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Der Sommer geht, der Herbst kommt. Im alljährlichen Wechsel. So kenne ich es schon immer. So liebe ich es. Ich liebe den Herbst. Es wird kühler, die Tage kürzer, dunkler. Die Sonne verliert an Kraft, die Sonne wirkt reiner, nicht überladen vor Hitze und Mückenschwärmen. Wenn sich die Blätter in all die schönen Töne färben, ist die Zeit des Tanzes für mich gekommen.

Wie ein Geist wandle ich durch die Mischwälder unserer Region. Ziehe endlose Spuren durch die losen Blätter auf dem Boden, erfreue mich an den Geräuschen um mich herum, das Gefühl welches sie mir vermitteln und werde mir jedes Mal aufs Neue wieder gewahr wie vergänglich all dies ist. Beobachte es vor allem an den Bäumen, wie die Blätter von einem satten, saftigen Grün über ein leichtes Orange hin zum dunklen Rot wechseln, ehe sie braun, trocken und rissig werden. Sterben und zu Boden sinken. Um als Dünger der nächsten Generation zu wirken.

Ein wenig wärmt die Sonne noch, doch der Wind lässt die Blätter rascheln und trägt den gewissen Geruch von Fäulnis und Vergänglichkeit mit sich. Ich drehe mich in ihm, habe die Augen geschlossen. Mir wird warm vor Freude und der Bewegung. Ganz deutlich merke ich wie sich mein Hemd, welches ich unter der Jacke trage, mit meinem Schweiß vollsaugt und wie eine zweite Haut an mir anliegt. In meinem Nacken stellen sich die Härchen auf, als die Flüssigkeit von meiner Haut verdampft um mich zu kühlen. Ich rutsche etwas in meinen Stiefeln und wirble noch mehr Blätter auf. Die Arme weit zur Seite gebreitet genieße ich das Gefühl unantastbar zu sein.

Die Sonne ist bereits dabei hinter den Bäumen des Waldes zu versinken und die Schatten werden länger, scheinen ihre langen Finger nach mir auszustrecken um mich in ihrer Mitte halten zu können. Lachend weiche ich ihnen aus und tanze davon.

Der Weg in mein Heim nimmt einige Zeit in Anspruch und immer wieder sauge ich voller Genuss die köstliche Herbstluft in meine Lungen, ein beständiges Lächeln um meine Mundwinkel. Fahre mit den Händen über die Stämme der alten Bäume die meinen Weg säumen, fühle ihre Weisheit, ihre Beständigkeit.

Reines Glück überkommt mich, als ich mein Haus erblicke, wie es sich zwischen den größer werdenden Lücken der Bäume hindurch schält und mich Willkommen heißt. Einst war es ein seltsamer Gedanke so weit abseits von allen Menschen zu leben, nun jedoch kommt es mir vor, als existiere außer mir niemand weiter in dieser Welt.

Ich öffne die Tür und trete hinein. Selbst hier hat der Geruch des Herbstes Einzug gehalten. Ein wenig faul, ein wenig modrig, doch gleichsam frisch und belebend weht es mir entgegen, als ich in mein Wohnzimmer gehe und den Blick schweifen lasse. Durch die aufziehende Dämmerung liegt alles ein wenig im Düsteren, doch vereinzelt schaffen es breite Sonnenbänder durch die Bäume hindurch, treffen auf meine Vorhänge und lassen Teile des Raumes golden Leuchten. Dieses goldene jedoch rührt nicht allein von Mutter Sonne, sondern vor allem von meinen besonderen Vorhängen, die es mir ermöglichen diesem Licht jeden Tag im Jahr  gewahr zu werden.

Es gibt nur ein Fenster im ganzen Haus, welches noch keinen dieser Vorhänge besitzt. Natürlich dauert es relativ lange den richtigen Stoff dafür zu finden und richtig zu verarbeiten, doch das Ergebnis ist unnachahmlich. Schon jetzt liegt in der Küche, auf meinem großen eichenen Tisch der Grundstoff für den letzten Vorhang.

Händereibend begebe ich mich durch die Schwingtür, dem Schreien des Materials entgegen und das kitzelnde Goldlicht im Rücken.

Ravnene

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