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7ü

Meine Umgebung hatte einen grünen Schimmer, die nackten Wände, das Licht der einzelnen Lampe an der Decke und die zerrissene Gardine, die lose vor einem zerbrochenem Fenster hing und sich leicht in der kalten Nachtluft bewegte. In der Ferne war ein Rauschen zu hören, als ob ein Meer ganz in der Nähe wäre. Doch ich wollte nicht rausgehen, oder eher rausklettern, denn in diesem Raum gab es keine Tür. Ich fühlte mich hier geborgen, als ob mir nichts passieren könnte. Zumindest glaubte ich das. Das Rauschen verklang und es wurde totenstill, doch wurde dieser ruhige Moment durch ein Knirschen ersetzt. Es hörte sich an wie Fußschritte auf Kies, und es störte mich. Sonst ist nie jemand auch nur in die Nähe dieser kleinen Hütte mit nur einem Raum gekommen. Das Knirschen wurde lauter und ich sah zum Fenster, wobei mir der Mond direkt in den Blick fiel und ich bemerkte, dass die Fußschritte verstummt waren. Doch wo konnte die Person jetzt sein? Natürlich, außerhalb von diesem Raum, aber ich brauchte einen kleinen Anhaltspunkt. Wo dieser Jemand war, wurde mir danach bewusst, als ich die Präsenz einer anderen Person spürte- direkt hinter mir.

Mit einem lauten Knall fiel ich von dem Sofa auf den Boden. Grummelnd und meinen schmerzenden Kopf reibend stand ich auf und sah mich in meinem Zimmer um. Kleidung, Comics und Computerspiele lagen auf dem Boden rum und meine Tür stand einen Spalt breit offen, und das Licht vom Flur fiel hindurch. Auf diese Lichtquelle zusteuernd sah ich mein Handy auf dem Bett liegend und zog es von dem Ladekabel ab. Das Display leuchtete auf und mir strahlte die Uhrzeit in großen Zahlen entgegen. Leicht geblendet kniff ich meine Augen zusammen und sah erneut auf das Display, diesmal jedoch ohne das stechende Gefühl in den Augen. Ich fluchte laut auf als ich erkannte, dass es bereits kurz nach 7 war, da ich mich mit meinem Freund, Marco, um 19:30 Uhr treffen wollte und er zu Fuß 10 Minuten entfernt wohnte. Ich rief meinen Eltern einen Abschied zu, zurück kam ein ,, Pass auf dich auf, Kyle!" und ich ließ die Haustür ins Schloss fallen.

Auf dem Weg zu Marco dachte ich an meinen Traum. Ich hatte jetzt denselben Traum seit 2 Monaten, heute war allerdings das erste Mal, dass noch eine weitere Person aufgetaucht ist. Als ich weiterlief und zum Himmel hinaufschaute, sah ich die Sonne langsam untergehen und griff in meine Hosentasche, um meine Kopfhörer herauszuholen. Ich stieß Luft durch meine Lippen aus als ich ins Leere griff. Blätter wirbelten von der leeren Straße hoch, als ein Windstoß sich durch die Einsamkeit zog. Wobei ich nicht von Einsamkeit sprechen konnte. Es war... anders. Ich konnte ein Summen ausmachen, als ob jemand bei einem unbestimmten Rhythmus mitsingen will, aber sich doch zurückhält. Mein Blick wanderte über die Häuser auf der linken Seite, die Straße, den Park. Der Park war ein schöner Ort, ruhig und naturbelassen. Jetzt konnte ich dem Park aber nichts abgewinnen, das Summen wurde penetranter und ein Knirschen hat sich zu dem erstgenannten dazugesellt. Ein nur allzu vertrautes Knirschen.

