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Seit dem Tag als sie hier beerdigt wurde kam er jede Nacht her. Er stand stundenlang vor ihrem Grab, starrte auf den Schriftzug ihres Namens und weinte still. Ab und zu unterbrach er die Stille da er zuckte und gegen etwas stieß, oder auf einen Ast trat. Selbst in kalten Winternächten stand der Junge dort, den Nebel um sich herum ignorierend und den großen Mann hinter sich nicht bemerkend. Jede Nacht für genau eine Stunde, bis er zurück nach Hause ging. Der Mann folgte ihm still und beobachtete ihn. Dem Jungen fiel das Rauschen nicht auf, er achtete nicht auf die Gestalten, die im fahlen Licht des Mondes um ihn herum schlichen.

Selbst in der Nacht, in der alles passierte, die Nacht, in der er sich seines Vaters entledigte, in der der große Mann ihn endlich mitnahm, selbst in dieser Nacht, kehrte er zu ihrem Grab zurück. Die kalten Griffe der Äxte umklammernd stand er da, weinend, mit den Erinnerungen an den Unfall zum Platzen gefüllt. Er legte eine Blume hin und ging wieder um seine neue Aufgabe zu erfüllen.

Eines Abends setzte er sich zu ihr. Die Tränen liefen ihm nur so über die Wangen. Ab und zu zuckte sein Arm oder sein Bein, wobei er jedes mal über die kalte Erde kratzte. "Ich vermisse dich..." Das heisere Flüstern wurde vom Wind weggetragen, doch er hörte genau, wie sie ihm antwortete: "Ich vermisse dich auch Bruder..." Völlig verwundert kratzte er mit den Fingern über die Erde, besann sich aber dann eines besseren und rannte los.

Verwirrt und verzweifelt kehrte der Junge am nächsten Abend zurück. Er setzte sich wieder und sah lange den Grabstein an, bevor er irgendwann den Mut fasste leise: "Hallo?", zu flüstern. Er wartete, während ihm der eisige Wind um die Ohren pfiff. "Hallo Bruder..." Ein Lächeln trat sofort auf sein vorher so verweintes Gesicht. Er wollte wieder zu ihr, seiner geliebten Schwester, dem einzigen Menschen, der ihn je akzeptiert hatte, wieder in die Augen sehen können.

In der nächsten Nacht umklammerten seine Hände eine große, schwere Schaufel. Er stieß sie in die Erde und fing an, zu graben. Als er auf das Holz des Sarges stieß, machte sein Herz einen Hüpfer. Toby stieß die Erde weg und öffnete voller Erwartung den Sargdeckel. Drinnen sah ihm das halb verfaulte Gesicht seiner Schwester entgegen, tot und von Maden durchfressen. Er hob sie hoch, zog sie in seine Arme und drückte sie, wobei er ihre fast blank gelegten Knochen zerdrückte. Es hatte 4 Jahre gedauert, bis Ticci Toby seine Schwester endlich wieder sah. "Ich liebe dich Schwester..." - "Ich dich auch mein Bruder..."

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