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Irre. Verrückte. Spinnerin.

So betitelten mich die Leute lachend, wenn ich ihnen mitteilte, was in der Zukunft geschehen würde. Dabei berichtete ich immer nur das, was ich gesehen hatte. Gab es genau wieder.

Meine Gabe, zu erkennen, was in Zukunft und Vergangenheit liegt, hat mich immer zum Außenseiter gemacht. Zur Witzfigur. Für alle außerhalb war ich nur eine Spinnerin.

Niemand kam mir zu nahe.

Jeder mied mich.

Keiner glaubte mir.

Alle hielten mich für durchgeknallt.

Und nie wusste ich warum.



Dabei zeigte ich den Leuten nur ihr Schicksal, genau wie ich es gesehen hatte.

Nun gut, am Anfang war alles noch recht schwammig und schwer verständlich.

Doch mit den Jahren wurden meine Vorhersagen präziser.

Logischer.

Eindeutiger.

Besser.

Und immer mehr litt ich an Alpträumen und schlimmen Kopfschmerzen.

Diese Visionen brachten meinen Kopf beinahe zum Platzen.

Stets teilte ich der Welt alles mit; in mir noch einen kleinen Funken Hoffnung, dass man mir irgendwann Glauben schenken würde. Doch ich erntete nur Gleichgültigkeit, Gelächter oder höchstens Zorn.

Mit den Jahren wurde ich verzweifelter.

Ich hatte fast kein eigenes Denken mehr, mein Verstand beschränkte sich beinahe nur noch darauf, diese Visionen abzuspielen. 

Beinahe war mir gleichgültig, was ich Grausames, Schreckliches und Furchtbares gesehen hatte.

War nur noch eine Maschine.

Ich versuchte immer energischer auf mich aufmerksam zu machen, fühlte mich, als würde ich jeden Moment explodieren.

Doch trotz allem wurde ich ignoriert.

Tiefer und immer tiefer sank ich ich in meinen von Schreckensvisionen geplagten Geist.

Mir blieb kein noch so dunkler Abgrund der Menschheit verborgen.

Mein Fluch tauchte sie alle in gleißendes Licht.

Mein Fluch, meine Gabe.

Mein Leid, mein Glück.

Was mich zerstörte, was mich zusammenhielt.

Mein Verderben, mein Leben.

Was ich am meisten an mir hasste, was ich an mir so sehr liebte.

Ich hasste es, dass man mir nie glaubte, 

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr vor Arroganz triefend euren Freunden oder Feinden unter die Nase reiben könnt, dass ihr die ganze Zeit Recht hattet? 

Es ist ein schönes Gefühl. Ein sehr schönes Gefühl.

Und ich habe immer Recht.

Ich prophezeite einer Frau, dass sie stranguliert werden würde, und man danach die Striemen fein säuberlich mit einer Schere nachschneiden würde. Dann erst würde sie sterben.

So hatte ich es gesehen.

Sie glaubte mir nicht.

Doch genauso trug es sich zu.

Ich prophezeite einem Mann, dass er von einem Gebäude gestürzt werden würde, und danach würden ihm die Gliedmaßen und der Kopf mit einem Tierkiefer durchbohrt werden. Das Letztere wäre sein Tod. 

So hatte ich es gesehen.

Er glaubte mir nicht.

Doch genau so trug es sich zu.

Ich prophezeite einem Mädchen, ihm würden die Zunge und die Augen heraus-, und die Finger abgeschnitten werden. Danach würde man ihr Herz langsam aus ihrer Brust ziehen, und es an die Stelle der Zunge setzen.

So habe ich es gesehen.

Sie glaubt mir nicht.

Doch genauso wird es sich zutragen.

Ich sehe sie auf der Straße stehen, ein leiser Anflug von Besorgnis in ihrem Gesicht, doch wahrscheinlich nur wegen banalen Dingen, wie einer Klassenarbeit oder Ähnlichem.

Ich lächle sanft und umfasse die glatte Klinge in meiner Tasche fest mit der linken Hand.

Lasse noch einmal den Film vor meinem inneren Auge ablaufen.

Öffne die Augen.

Und komme langsam auf sie zu.

Noch drei Schritte.

Ich habe sie gewarnt.

Noch zwei Schritte.

So habe ich es gesehen.

Noch einen Schritt.

Sie wollte mir nicht glauben.

Ich stehe vor ihr.

Doch genau so wird es sich zutragen!

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