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Mühseelig stapfe ich durch den kniehohen Schnee. Der raue Wind und die Kälte setzen mir genauso zu, wie das hohe Alter. Davon lasse ich mich aber jetzt nicht aufhalten, schließlich kann ich am Horizont, durch das dichte Schneetreiben, bereits die Umrisse der dunklen Zitadelle erkennen, die bedrohlich gen Himmel ragt und meine spröden Lippen formen ein Wort: "Golgotha"

Durch das halbe Land habe ich mich in den letzten zwei Jahrzehnten gekämpft, habe Opfer gebracht und unsäglichen Schrecken getrotzt. Hier wartet sie nun hoffentlich auf mich, die Erklärung für all das Grauen, das diese Welt vor langer Zeit heimsuchte und sie noch immer fest in seinem Griff hält. Vielleicht werde ich all das bald endlich beenden können.

Schon als ich mich durch den Spalt zwischen den beiden gewaltigen Türflügeln winde, höre ich aus den Gängen des Gebäudes dieses allzu vertraute, geisteskranke Gelächter widerhallen. Mit der rechten Hand umschließe ich fest den Griff meines Katanas, ziehe es unter meinem Ledermantel hervor und begebe mich entschlossen in Kampfposition. Bevor ich mit meiner Suche fortfahren kann, werde ich mir diesen Ort also nehmen müssen.

Das schrille Kichern wird lauter und zuerst sehe ich die langen, verzerrten Schatten, die ein verirrter Strahl Mondlicht aus einem hohen Fenster gegen die Wand wirft. Dann kommen sie von gleich mehreren Seiten angehinkt und der Gestank nach verwesenem Fleisch bringt mir Übelkeit. Eine erste zittrige Hand versucht, nach meinem Hals zu grapschen. Das mutierte Ungetüm verliert erst seinen Arm, dann den Kopf. Den nächsten ereilt das gleiche Schicksal und ich komme in Fahrt. Beinahe schon automatisch laufe ich die alten Schrittfolgen ab, die mir mein Meister vor langer Zeit beibrachte und ergänze sie passend mit wohlgezielten Schlägen meiner edlen Waffe. Weitere Gliedmaßen und Eingeweide landen auf dem schwarzen Boden und ich mache weiter bis der Strom an Feinden abebbt. Außer Atem stehe ich vor den sich türmenden Kadavern. Ich empfinde keine Reue, es sind seelenlose Untote mit längst vergessenen Namen, nichts weiter.

Mit einem kleinen, bläulichen Kristall, den ich auf meinen Reisen einem wandernden Händler abkaufte, beleuchte ich meinen Weg abwärts, tief in die untersten Kammern von Golgotha. Das Relief an den Wänden erzählt die tragische Geschichte, die sich einst an diesem Ort zutrug. Hier hatte vor langer Zeit ein aufrechter Mann sein Heldentum mit Blut bezahlt.

Schließlich gelange ich in die Höhlen unter der Erde, die schon vorhanden waren, bevor man diese Gewaltige Zitadell errichtet hatte. Hier irgendwo muss es nun sein.

Schließlich finde ich, wonach ich suche. Hier, ich vermute, genau über mir befindet sich das Zentrum des Gebäudes, stehe ich nun vor einer kleinen, steinernen Säule. Auf ihr steht eine hölzerne Schatulle, auf deren Deckel Runen eingeritzt sind, die ich nicht zu lesen vermag.

Ohne zu zögern öffne ich sie und der grünlich Schein, der aus der Schatulle auf mein Gesicht fällt verrät mir, dass ich dieses mal richtig lag. Im Innern, auf rotem Samt gebettet befindet sich ein kleiner, aus glattem, grauem Stein geformter Quader, auf dessen Öberfläche sich scheinbar willkürlich angeordnete, senkrecht und waagerecht verlaufende Linien abzeichnen, die hellgrün leuchten.

Das ist es! Ich bin am Ziel! genau davon war in den alten Überlieferungen die Rede. Einen Augenblick lang zögere ich, doch dann nehme ich das Artefakt in die Hand.

Augenblicklich wird die Welt um mich herum schwarz und ich habe das Gefühl, mit unglaublicher geschwindigkeit in die Höhe gerissen zu werden. Dann steht wieder alles still, doch ich spüre keinen Boden unter meinen Füßen, nehme die Kälte der Höhle nicht mehr wahr und vernehme auch keinen laut mehr. Blind, Taub und in der Schwebe gefangen, misslingt mir der Versuch zu schreien, doch dann spüre ich die Anwesenheit einer weiteren Person. Hierbei kann es sich unmöglich um eine jener gräulichen Kreaturen handeln, welche schon so oft meinen Weg kreuzten. Nein, diese Präsenz strahlt Ruhe und Gelassenheit aus.

"Sei gegrüßt, Reisender. Dein Mut und deine Stärke haben dich letztendlich doch hergebracht" Diese Stimme klingt völlig Monoton, ist frei von jegweden Regungen. Nicht einmal einem Geschlecht kann ich sie zuordnen. Woher sie kommt, kann ich auch unmöglich bestimmen. Ich stelle die einzige Frage, die mir einfällt.

"Bist du ein Gott?"

