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Sie kam mir entgegen, ihre langen, fast schon leuchtenden, blonden Haare wehten im leichten und warmen Wind des Frühlings. Mir kam ihr Parfüm in die Nase, es roch wie eine Wiese der Wundervollsten Blumen. Ich sah sie, all diese Blumen, auf ihrem bemusterten leichten Sommerkleid, welches perfekt zu ihren strahlenden blauen Augen und ihrem leichten, aber nicht aufdringlichen Lippenstift passte, als wäre sie ein Gemälde, welches der Maler selbst, für Jahre geplant und jede Farbe mit liebevoller Handarbeit ausgewählt und gemischt hätte. Ich sah sie schüchtern an, unsere Blicke trafen sich, nur kurz, einen viel zu kurzen Moment lang. Doch was war das? Ihre Lippen formten ein kurzes Lächeln, ein Lächeln, welches so viel versprach, so viel sagte und doch stumm blieb, schüchtern und doch edel, freundlich und doch selbstbewusst. Sie strich sich mit ihrer Hand durch ihr Haar, es formte sich um ihren Finger wie fließendes Wasser eines unberührten Sees. Dann liefen wir an einander vorbei, auf diesem dünnen Gehweg. Noch einmal dieser Geruch, diese Blüten, dieser Traum. Ich drehte mich zu ihr um, was war das? Hatte ich eben einen verträumten Blick gespürt, der mich musterte, einen Blick durch diese himmlischen Augen? Verspielt und frech über eine ihrer dünnen Schultern hinweg? Wäre das die Chance gewesen? Ich hätte sie ansprechen können, hätte ihr Komplimente machen können, ohne Schuld, nur die reine Wahrheit, ohne auch nur einen Zweifel hätte ich sie ausgesprochen. Hätte ich mich umgedreht. Ich hätte ihre Stimme hören können, sie wäre sicherlich rein gewesen, wie sanftes Flüstern und dennoch klar zu vernehmen. Ihr Lachen, es wäre wie Musik gewesen, Musik ohne Takt, ohne Form. Freie Musik, die nur ich hätte zum Spielen bringen können und wie gerne hätte ich mit ihr gelacht. All das, hätte ich mich umgedreht. Ich wäre mit ihr zu dem Kaffee gegangen, dem Guten, dem, das direkt an dem kleinen Fluss verläuft, wo man den verspielten Fischen zusehen kann, wie sie den starken Strömen trotzen und ihrem Schicksal, ihrem Weg folgen. Wäre ich ein Fisch, wäre ich wohl schon lange tot. Nur die toten Fische schwimmen mit dem Strom, oder nicht?  War sie mein Stein? Wäre sie die Welle gewesen, der ich hätte folgen müssen, die meinem leeren Herz endlich einen Sinn gegeben hätte, sich zu öffnen? Sie hätte es sein können, hätte ich mich umgedreht. Wären wir zusammen alt geworden, hätte ihr eine kleine Wohnung gereicht? Ich hätte so gerne für sie gearbeitet um zusammen mit ihr in ein altes Haus zu ziehen, eines wo sie im Garten Blumen, so wohlduftend wie ihr Parfüm und so bunt wie ihr Kleid, hätte pflanzen können. Hätten wir Kinder gehabt? Kinder, die ohne Sorgen durch den Garten springen könnten, umhüllt von den Blüten des Kirschbaumes, den ich gepflanzt hätte, um ihr die besten Konfitüren zu fertigen. Sie wäre es gewesen oder, sie, oh hätte ich mich nur umgedreht.

Ich sah ihr aus dem Fenster heraus nach, ich hatte das Licht ausgeschaltet, sie konnte mich nicht sehen, ich wollte es nicht, ich war gebrochen, allein. Sie bog um eine Ecke, ihre langen Haare verschwanden, die Gedanken an ihr Parfüm, das sie bestimmt getragen hatte verließ meine Nase und hinterließ nur den staubigen vermoderten Geruch, den ich immer riechen musste. Ich sah in den Himmel, er schien mir so dunkel, so schwarz, kein Vergleich zu ihren Augen. Die Sonne, nicht halb so hell wie ihre leuchtenden Lippen, wie hätte das Lächeln von ihr wirklich ausgesehen? Wer weiß? Langsam quietschend drehte ich mich in meinem Rollstuhl und sah an die Wand voller Bilder, die ich gemalt hatte. Waren das die Dinge, die hätten sein können. Könnte ich mich umdrehen und loslaufen?

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