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Ich habe ein Glas mit Wasser.


Ich bin unterwegs und suche nach einer dringenden Unterkunft. Ich habe es wirklich eilig und ich kann keine Pausen machen. Ich blicke immer nach vorn, der schmalen Straße entlang. Mein Kopf fühlt sich so an, als hätte ich Versteifungen gehabt und meine Augen sind gerade auch nicht im besten Zustand. Ich bewege mich im konstanten Tempo, um Energie zu sparen. Ich packe meinen GPS aus dem Rucksack heraus und überprüfe die benötigte Strecke.


Ich habe ein Glas mit Wasser.


Noch 20 Meilen. Dann ist es endlich geschafft! Hoffentlich reicht noch die Restenergie, denn mir wird ein kleines bisschen übel. Ich bin normalerweise daran gewöhnt, zu der Zeit ohne Beschwerden auszukommen, doch etwas stört mich. Verflucht, warum gibt es keinen Schatten?! 


Ich habe noch ein Glas mit Wasser.


Ich weiß nicht, wie lange es her ist, seit ich festgestellt habe, dass das die behindertste Idee überhaupt war, hierher zu kommen. Erst vor kurzen oder sogar einen Tag davor...ich weiß es nicht. Wäre ich nicht alleine gewesen, hätte ich an das Wichtigste gedacht, wäre ich darauf vorbereitet gewesen. Doch das ist und ist festgelegt, und darüber nachzudenken, ist bloß Zeitverschwendung.


Ich habe ein halbes Glas mit Wasser.


Die Übelkeit nimmt mich immer härter ran. Ich fühle mich so schlecht, wie niemals zuvor. Mein Hals brennt, mein Kopf streikt und ich kann nicht aufrecht stehen. Ich sehe nun aus wie ein Zombie, der tatsächlich gedacht hatte, es sei doch das Beste hierher zu reisen. Bloß bin ich eine Art, wo sich kein Virus eingenistet hat. Es war etwas anderes. Und warum ist es immer noch so grell hier?!


Ich habe noch ein halbes Glas Wasser.


Mit Erschöpfung überprüfe ich meinen GPS. Moment, wieso ist es nur noch 199 Meilen weit weg? Bin ich etwa in die falsche Richtung gelaufen? Ich blicke zum glasklaren Himmel ohne Wolken. Die Sonne steht schon deutlich hoch. Das bedeutet, dass der Mittag erst begonnen hat. Warum mache ich hier das eigentlich?


Ich habe nur noch etwas Wasser.


Ach ja! Es gibt doch diese alten verlassenen Minen, die einen großen Anteil von reichhaltigen Erzen enthielten. Wenn ich mich noch erinnern konnte, hatte ein Bewohner dieser Gegend gesagt, es gäbe noch Gold, das noch nicht gefunden worden sei. 

Und wenn ich lebend davonkomme, werde ich bald reich sein! 


Ich habe nur noch wenig Wasser.


Ist das da drüben ein Gebäude? Es sieht so aus, als hätte ich es endlich gefunden. Aber es ist weit weg und langsam werde ich krank von diesen Bedingungen. Meine  Bekleidung hilft im Moment nicht viel und der Rucksack fühlt sich schwer am Rücken an.

Die Straße endet hier und das Gebäude steht immer noch nicht vor meiner Nase. Jetzt muss ich den Weg selber marschieren.


Ich habe noch das Glas...


Langsam werde ich müde, doch das darf ich nicht sein! Deswegen gebe ich mir selbst eine Ohrfeige. Man ist das hart gewesen, aber es klappte. Aber halt, wo ist das Gebäude? Es war doch noch dort gewesen. Und überall ist nichts mehr. Sie hat mich fies erwischt, diese Schlange! Fata Morgana hieß sie. 

Meine Schuhe treten immer weiter ins staubtrockene Boden, jeder Schritt wird schwerer. Es ist so heiß wie in einem Ofen und der Schweiß verschwindet allmählich. Meine Haut, mein Mund und alles andere ist so trocken. Ich kann nicht schreien oder gar weinen. Meine Stirn brennt als hätte ich Fieber mit weit über 40 Grad! Und ich habe unendlich Durst. Am liebsten würde ich noch meinen Urin trinken, leider kommt aber nichts heraus.


Ich habe mich wohl zu sehr überschätzt. Ich kapituliere, es geht nicht mehr. Ich bin im Nichts gelandet, das Ziel nicht erreicht. Ein letztes Mal öffne ich meinen Gewissen und sage mir, nein, rufe mir ins Gesicht:


"Nie wieder. Verdammt falsch."

"Nie wieder. Vollidiot."

"Nie wieder. Im Tal des Todes."


...und lasse das Glas fallen...

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