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Vorheriger Teil: Sonnengelb


Carolines Augen schweiften neugierig den gesamten Raum entlang. Angefangen mit der Decke, die eine seltsame Nachtschwärze aufzeigte, verziert mit bernsteingleichen Sternen, dessen Intensität des Leuchtens ihr so viel heller, so viel näher vorkam als es ihr als Mensch möglich war zu erblicken. Durch blanke Faszination dieses Bildes angetrieben, wanderten ihre Sehorgane weiter zu den Wänden, die mit einer ebenholzschwarzen Tapete und Blüten aus reinen, glitzerndem Silber versehen waren. Obgleich wie auf einer weichen Unterlage (welches sich als Bett herausstellte) lag, konnte sie trotz der Entfernung zur Tapete einen kleinen rubinroten Tropfen ausmachen, der sich wie in einer Animation zu bewegen schien und mit einem leisen Platsch von der Spitze der Blüte hinabfiel. Hinab in die Tiefe der ebenholzschwarzen Tapete, bis sich jener Tropfen an die Blüte unter der vorherigen heftete und die gesamte Animation von vorne begann. Dieses Spiel hielt so lange an, bis sich eine immer größer werdende Pfütze aus Blut auf dem, vor Sauberkeit regelrecht strahlenden, Parkettboden gesammelt hatte. Caroline dessen Augen nun nicht allein vor blankem Staunen, sondern auch vor aufkommender Panik immer größer wurden, schrie sich ihre Seele aus dem Leib, beim Anblick der wabernden, sich bewegenden Pfütze.

Aus der roten, warmen und dickflüssigen Substanz formte sich Etwas, das einem Menschen an Ähnlichkeit unverwechselbar war. Sehnsüchtig streckte dieser „Mensch“ seine Hand nach der neuen Seele aus, während er mit zunehmenden Schritten, welche er in ihre Richtung tat, immer mehr an Form annahm, bis das junge Mädchen in der Gestalt des Lebenssaftes, den Grund für ihren vorherigen Zusammenbruch erkannte (welcher sich für sie wie eine ganze Ewigkeit angefühlt hatte). Ein erneuter, schriller Schrei suchte den Weg aus ihrer Kehle hinaus. Er war so laut, so voller Panik gefüllt und zeitgleich so mächtig, als wäre der Schrei das letzte und einzige, was ihr noch als Waffe übrig geblieben war. Als könnte sie dieses Monstrum allein mit jener Klage, dessen Intensität sich vibrierend auf ihre Stimmbänder ausschlug von ihr vertreiben. Doch auch als sie sich mittlerweile beinah heiser geschrien hatte und ihr Hals zu schmerzen begann, setzte dieses Wesen seinen Weg ungehindert fort. Die Hand des furchteinflößenden Wesens befand sich nur noch wenige Zentimeter von Carolines Gesicht entfernt und schien trotz ihres laschen Versuches Schutz in der hinteren Ecke ihres Bettes zu suchen, immer weiter nach ihr zu greifen. Eine eigenartige, giftgrüne Substanz schien aus seinem Mund hinauszufließen, derweil ihr Gegenüber ein breites, triumphierendes Lächeln entlang seiner Mundwinkel zog. Nur beiläufig (fast so, als wären ihre Stimmen weit, weit entfernt; unerreichbar) registrierte das 12-jährige Mädchen das Gespräch zwischen dem Jungen und dem Mädchen, in dessen Antlitz sie geschaut hatte. Sie konnte sich nicht erklären, weshalb doch dachte sie aus unerkennbaren Gründen darüber nach, dass die beiden die gleichen Augenfarben hatten. Schwarz mit einer leichten, silbernen Umrandung um die Iris herum. Die Pupille selbst war von einem matten Silber regelrecht überzogen, wie man es bei den Schweißnähten von zusammengeschweißten Metallteilen oft sah. Ob meine Augen dieselben Farben zierten? Dachte sie und im Bruchteil einer Sekunde betrachtete sie das unmittelbar vor ihr stehende Monstrum mit einem fast schon desinteressierten, gleichgültigen Ausdruck, welcher zugleich etwas auszustrahlen schien. Etwas, was sie schon seit sie diesen seltsam Jungen von damals kennengelernt hatte nicht mehr verspürt hatte. Diese Emotion war so stark und aufbrausend in ihrem Körper¸ das es sich wie eine warme erfüllende Woge anfühlte. Wie eine neue Kraft, die sie in diesem plötzlichen, überschwänglichen Moment überkam.

Ohne sich ihres Handels überhaupt bewusst zu sein, stand sie von ihrer weichen Unterlage auf und richtete einen Blick auf das Mädchen, welches (seit sie Caroline gerettet hatte) nicht einen Millimeter von ihrem Platz gewichen war und sie voller Angst und Sorge anschaute – wie die Mutter ihr Kind, wenn es zum ersten Mal seit Jahren etwas alleine wagte. Dann fiel ihr Blick auf den Jungen, der sie (im Gegensatz zu dem Mädchen neben ihm) streng an ihr herabblickte, als wolle er sie aufmerksam mustern; sie testen, um feststellen, ob sie seinem prüfenden Ausdruck standhalten konnte. Sie hielt stand. Sie behielt ihren eisernen, entschlossenen (Entschlossenheit! Das muss die Woge sein, die sie durchflutet hatte!) auch bei, während dieses giftspuckende, blutige Monstrum direkt vor ihr stand und seinen Mund mittlerweile zu einer Zähnebleckenden-Geste verzog, während der giftige Speichel seine Mundwinkel hinausfloß, wie bei einem knurrenden, tollwütigen Hund, welcher drauf und dran war auf sie loszugehen und sie in Stücke zu reißen.

Dem Mädchen war nicht klar, was sie da tat. Von dieser bloßen Entschlossenheit begleitet, streckte sie ihre Hand nach ihrem Gegenüber aus, welcher ihr gleichdarauf mit einem von der Brust herauskommenden, tiefen Knurren drohte, sollte sie sich noch weitere Schritte in seine Nähe wagen. Jedoch ließ sich Caroline in keinster Weise davon beeindrucken. „Du bist nicht real. Nur eine Ausgeburt meiner Fantasie. Geh zurück, von wo du auch immer gekommen bist!“ Den letzten Satz rief sie mit solch einer Stärke und Überzeugung entgegen des Wesens, dass es sich weitaus kräftiger und besser als ihr von Angst (nein, er glich vorhandener Panik) aufkommender Schrei anhörte, welchen sie vor noch wenigen Momenten von sich gegeben hatte. Obgleich mit diesem Ruf ihr schmerzender Rachen sich bemerkbar machte, rekapitulierte sie jenen ersten Satz ein erneutes Mal und dieses Mal selbst entgegen des ohrenbetäubenden – einem starkem Donnergrollen gleichkommenden – Gekreisch dieser Ausgeburt von Hölle.

Der letale Speichel folg während des Schreiens wahllos auf ihre Hand und den Boden zu und ein ätzendes Geräusch – gleichbedeutend mit einem leisen Zischen – bedeutete ihr höchste Vorsicht zu gebieten. Innerlich auf den plötzlichen Schmerz eingestellt, presste sie ihre Augen, sowie ihre Lippen fest zusammen, um so einen Schrei begleitet von nackter Pein zu verhindern, doch zu ihrer eigenen Überraschung spürte sie keine einzige Pein entlang ihrer Nervenbahnen. Dieser eine Augenblick, der jene Überraschung auszeichnete, war dennoch zum Vorteil ihres Gegners und zu ihrem Nachteil. Das Mädchen sah nicht, wie der Junge aus ihrer Vergangenheit auf sie zu raste, die Zähne messerscharf und spitz offenbarte und im selben Augenblick zu biss. Das Gift, welches regelrecht wie eine Fontäne aus seinem Maul über ihren Körper durch ihre Kleidung, hinein in ihre Haut fraß, hätte sie vor Pein glatt wahnsinnig werden lassen können, doch war alles, was sie in diesem Moment vernahm war ein schwaches Brennen (in ihrem Hals) welches vom Biss allein und nicht von der ätzenden Säure ausging.

„Vincent, tu doch was!“, schrie das Mädchen nun voller Panik ihm entgegen, gewillt Caroline zu helfen, doch wurde sie durch Vincent aufgehalten. Sein Arm umklammerte fest den ihren. Egal wie sehr sie sich auch loszureißen versuchte; es blieb endgültig erfolgslos. „Ich kann nicht“, wandte er in das hysterische Flehen ein. „Es ist ihre Erinnerung, die wir hier sehen. So wie ich deine sah, als du jene selbst noch einmal vor Augen geführt hast, können wir beide auch die ihrer erblicken“, erklärte er nun in einem ruhigen Ton weiter, als wollte er mit seinen sanften Worten alle Hysterie von May nehmen.

„Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum jene Vergangenheit in Form eines Monstrums auftaucht und nicht einfach reflektiert wird, so wie es für alle neuen Seelen der Fall ist...“, murmelte er nunmehr nachdenklich, ungeachtet des fortgefahrenen Szenarios, dass sich zu einer immer ernsteren und nahezu ausweglosen Situation entpuppte. Sein Blick war scharf auf den Boden gerichtet, derweil er in seinen eigenen Gedanken versunken nach einer plausiblen Lösung suchte. Fieberhaft überlegte er, wie es zu diesem Phänomen kommen konnte. Bislang war ihm jenes noch nie unter die Augen gekommen, außer es handelte sich um etwas, was mächtig genug war in die aufkommende Erinnerung gleich nach der „Geburt“ der Seelen einzudringen und diese zu manipulieren.

Währenddessen, beobachtete May weiterhin sorgenvoll und am ganzen Leibe zitternd den Kampf, den das kleine Mädchen und ihr Gegenüber veranstalteten. Hin und wieder schaute die nun neue Seele zu den beiden herüber, ihre Sehorgane verrieten, dass sie verzweifelt nach Hilfe suchte, jedoch schüttelte Vincent immer wieder den Kopf und festigte den Griff um das Handgelenk seiner Seele, wenn sie versuchte einzugreifen. Es ist IHRE Erinnerung! Erklärt er ihr nun scharf über die Telepathie. Uns Wächtern ist es untersagt – in jeglicher Form die sich vor uns offenbart – in die Denkinhalte anderer einzugreifen. Uns Seelenwächter ist es in keinsterweise gestattet in die Vergangenheit einzugreifen, da wir sonst die Erinnerungen manipulieren würden und jene neuen Seelen bis zu ihrem Tod mit einer falschen Erinnerung rumlaufen würden. Dies ist einer unserer Regeln, die wir in diesem Reich haben. Obgleich ich persönlich an ihrem Können und ihrem Durchhaltevermögen gezweifelt habe, bin ich selbst erstaunt über die Willenskraft, die sie so plötzlich aufgebracht hat. Hast du ihre Augen nicht funkeln sehen? Wie sie vor Entschlossenheit glänzten und ihr Gesicht. Hast du ihr Antlitz nicht gesehen? Es beschrieb härte. Eisenerhärte. So etwas habe ich bei keinem immateriellen Lebewesen zuvor gesehen. Sie wird es schaffen, May. Ihr ist bewusst, dass es nur ein Hirngespinst ist. Ein Teil (ein schlimmer Teil) ihrer Vergangenheit, doch sie wird lernen es zu besiegen. Sie muss nur wissen wie und das ist der Punkt, an welchem wir – nebst der Regel – ihr nicht helfen können, selbst wenn wir es wollten. Anders als bei all die anderen Erinnerungen, die wir sonst sehen, kennen wir nicht den direkten Auslöser ihres inneren Schmerzes, wir sehen nur ein Produkt, dass ihr Schmerzen verursacht haben soll, dennoch nicht wie es dazu kam. Begreifst du nun, weshalb uns als Seelenwächter die Hände gebunden sind? May nickte ergeben und senkte schlussendlich auch ihre Hand, zum Zeichen der Einsicht. „Wie lange wird dieser Kampf andauern?“, fragte sie ihren Gesprächspartner, der den eintönigen Kampf (welcher nunmehr wie ein Tanz aussah, aufgrund der Tatsache das die neue Seele vor ihrer Erinnerung regelrecht verzweifelt auszuweichen begann) weiterhin mit wachsamen Augen beobachtete. „Das liegt ganz bei ihr. Doch kann ich ihre schleichende Müdigkeit vernehmen. Ich befürchte fast, sie wird es nicht lange aushalten…“ Jene Phrase fraß sich fast schon schmerzhaft in Mays Gedächtnis und hallte wie ein Echo in ihrem Kopf wieder, dass einfach nicht aufhören wollte.

