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Eine gesichtslose Kreatur starrt mich an. Die Form des Kopfes gleicht die eines Schakals, eines Schakals dem Mund, Augen, Nase und Haare fehlen. Die nackte Haut ist schwarz wie die Nacht zwischen aneinander gereihten Bäumen in einem dichten Wald. Der Körperbau ist stark vermenschlicht, laufen tut dieses Wesen auf zwei Beinen, würde es ein Gesicht haben könnte man es leicht mit dem Ägyptischen Gott Anubis vertauschen. Der Boden unter meinem Rücken ist steinig, hart, uneben, sehr kalt und doch zugleich extrem heiß. Rechts von mir liegt ein etwa zwei Meter breiter Spalt mit anscheinend endlosem Grund. Nervenzerreißende Schreie und Hilferufe schlagen von allen Richtungen auf meinem Schädel ein, meine eigenen schaffen es nicht die dunkle Mauer des Schweigens zu brechen. Pulsierende Schläge gehen von meiner linken Brustseite aus und arbeiten sich von dort bis in den gesamten Körper vor. Das Atmen fällt mir schwer, beinahe so als würden mehrere hunderte Kilos last auf meinen Lungen liegen. Leise, kaum hörbar vernehme ich die tapsenden auf mich zukommenden Schritte des menschlichen Schakals, sein Kopf ist nach rechts geneigt und es scheint so aus als würde er mich anstarren. Anstarren, mit welchen Augen?

Ich sollte euch, solange ich die Zeit noch habe mitteilen was genau mich in diese mehr als missliche Lage brachte. Ich bin 25 Jahre alt und absolviere ein Physikstudium welches ich voraussichtlich im kommenden Sommer mit Bravour abschließen werde.  Zu meinem Vater, welcher eine wesentliche Rolle in meinen Erzählungen spielen wird hatte ich nie ein wirklich gutes Verhältnis. Er war einer dieser Väter die ihre Kinder zum Fußball schicken, mit ihnen Zelten gehen oder einfach in der Werkstatt an ihren Autos rumschrauben. Ich dagegen war einer dieser Söhne die sich vor Fröschen ekeln, Angst vor Spinnen haben und viel lieber zuhause etwas malen statt mit Freunden rauszugehen. Mit meiner Mutter kam ich bis ich ca. 15 Jahre alt war ziemlich gut zurecht. Sie war eine wirklich gute Mutter und erfüllte alle Wünsche die ich je hatte, wenn sie dies nicht finanziell konnte sparte sie oder machte es mit anderen Werten wieder wett. Obwohl mir es ihrerseits an nichts gefehlt hatte fing ich später an ihre Mentalität in Frage zu stellen. Ihre Gedanken waren so oberflächlich wie die Spitze eines Eisbergs was wohl einer der Gründe für das spätere auseinander Leben war. Sie machte sich Gedanken darüber wer die nächste Wahl gewinnen würde während ich mir Gedanken über ein System machte in welchem es keine Ungerechtigkeiten gäbe, sie sah den wörtlichen Sonnenuntergang während ich eine weitere Drehung der Erde sah. Meine Eltern waren für mich nicht mehr als lediglich die Personen die mich zeugten und gebaren.

Natürlich gab es bei der Sache einen Haken, so wie es überall einen gibt. Zwar hätte ich einfach verschwinden können doch aufgrund meines Studiums war ich weiterhin finanziell von den beiden abhängig. Als ich 23 war verstarb meine Mutter an Bauchspeicheldrüsenkrebs und mein Vater drohte mir daraufhin immer wieder mir den Geldhahn zuzudrehen, würde ich mich nicht mehr bei ihm sehen lassen. Aufgrund seines ungesunden Lebensstils und seinem Alter von 68 Jahren rechnete ich damit sein Erbe ziemlich bald erhalten können.

Sein Erbe war vorsichtig ausgedrückt so schwer mir ein Leben ohne Arbeit zu ermöglichen, selbstverständlich war es weiterhin mein Traum einmal einer der Elite Wissenschaftler im Bereich theoretischer Physik zu sein allerdings ist eine Absicherung ein stabiler Grund auf dem man bauen kann. Mein Vater wusste natürlich dass ich von ihm nicht mehr viel hielt und ihn hauptsächlich wegen des hohen Erbes besuchen kam und versuchte deshalb meine Zukunftspläne zu durchstreichen indem er mir nur den Pflichtanteil vererben wollte. Als ich zu ihm fuhr um ihn zur Rede zu stellen machte er mir ein ungewöhnliches Angebot. Er meinte er hätte das Geld mit harter Arbeit und viel Fleiß verdient, harte Arbeit die ich immer Volksverpflichtung abtat, damit die klugen die Menschheit nach vorne bringen. Er würde es nicht einsehen jemanden sein Vermögen zu vererben der die Arbeit dahinter nicht anerkennt und würde wenn es ginge mir selbst den Pflichtanteil streichen. Doch sein Angebot lautete das ich eine Nacht mit ihm im Wald unter freiem Himmel verbringen sollte um das gesamte Erbe zu erhalten. Zwar erschien mir das ziemlich lächerlich doch ich ging natürlich auf dieses Angebot ein, alleine schon damit ich ihm beweisen konnte das ich die ganzen Jahre über keine Angst hatte Zelten zu gehen sondern mich einfach mit wichtigeren Dingen befasste.