Panisch sah ich nach links und nach rechts, hinter mich. Dennoch, die schwach erhellte Straße schien nur von mir momentan genutzt zu werden. Wahrscheinlich weil ich in einer verschlafenen Kleinstadt wohnte. Hastig ging ich auf den Bürgersteig auf der anderen Seite und bog zum Park ab. Es war eine Abkürzung, auch wenn ich sie selten nutzte. Das Knirschen änderte sich zu einem Rascheln ab, als die Person nach mir den Park betrat. Mein Atem wurde schwerer und ich konnte mein eigenes Keuchen nur mehr als gut vernehmen. Es übertönte schon fast das Rascheln der niedergetretenen Blätter hinter mir. Ich wusste nicht, ob ich es wagen sollte, mich umzudrehen. Die Geräusche verstummten und es wurde alles wieder still. Also war es doch nur eine normale, zivile Person und meine Nerven sind mit mir durchgebrannt. Erleichtert atmete ich auf, als in der Entfernung ein dunkelgrüner Punkt erschien, schwach erkennbar durch die alten Laternen, die im Park in unregelmäßigen Abständen aufgehangen wurden um eine eigentlich romantische Stimmung zu erzeugen. Ich erstarrte und das Summen fing erneut an, nur die Schritte blieben aus. Die kurze Melodie hallte in meinem Kopf wieder, als sie immer und immer wieder gesummt wurde. Sie hing dort fest, auch wenn die Melodie alles andere als angenehm war. Es ließ mich unwohl fühlen. Ich bewegte mich um keinen Zentimeter, als der Punkt näher kam und ich mehr ausmachen konnte. Es war ein Hemd mit einer schwarzen Krawatte, die Person in dem Oberteil ein Junge, vielleicht 17 oder 18. Er trug eine Art Mundschutz mit einem kleinkindlich aufgemaltem Grinsen. Er lief in aller Ruhe zu mir und blieb einige Meter entfernt stehen, und ich sah, wie sich sein Mund unter dem Mundschutz leicht bewegte. Meine Augen weiteten sich in einem Moment des Schocks und des purem Horror, als mir auffiel, das die schiefe Melodie von ihm kam. Das Grün seines Oberteils war wie der Schimmer in meinem Traum.

Ich drehte mich von ihm weg und rannte. Ich rannte so schnell ich konnte, meine Fußstapfen und mein schwerer Atem dröhnte in meinen Ohren, als ein kehliges Lachen hinter mir erklang. Mich selbst weiter vorantreibend bog ich nach links ab und Äste schlugen in mein Gesicht, als ich mich blindlinks durch das scheinbar undurchdringliche Gebüsch schlug. Mein Fuß verhedderte in dem Gestrüpp und ich versuchte mich mit aller Kraft zu lösen, während ich in kompletter Dunkelheit stand, Sonne schon längst hinter dem Horizont versunken. Mit einem lauten Reißen befreite sich mein Bein und ich stolperte einige Schritte, bis ich mich selbst fing und weiterlief. Erst da fiel mir auf, dass ich total alleine war. Alleine, nicht einmal der Junge war hier. Diese Einsicht beruhigte mich halbwegs, doch machte sie mich auch ungewiss. Nach ein paar wenigen Schritten wurde ich mir meiner Lage bewusst: im Dunklen, ohne Ahnung wo ich sein könnte und somit vollkommen verloren. In dem Moment drang etwas in meine Schulter und durchbohrte sie. Ich schrie laut auf, auch wenn der Ruf ungehört zwischen den Bäumen verhallte. Nach einem Moment des Schocks sah ich auf meine Schulter, nur um einen spitzen Ast herausragen zu sehen. Verwirrt zog ich an ihm, hörte allerdings sofort wieder auf, als ein immenser Schmerz meinen Körper durchzuckte. Das Blut sickerte durch meine Jacke und ich biss die Zähne zusammen, um nicht wieder aufzuschreien, als ich erneut an dem Ast zog. Heiße Tränen füllten meine Augen, aber ich hielt den kleinen Ast letztendlich triumphierend fest und erkannte, dass er zu einem Baum gehörte, an den ich mich vorher gegengelehnt hatte. Auf wackligen Beinen ging ich weiter und achtete auf jedes Geräusch, jedes Rascheln oder Knacken. Es blieb jedoch vollkommen ruhig, bis ich das Ende des Waldes fand. Hier ging es wieder über zu dem Park und mir fiel auf, dass ich wenige Meter weiter rauskam als ich reingerannt bin. Mit einem Seufzer überlegte ich, ob ich zu meinem Freund oder wieder nach Hause gehe und alles verarbeiten sollte. In diesem Moment sah ich mich jemandem gegenüber stehen. Es war derselbe Kerl wie der, vor dem ich weggerannt bin. Wieder schlenderte er zu mir rüber, als ob er nur plaudern wollte. Und genau das tat er dann auch.