Sie wird es nicht mehr lange aushalten. Sie wird es nicht mehr lange aushalten. Sie wird… Noch bevor jene wiederhallende Phrase vollständig in May rekapituliert werden konnte, unterbrach ein gellender Schrei jenen Vorgang und zerriss die Luft hörbar in Stücke. Nun richteten beide ihre Blicke gespannt in Carolines Richtung. Ihre teerschwarze Hand hatte mit einem kräftigen Ruck die Brust ihres blutigen Gegners durchbohrt. Die nächste Idee, die ihre Nervenbahnen so schnell durchschoss, dass sie bereits jene auszuführen begann, kaum hatte jene Imagination überhaupt an Gestalt in ihrem Hirn angenommen. Ihre Fingernägel bohrten sich sichtlich schmerzhaft in den verfallenden, faulen Klumpen von Herz ihres Feindes. Jener schrie abermals in solch einer von Pein überfluteten Qual auf, dass das Mädchen und der Junge (der Name des Jungen war im übrigen Vincent. So viel hatte Caroline trotz der Entfernung, die sie von ein einander zu trennen schien, verstehen können), sich mit aufeinander gepressten Augenliedern und die Handflächen an ihre Ohren gedrückt, vor dem peinigenden Schrei zu schützen versuchten. Selbst Caroline hätte liebend gerne jene Geste vollführt, so groß und grausam hallte der Schrei durch die reflektierenden Wände herüber, doch konzentrierte sie sich fest darauf, ihrem einstigen Rivalen mit dem entfernen seines… Etwas ein für alle Mal den Garaus zumachen. Ihre Nägel bohrten sich nunmehr fester um jenes Organ, so fest, dass das ein seltsam metallisch-faulender Geruch von den Löchern in dessen Fleisch ausging. Zum ersten Mal seit dieses Biest in ihren Gedanken wiedergeboren wurde, vernahm sie dessen Geruch. Dies auch noch ausgerechnet von einem Organ, der für einen Menschen von essentieller Bedeutung war, wenn man denn Leben wollte.  Angewidert drehte das junge Mädchen ihren Kopf weg und zog mit aller Kraft immer weiter daran, bis ein saftiger Riss – der ausgesprochen Laut im mitten der Schreie erklang und jenes Gebrüll zu unterbinden schien – den Raum erfüllte. Das verfaulte, schwarze Herz in ihrer Hand schlug trotz der tiefen Kerben, aus denen schwarz-grünes Blut herausfloss, erstaunlich langsam. Fast zu langsam. Als wäre es einem Herzstillstand erstaunlich nahe. Dennoch konnte jenes Biest, dass ihre Vergangenheit verkörpert hatte durch dieses Ding leben.

Mit blubbernden, von ätzendem Zischen begleitet, sahen Caroline, May und Vincent zu, wie die menschenähnliche Gestalt in ihrem eigenen Gebräu aus Blut und ätzendem Gift zerfloss. Am Ende zeugte nichts mehr von dem Kampf, bis auf eben jener Pfütze, die unterhalb des Parkettbodens kleine, weniger gefährliche Löcher hinterlassen hatte. Das Blut selber, hatte sich auf gespenstischer Art und Weise in kleinen Rinnsalen aufgeteilt und floss entlang der winzigen Rillen in den Parkettboden hinein, bildete eine blutige Linie im gesamten Boden und sickerte schlussendlich mit einem schlürfenden Geräusch in die schwarz-silberne Tapete zurück, die mit Ausnahme der Blumen – an dessen Stelle nun eine Botschaft auf Lateinisch die Wände zierte – keine Auffälligkeiten mehr bot. Keine Animationen, die sich in mystischer Form zu bewegen schienen und mit Hilfe von Blut irgendwelche abstrusen Monster kreierten. Erschöpft fiel Caroline auf die Knie, sie keuchte. Auf ihren Händen klebte immer noch der Gestank, sowie diese ekelhafte Flüssigkeit, welche beides eine starke Übelkeit und ein schlimmes Schwindelgefühl bei ihr auslösten. Den Klumpen, das sich Herz schimpfte hatte sie achtlos zur Seite geworfen. Doch auch jener Klumpen schien in beängstigter schnelle zu schmelzen und sich ebenfalls zur Wand zurückzubegeben. Ihre Sicht verschwamm abermals – wie vor ihrer Ankunft an diesem Ort hier – und auch die schwarzen Punkte tauchten in immer mehr werdenden Scharren auf, ehe sie ihre Sicht vollends genommen hatten und sie (zu ihrem eigenen Glück) in die starken Hände von Vincent fiel.

Später am Abend, in welchem die meisten Seelen sich wieder auf den Weg gemacht hatten, saß May nebst Caroline allein in ihrem Schlafgemach. Auf Ambers Vorschlag hin, willigte sie ein für sich und Caroline das Doppelbett zu nehmen. Für Amber war es kein Problem in ein Nebenzimmer (welches weitaus größer war und vielmehr Betten besaß) zu gehen. „Dort kommen normalerweise all jene für eine letzte Nacht unter, die ihre Prüfung zur Seelenwächterin oder zum Seelenwächter nicht bestanden haben“, hatte ihr Amber mit einem kleinen, begleitenden Schauder erklärt. May sah ihr an, dass sie sich bei dem Gedanken, sich in eines dieser Betten zu legen nicht sehr wohl fühlte. Dennoch, als Amber die schlafende, erschöpfte Seele sah, verzogen sich ihre Lippen zu einem – mehr gezwungenem – verständnisvollem Lächeln. „Es ist schon in Ordnung, wenn ich dort die Nacht verbringe. Schließlich ist es ja nicht so, als ob es meine letzte sei. Ich habe die Prüfung schon vor Epochen bestanden.“ Wieder lächelte sie. Dieses Mal war das Lächeln mit Sicherheit versehen. Sicherheit darüber, dass sie keine Angst haben brauchte. Keine Sorgen, die sie hätten plagen können. Mir kann nichts passieren. Jeder weiß, dass unsere Königin Regina besessen ist, dass sie unser Reich für die Menschen mit allen Mitteln stärken und vergrößern will, aber sie würde nie so weit gehen mir oder den anderen was anzutun, nein. Sie würde nie… Ihre Denkinhalte wurden mit einem Mal unterbrochen, als jemand leise zweimal an die Tür klopfte. Wie Amber es erwartet hatte, war es eine ihrer beiden Zimmergenossinnen Silvia gewesen, die sie beide zur Suche aufforderte, doch May bat Amber für sie zu gehen und – wenn sie es denn schaffte – zwei Seelen für sie zu finden. Heute wollte sie bei ihrer eigenen verweilen und dies so lange, bis eben jene wieder erwachen würde.

So saß May nun neben ihr und streichelte ihren Kopf. Mit einem mütterlichen Lächeln, sah sie zu, wie ihre eigene Seele in völliger Ruhe schlief. Nach einer Weile wollte sie das Gemach wieder verlassen, doch als sie sich gerade erhob und die Türklinge ergriff durchströmte sie eine seltsame Leere, die sie abzuschütteln versuchte, dennoch wurde jene Leere, welche so schnell auch kam, mit einem Inhalt gefüllt. Mit einer Stimme, um genau zu sein. Caroline, sagte diese. Mein Name ist Caroline. Zunächst verstand die ernannte Seelenwächterin nicht recht, was ihre Seele damit sagen wollte, doch nebst der Stimme tauchte urplötzlich ein Bild auf. Es war so klar und deutlich, dass es ihr wie eine echte Konversation vorkam. Eine Konversation, die sie hätte im Moment mit Caroline tatsächlich führen können, was sie in gewisser Weise auch tat. Sie sah sich selbst und Vincent mit einem Lächeln antworten. Ich heiße May, sagte sie. Und mein Name ist Vincent, stellte er sich nach ihr vor. Doch kaum war die Begrüßung beendet, überkam wabernde Schwärze, wie einen Schleier das glasklare Bild von eben und die Bindung zwischen ihr und Caroline war unterbrochen. Ihr Lächeln, welches nunmehr zu einem Grinsen wurde, wurde je unterbrochen, als sie Vincents einmal mehrmaligen ernsten Gesichtsausdruck sah und wie er unten am Treppengeländer lehnte, die Arme an der Brust verschränkt. Komm mit mir mit, bat er sie wieder in Gedanken. Darauf bedacht, dass niemand sonst seine telepathische Kommunikation hören konnte. Es gibt da etwas, was ich dir zeigen muss. Es hat mit unserer Geschichte zu tun. Die Geschichte Animarums. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, folgte sie ihm die Treppen hinunter, immer mal wieder warf sie einen Blick auf das Gemach in welchem ihre junge Seele hinter verschlossenen Türen schlief. Abgeschottet von dieser Welt, die mit ihrer Geschichte ein grausames, abstruses Geheimnis bewahrte, wie May selbst feststellen musste, kaum hatte sie der Übersetzung von Vincent zu Ende gelauscht und sich mit tiefstem Schock überflutet auf die Couch gesetzt. Ihre Beine zitterten, während Vincent abermals behutsam jene Worte wiederholte: „Sie ist es, die die Macht über das Königreich immer missbraucht hatte. Sie ist es, die uns in Gefahr bringen wird und nur du, bist in der Lage sie aufzuhalten.“


BlackRose16 (Diskussion) 17:01, 4. Aug. 2017 (UTC)

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