein schöner Tag zu werden.

Langsam schritt ich durch mein Reich. Es war so schön hier, so friedlich, die Ruhe hier war beinahe schon ansteckend. Gelassen streifte ich durch mein Refugium, vorbei an kräftigen Bäumen und kleineren Büschen. Irgendwann flitzte ein Tier über den Weg vor mir, doch mehr geschah in dieser Frühe noch nicht. Die Luft lag über allem wie eine kühlende Decke und vertrieb auch das letzte Bisschen Müdigkeit aus meinen Knochen. Frei wie ein Reh bewegte ich mich durch den grün saftigen Wald, völlig unbeschwert, als könnte nichts und niemand meine Ruhe stören. Ah! Hm? War da was? wahrscheinlich nur irgendein  Vogel. Aaaaaah! Okay, da war tatsächlich etwas. Eine kleine Welle der Panik durchfuhr meinen Körper. Was sollte ich jetzt tun? Sollte ich es nicht einfach ignorieren? Eigentlich hatte mein Job ja noch gar nicht begonnen. Ich könnte mich also einfach ganz vorsichtig wegschleichen. Hilfe! Eine herzzerreißende Stimme hallte zwischen den Bäumen umher. Unweigerlich zuckte ich zusammen. Was auch immer das war, ich musste ihm helfen. Weglaufen könnte ich nun nicht mehr.

Langsam pirschte ich durch die dunkle Umgebung. Plötzlich schien es, als würde die Nacht den ewigen Kampf gegen den Tag grade gewinnen.  Alles lag in einem drückenden Zwielicht, welches dir wie ein Betrüger die Dinge zwar zeigte, aber nichts so wie es wirklich war. Es wollte dich verwirren und täuschen, anstatt dir hilfsbereit zur Seite zu stehen. Ich wusste nicht, wohin ich ging. Niemand schrie mehr. Ich folgte nur meinen Instinkten. Ich bahnte mir meinen Weg durch das struppige Unterholz, völlig auf meine Aufgabe konzentriert. Doch dann, wie ein Pfeil in den Körper eines Kriegers, drang ein Gedanke in meinen Kopf. Es war eine Geschichte, wie man sie sich hier in der Gegend erzählte, eine Geschichte, die mir meine Freunde ein paar Tage vorher noch erzählt hatten, um mir, gut wie sie es meinten, noch einen gehörigen Schrecken einzujagen, bevor ich meine neue Stelle antrat. Sie handelte von Kreaturen, so abscheulich, dass ihre bloße Existenz eine Beleidigung für die Erde war. Blutrünstig und gierig streiften sie durch die Wälder dieser Gegend, immer auf der Suche nach arglosen Besuchern, nur um sie zu verstümmeln und schließlich qualvoll verenden zu lassen. Sie waren heimtückische Wesen, nur auf das Töten und Quälen anderer bedacht. Ich hatte es zwar für einen einfachen Mythos gehalten, ein kleines Märchen, das man Kindern erzählte um sie nachts vom Wald fernzuhalten, doch mittlerweile spukte eine Befürchtung durch meinen Kopf, die alles andere überlagerte und mich in die eisigen Arme der Angst trieb: Was, wenn diese Wesen existierten?

Ich war nun vorsichtiger. Keine Ahnung, was ich vorher erwartet hatte anzutreffen, aber nun war ich auf der Hut. Ich verschmolz mit der Umgebung, versuchte lautlos durch die düstere Umgebung zu schweben. Ich war so sehr auf meine eigene Sicherheit fixiert, dass ich fast stolperte, als ich wieder einen Schrei hörte. Hilfe, so hilf mir doch jemand! Es klang noch verzweifelter als vorhin, aber was noch viel entscheidender war: es klang nun viel näher. Höchstens noch zwanzig Meter entfernt. Ich nahm mein Gewehr ab. Eigentlich hatte ich gehofft, es nie benutzen zu müssen, hatte versucht, seine Last auf meinem Rücken zu ignorieren. Aber nun war ich doch irgendwie glücklich, es mitgenommen zu haben. Vielleicht würde es sich doch als ganz nützlich erweisen.

Ich konnte sie sehen. Die Wilden, diese Kreaturen der Nacht. Ihre Gesichter waren verzerrte Fratzen, merkwürdig behaart und mit gelblichen Zähnen im Maul. Ihre Augen waren dunkel, jedoch voller Hass und Wut. So wie ich es auch grad war. Über und über waren sie von Schmutz bedeckt, ihre Körper trieften von Schlamm und Schweiß. Gierig lechzten sie nach ihrer Beute und beobachteten ihre Opfer. Zwei von denen, die ich eigentlich vor den Monstern des Waldes beschützen sollte, lagen gefesselt auf dem Boden und konnten mittlerweile nur noch winseln. Tränen standen in ihren Augen und tiefe Verzweiflung lag in ihren Gesichtern. Die Monster tauschten Grunzlaute untereinander aus, ich konnte sie nicht verstehen, doch sie klangen so schäbig und verdorben wie ihre Seelen. Schmerz erfüllte mein Herz, der Kavallerie gleich erstürmte er mein Inneres und bereitete den Weg für Wut und Zorn, unbändig tobten sie in mir und ersetzen meine Gedanken durch Instinkte, mein Überlegen durch bloßes Handeln. Ich griff nach meiner Waffe. Ich konnte nicht anders. Ich legte sie an. ich wollte mich wehren, doch es ging einfach nicht.

Peng.

Peng.

Peng.

Drei Schüsse. Drei Treffer. Drei Tote. Noch bevor sie realisieren konnten, wie ihnen geschah, gingen die drei Menschen zu Boden. Ich wartete, bis sich keiner der Wilderer mehr bewegte, dann machte ich die beiden gefesselten Hirsche los. Danke. Danke, oh Herrin. Mit diesen Worten verschwanden sie in den Tiefen des Waldes. Ich warf noch einen Blick auf die Leichen der Männer, der Ungeheuer. Schon lange zerstörten sie mein Reich, doch nun war ich zurück. Und ich würde ihnen eine Lektion beibringen. Würde sie bestrafen, würde sie vertreiben und demütigen. Meine Brüder würden mir dabei helfen.

Mein Name ist Gaia. Ich bin die Erde.

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