FANDOM


Ihr betretet einen Raum. Gerade zu seht ihr einen großen, thronartigen Stuhl inmitten eines schwach beleuchtenden Saals. Der Saal, auf den ersten Blick sehr minimalistisch wirkend, ist durchzogen mit einer stark vertrauten Flora aus Ranken und Blüten aller Arten. Ein eigenartiger Geruch liegt dort in der Luft. Einerseits vernehmt ihr den süßlichen Duft von Honig, gepaart mit dem angenehmen Stechen von Rosen, doch andererseits beißt sich der Gestank von Schwefel in eurer Nase fest. Dieser scheint ein Gefühl von Misstrauen in euch zu erwecken. Ihr beschließt euch die Nase zu bedecken, um den penetranten Wechsel von Gerüchen zu unterbinden. Im nächsten Augenblick scheint auf dem einst leeren Thron plötzlich eine Gestalt zu sitzen.

Feine und edle Kleidung sowie funkelndes Geschmeide scheinen seinen Körper zu zieren. Doch sobald ihr ihn aus einem anderen Winkel betrachtet, ändert sich sein Aussehen in das eines lumpigen Bettlers. Doch sein Gesicht lässt euch wirklich das Blut in den Adern gefrieren. Es ist euer Gesicht. Vor euch steht ein exaktes Abbild eurer Selbst. Die Gestalt steht auf und grüßt euch völlig förmlich und unbeholfen, reicht euch sogar die Hand. Ihr zögert einen Moment, mustert ihn einen Augenblick. Ein breites Grinsen zieht sich durch das Gesicht das ihr Beide teilt. Ihr reicht ihm zitternd die Hand um seinen Gruß zu erwidern. In diesem Moment verschwindet das breite Lächeln aus seinem Gesicht. Sein Blick wird ernst und fast furchterregend, als hättet ihr ihn soeben zutiefst beleidigt.

Plötzlich packt er auch an eurem Kragen! Er fängt an zu schreien und verflucht euch mit all seiner Kraft. Er droht euch auf verschiedenste Weise und in seinen Augen seht ihr den Hass aus etlichen Jahren der Zurückhaltung der nun von euren eigenen Lippen auf euch gerichtet fließt wie tausend giftige Sturzbäche des Hasses. Ihr wehrt euch und schafft es euch von seinem manischen Griff zu lösen. Euer Abbild fällt zurück in seinen schwarzen, hölzern wirkenden Thron. Es fängt an zu lachen. Zuerst leise. Dann immer lauter und hysterischer. Als würde der Saal gefüllt sein mit tausend Gästen die nun ihre komischsten Anekdoten preisgeben. Es lacht immer weiter. Dann scheint es sich verschluckt zu haben und fängt an zu keuchen wie ein sterbendes Tier.

Es hustet und winselt und ringt nach Luft. Seine, eure, Augäpfel werden ganz weiß, sein Gesicht zieht sich immer weiter zusammen. Die Haut scheint langsam aufzureißen. Zuerst kleine, dann große Wunden. Aus ihnen tritt eine schwarze, dampfende und eitrige Flüssigkeit hervor. Was einst eine exakte Kopie eurer selbst war ist nun eine dunkle, stinkende Pfütze aus Knochen, Kleidung und dem Bösen selbst. Alles vor euren Augen verblasst langsam. Alles löst sich auf. Der Saal. Die Überreste. Alles. Ihr wacht auf. Ihr seit immer noch in der selben Klinik in der ihr seit Monaten seit. Euer kleines, weißes Zimmer und die große Stahltür sind immer noch da. Doch etwas ist anders. Euer Gemüt hat sich verändert. Ihr fühlt euch befreit von euren Ängsten und Leiden. Die Dämonen die euch hier her trieben scheinen fort zu sein. Voller neuer Energie springt ihr aus eurem Bett um einen Blick in den Spiegel zu werfen.

Ein breites Grinsen hat sich in euer Gesicht gemeißelt. Nach solch langer Zeit lächelt ihr endlich wieder. Auf einmal hört ihr ein leises Klopfen. So spät bekommt ihr keinen Besuch mehr und die Ärzte und Pfleger kündigen sich nicht an bevor sie eintreten. Erneut ein Klopfen. Diesmal lauter. Ihr gebt Laut, dass wer auch immer klopft nun eintreten kann. Ein drittes, lautes und aggressives Klopfen ist zu hören .

Ihr werdet ganz still. Ihr realisiert etwas, was euch bildlich das Genick bricht. Das Klopfen kommt aus dem Wandspiegel über dem Waschbecken. Euer Herz fängt an zu rasen. Ihr fühlt euch wie betäubt. Dann geschieht es. Eine schwarze, dicke Flüssigkeit fließt vom Spiegel direkt in das Waschbecken darunter. Dieser grauenvolle Anblick lässt euch nun vollkommen erstarren. Das Einzige was ihr noch vernehmt bevor ihr bewusstlos werdet ist der süße Duft von Honig, und der beißende Gestank von Schwefel und ... Misstrauen ...

"Glaubt mir, des Menschen wahrster Wahn wird ihm im Traume aufgetan."

-Nietzsche

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki