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Gute Nacht, Jeff.

von AtomPils

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Fejina zitterte obwohl sie die kuschlig mollige Daunendecke bis über die Nasenflügel gezogen hatte. Der Raum war mütterlich warm, ähnlich einem Raupenkokon. Doch ihr war klar, dass sowohl die Raupe als auch sie früher oder später raus musste. Die Chitinfasern des Kokons würden an der dünnsten Stelle mit einem knarrenden Ton reißen, und den insektoiden Inhalt freigeben. Sie würde zumindest die Tür ins Freie öffnen müssen, was ihr in diesem Moment genauso gespenstisch vorkam.

Jeff the killer by apocalypticporcelain-d6t0d07

Sie beobachtete zurückhaltend das Fenster, das vom Regen, wie von tausenden leblosen Fingern verlorener und nach Leben gellender Untote betrommelt wurde. Sie wollte nicht wissen, was da draußen alles auf sie lauerte, von der gefühllosen Kälte der Nacht ganz zu schweigen. Irgendwie genoss sie die Ruhe, den Schutz, den ihr das alte Gemäuer gab, ordnete sie fast schon persönlich intim. Mütterlich.

Sie war verraten und verkauft. Betrogen, belogen, verlassen und dem Bösen schutzlos ausgeliefert. Das ausdauernde Scharren an der Tür hatte ganz plötzlich eingesetzt. Sie sah den Türgriff immer und immer wieder runterschlagen. Der entsetzliche Lärm setzte sich in die dunklen Ecken des Zimmers, gellte sie an, durchdrang auch die Daunendecke, die ihre letzte Verteidigungslinie darstellen sollte. Jeden Moment erwartete sie einen dämonischen Schatten, mit schweren Schritten den sauberen Teppichboden verdreckend, in ihrem Zimmer zu erscheinen.

Ein Donnerschlag erleuchtete den Raum in hellem blau und offenbarte das schrecklich entstellte Gesicht der Sillouhette, die zeitgleich durch die Tür brach, die Kälte mitbrachte. In einer Hand reflektierte die lange Stahlklinge das schwache Licht der Straßenlaternen, das durch das Fenster seine Position exakt ausleuchtete.

„Hallo Fejina“, häschelte er belustigt. Wieder ein Donnerschlag. Wieder die furchtbare Fratze. Es brannte sich für immer in ihr Gedächtnis. Ähnlich einem Abdruck auf einem Polaroid-Foto.

„Na, kennst du mich?“,

„Du bist Jeff the Killer, oder?“, nur widerwillig sprach sie den grausigen Namen des fleischgewordenen Mythos aus, der sich direkt vor ihrer Nase manifestiert hatte.

„Du weißt was jetzt kommt?“,

„NEIN! Ich bin noch nicht müde.“

Fejina folgte der Bewegung seines Unterarms, fixierte die Spitze der Klinge, während diese langsam und drohend gen Decke fuhr.

Kalter deutscher Stahl schrabbte an seinesgleichen. Das metallische Reißen blieb gedämpft, um nicht aufzuschrecken. Gleich würde er mit warmen Blut bespritzt sein. Ein leises dumpfes Klappen, als die Schuhsohle den Boden berührte. Nochmal. Nochmal. Dann blieb die dritte Person im Raum stehen, Jeff und das Mädchen musternd.

„Hey Jeff.“,

Der Killer drehte seinen Kopf, ähnlich einer Schildkröte mit abscheulichem Dauergrinsen.

Der Schatten hatte mit einer Hand die Krawatte fest umschlungen, zog sie mit den freien Fingern seiner rechten Hand kräftig nach oben, glättete sein Hemd und streckte dann den Arm gerade nach vorn, brachte Kimme und Korn seiner .45er in eine Linie.

„Deine Storys sind scheiße. Geh mal schlafen!“

Der Schlagbolzen der Polymerpistole traf auf das Zündhütchen der Patrone und feuerte das Hohlmantelgeschoss mit einem dumpfen Schlag direkt in die fiese Fratze des Mörders. Das Geschoss durchschlug den deformierten Schädelknochen, weitete sich aus, worauf der Druck im Kopf zu hoch wurde. Alles spielte sich im Milisekundenbereich ab, und noch bevor der unbekannte Killerkiller die Waffe senken konnte, war die Kommandozentrale des berüchtigten Serienmörders im Schlafzimmer seines letzten potentiellen Opfers verteilt.

Es fand nie eine Beerdigung statt. Seine Leiche wurde im hintersten Regal der Bibliothek der modernden Internet mythen verstaut. Nur eine kleine Inschrift markiert seine finale Ruhestätte.

„Hier ruht Jeff the Killer, Serienmörder.

Sein erstes Opfer war die Kreativität.“

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