Am darauffolgenden Mittwoch stand mein Vater in den frühen Morgenstunden vor meinem Wohnhaus und hupte wohl die gesamte Nachbarschaft wach statt einfach zu schellen. Mit übermüdeten Augen und einem schlecht gepackten Rucksack kam ich runter und setzte mich auf den Beifahrersitz. Es folgten ca. 3 Stunden unangenehme Konversation mit dem Hauptthema über meine Männlichkeit und weshalb ich keinen körperlich anstrengenden Beruf ausüben wolle. Zwar stand mir das Wasser welches langsam anfing zu kochen bis zur Stirn doch meiner Zukunft zuliebe tat ich so als würde ich mich aufmerksam mit ihm unterhalten. Doch wie sollte man mit jemandem ein Gespräch führen, welches sein eigenes Leben schlecht macht obwohl man eigentlich stolz drauf sein kann?

Als wir endlich im Wald ankamen waren schon über 5 Stunden vergangen, die Sonne hatte bereits fast die Hälfte ihres Weges vollendet und mein Vater schickte mich trockenes Holz zu sammeln. Ich merkte schnell, dass ich eventuell doch ein wenig verweichlicht sei. Stöcke die Pilz Belag oder Moos an sich trugen wollte ich partout nicht anfassen was mir die Suche um einiges erschwerte. Erst nach weiteren zwei Stunden hatte ich genug gefunden um zu meinem Vater zurückzukehren, dort sah ich allerdings schon ein Feuer brennen und eine Tütensuppe kochen. Er sah enttäuscht auf den weichen Waldboden und schüttelte seinen Kopf, ein verachtendes Grinsen fuhr ihm über seine Wangen und sein Brustkorb vergrößerte sich.  Das Ausatmen war so laut, dass ich es auf fünf Meter Distanz noch laut genug hörte um mich daran zu erinnern. Es war einer dieser Momente in denen ein unaufhaltsamer Hass in mir empor stieg, ein Hass der halbwegs verständlich und halbwegs lächerlich war.

Als die Dämmerung eintrat legte ich mich gegen den Willen meines Vaters schlafen, zu früh hat er mich geweckt und zu sehr belastet um jetzt noch mit ihm zu reden. Ich schlief bis mich ein lauwarmer Hauch in meinem Gesicht und ein leise pfeifendes Atmen weckte. Als ich die Augen öffnete zuckte ich vor Schreck in mich zusammen, mein Herzschlag erhöhte sich und mein Körper schüttete Unmengen an Adrenalin aus. Wie starr lag ich da und sah eine abgemagerte schwarze Kreatur vor meinem Oberkörper hocken. Umrisse einer Nase und leuchtend rote Augen waren im Gesicht dieses Wesens zu erkennen. In der rechten Hand hielt es eine Handsichel und in der linken ein Skalpell. Ein Blick auf meinem Schlafsack verriet was er mit diesen Dingen tat, der Boden vor mir war rot gefärbt und auf dem Laub lagen menschliche Innereien. Bevor ich aufstehen konnte machten sich Sterne in meinem Blickfeld breit, Schwindel und Übelkeit folgten und ich wurde langsam bewusstlos.

Ich hörte viele Stimmen, Stimmen die vor Verzweiflung schreiten aber auch Stimmen die mich einfach nur verrückt machen wollten. Ich erwachte ohne Schmerz und unversehrt in diesen schier endlos großen Raum, den Raum den ich vorhin beschrieb. Die vor mir hockende, andere als im Wald dagewesene Kreatur spreizt ihre Nagelosen Finger und kommt mit ihrer Hand immer näher an meiner Kehle heran. Eisige Kälte die das Blut in meiner Halsschlagader gefrieren müsste greift zu, immer fester bis Luftröhre letztendlich nachgibt. Doch statt zu ersticken erleide ich nur unvorstellbar große Qualen. Dieses Wesen hebt mich hoch und trägt mich zu dem großen Spalt rechts von uns.

Was auch passieren wird, mir stellt sich die Frage an welchem Ort ich bin. Nachdem was im Wald geschah müsste ich Tod sein, nachdem was diese Kreatur gerade mit meinem Hals tat, mit meiner Luftröhre müsste ich sogar bereits ein zweites mal gestorben sein.

Wo bin ich? Bin ich Tod und wenn ja, was passiert nun? 

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