"Nein", antwortet die Stimme noch immer im gleichen, regungslosen Ton, "Ich bin keine jener unzähligen Gestalten, denen ihr Kinder Tempel errichtet, um sie anzubeten. Und dennoch bin ich ein Schöpfer. Ich gehöre einem Volk an, das in einem Bereich außerhalb eures Universums lebt. Zeit und Raum gibt es dort nicht. So existieren wir überall und zu jedem Zeitpunkt zugleich"

Mir stockt der Atem, wenn das hier kein Traum ist, könnte ich momentan keinem mächtigeren Wesen gegenüberstehen. Wer sonst könnte mir helfen, wenn nicht ein Geschöpf, dem alles Wissen der Welt offensteht?

"So sage mir doch bitte, warum diese grauenhafte Seuche unsere Welt heimsuchte und wie man sie stoppen kann, Schöpfer"

"Nun denn, Reisender. Du schaust auf einen langen Weg zurück. Die Bemühungen deiner Suche sollen durch Antworten belohnt werden. Einst umgab unser Volk Leere, doch unser Erfindergeist ließ uns nicht ruhen. Wir begannen damit, Kraft unserer Gedanken zu schaffen. Wir begannen mit einfachen, grundschaffenden Substanzen. Gestein, Waser, Luft. Wir probierten etliche Kombinationen aus, die am Ende ein festes Gefüge der Existens, mitten im sonst leeren Raum bildeten. Doch das genügte uns nicht. Wir legten viele einzelne Symbole fest, welche nahezu unendlich viele Möglichkeiten boten, sie miteinander zu verbinden. Verbindungen dieser Symbole bildeten lange Stränge, Baupläne, deren Konstrukte so komplex waren, dass sie sich eigenständig bewegten und miteinander interagerten. Wir schufen das Leben. Liebevoll sahen wir unseren Kreationen zu, wie sie wuchsen und sich entwickelten. Ein harmonisches Paradies der Tiere und Pflanzen entstand. Kannst du dir vorstellen, was das schädlichste für solch eine Idylle ist?"

Gebannt schweige ich und verharre weiterhin erwartungsvoll.

"Emotionen. Besitzansprüche und unterschiedliche Vorlieben für bestimmte Arten lösten Konflikte unter uns aus, die wir auf unserer guten Erde austrugen. Donnernde Gewitter und verheerende Brände verursachten Elend und Tod. So beschlossen wir eines Tages, in der Schöpfung einen Schritt weiter zu gehen. Humanoide Kreaturen, klug und vernunftbegabt sollten fortan diese Welt an unserer Stelle beherrschen, doch leider können unsere Schöpfungen wohl unmöglich besser sein als wir. Hass und Uneingkeit gebahr opferreiche Kriege und wir beschlossen, kleine Änderungen in den Bauplan einzelner Humanoider einzuarbeiten und sie mit besonderen Fähigkeiten auszustatten. In der Hoffnung, diese Magier, wie ihr sie nennt, würden vernunftgemäß für Frieden und Ordnung sorgen, vereinbaarten wir untereinander, uns künftig nicht mehr in die Belange der Erde einzumischen. So war der der Frieden zwar nicht optimal, aber immerhin bestmöglich gesichert. So hätte es auf ewig weitegehen können, hätte einer von uns nicht solch ein verhängnisvolles Verlangen nach den irdischen Freuden entwickelt. Heimlich begab er sich immer wieder in Gestalt eines jungen Magiers auf die Erde, wo er aß, trank, lachte und sang. Und er liebte eine junge Frau. Sein Glück fand ein rasches Ende, als Banditen sie ermordeten. Von nun an war er von Zorn geprägt, sah die gesamte Schöpfung als Fehler an, den es zu beheben galt. Wir erkannten die Gefahr, die von ihm ausging und mit vereinten Kräften gelang es uns, ihn in seiner irdischen Gestalt gefangen zu halten. Doch seine Fähigkeiten als Magier und sein ungeheures Wissen um die Schöpfung ermöglichten ihm seine Rache trotzdem. Ja, er ist verantwortlich für die Untoten, die eure Erde überrenennen und im Licht herrschen, während ihr dazu verdammt seid, in der Dunkelheit zu verharren. Doch auch er ist an irdische Beschränkungen gebunden und wird eines Tages sterben. Deswegen braucht er einen Vollstrecker, der für ihn jene beseitigt, die den Untoten die Stirn bieten. Du kennst ihn bereits. Es ist der junge Berserker, gegen den du einst gekämpft hast. Sie beide müssen aufgehalten werden."

"Und wie stelle ich das an?", frage ich verzweifelt.

"Diese Aufgabe obliegt nicht mehr dir. Du hast deine Teil geleistet und bist nun alt geworden. Deine Reise ist vorrüber. Dein Wissen um die Untoten und die Kunst des Kampfes wirst du eines Tages an jemanden weitergeben, der dazu bestimmt ist, diese Welt zu retten, doch vorerst musst du verweilen, vertrauen und warten. Er wird kommen."

Urplötzlich falle ich und lande hart auf dem kalten Steinboden der Höhle. Das Artefakt halte ich noch immer fest umklammert. Die Linien darauf sind verblasst, ich werde den Schöpfer also nicht noch einmal kontaktieren können, doch ich weis jetzt, was zu tun ist. Langsam setze ich mich auf, lehne mich rücklings an die Säule und warte.

Therdrer 19:35, 6. Jul. 2016 (UTC)

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