,, Hallo. Mein Name ist Jasper, manche nennen mich allerdings auch Grinny Jasper. Du kannst wahrscheinlich erahnen warum." Mit einer Geste deutete er auf seine Maske. Er, oder Jasper, hatte eine Ausdrucksweise, die auf eine gute Erziehung hindeutete, aber ich konnte und wollte nicht antworten. Stattdessen schluckte ich nur einmal. Er erhob seine kratzige Stimme erneut und stoppte als er mich erreichte, und mir fiel seine Größe auf, da ich meinen Kopf heben musste, um ihn anzusehen. ,,Du bist dir aber dessen bewusst, dass es äußerst unhöflich ist, einer Person, die sich vorgestellt hat, nicht zu antworten, oder?" Meine Augen streiften hektischen von links nach rechts, damit ich einen Ausweg finden konnte. Dieser Jasper hatte etwas drohendes. Letztendlich stieß er ein wenig Luft aus und sah nach links. Das war meine Chance! Ich rannte in die entgegengesetzte Richtung und versuchte wegzukommen, kam jedoch nicht sehr weit, da sich etwas in meinen Knöchel stieß. Ich fiel zu Boden und sah auf meinen Fuß. In ihm steckte eine lange silberne Nadel, die ihm fahlen Licht der Laternen glänzte. Eine Person kauerte sich über mich und ich sah in Jaspers Augen. Oder besser, in sein Auge. Das rechte Auge durchzog eine wulstige Narbe, die ihn eindeutig erblinden ließ. Er sah mich mit einem geradezu mitleidigen Blick an. ,, Weißt du, es ist auch sehr unhöflich vor einer Person wegzurennen. Du hast wohl keine gute Erziehung genossen, oder? Wollen wir jetzt damit anfangen? Vielleicht kann ich dich und dein schlechtes Verhalten noch retten." Seine Worte hingen schwer in der Luft und ich hatte einen Gesichtsausdruck des puren Horrors. Ich kam nicht mehr dazu viel zu sagen, als er eine weitere Nadel aus seinem Hemdärmel herausholte. ,,Halt still... alles wird gut..." sagte der braunhaarige Junge zu mir mit seiner kratzigen Stimme, bevor er mir mit lautem Schmatzer die Nadel in den Augapfel rammte und ich mein Blut über die Wange laufen spürte. Ich versteifte mich und schrie unter Qualen und unmenschlichen Schmerzen auf, ungehört von allen außer Jasper und mir. Und das war das letzte, was ich hören sollte.

Jasper zog die Nadel aus dem Auge und eine graue Masse hing an der Spitze. "Wohl doch mehr als nur den Augapfel getroffen. Aber, Nonne Amanda, ich habe ihn für sein ungehöriges Verhalten bestraft... wie du einst mich." Jasper stand auf und ging in die Richtung, die der blonde Junge vorher eingeschlagen hatte. Kyle wollte doch zu seinem Freund, falls Jasper sich richtig erinnerte. Vielleicht sollte ihm jemand wirklich einen Besuch abstatten. Jasper stimmte wieder die Melodie an, welche er nun um einen Ton erweitern konnte.

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