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Es war zehn nach Eins mitten in der Nacht. Ich saß zusammen gekauert nur wenige Schritte von dem Fernseher entfernt in >meinem< Wohnzimmer. Meine Eltern waren außer Haus und würden wahrscheinlich erst morgen früh zurückkehren. Es war schön, das Haus einmal für mich zu haben, denn in dieser Zeit bekam ich die seltene Möglichkeit, so lange aufzubleiben wie ich wollte. Normalerweise zwangen mich meine strengen Eltern dazu, selbst am Wochenende um halb Zehn schlafen zu gehen.

Das Licht im Wohnzimmer hatte ich ganz ausgeschaltet, um den Film in vollen Zügen zu genießen. Es war ein etwas älterer Film über ein paar Schatzsucher, die irgendetwas im Untergrund suchten. So ganz verstand ich das nie. Zwar sah ich ihn schon zum gefühlten zehntausendsten Mal, aber sobald ich einen Teil des Filmes nicht verstand, zerbrach ich mir bis hin zum Ende den Kopf darüber. Was haben sie da gemacht? Wieso tun sie das?, schoss es mir in jeder zweiten Szene durch den Kopf. Die Welt um mich herum schien ich gar nicht mehr zu beachten. So ging es eine lange Zeit weiter, bis mich der Hunger plagte und in die Küche lockte. Zu meinem Glück erwischte ich genau den richtigen Zeitpunkt, in dem die Werbung eintrat. Selbst auf dem Weg dorthin quälten mich meine Gedanken, mit den für mich noch ungeklärten Themen aus dem Film.

Vorsichtig öffnete ich die quietschende Schranktür, in dem sich meistens die Süßigkeiten >versteckten< . Es blieb mir aber nur noch eine zur Hälfte verputzte Chips-Packung und zwei mit Schokolade überzogene Kekse. Ohne mir weitere Mühen zu machen, um nach anderem zu suchen, griff ich einfach danach und begann meinen holprigen Weg zurück vor den Fernseher. Meine Sicht war von der Dunkelheit und der flimmernden TV-Strahlung eingeschränkt. Es machte mir große Mühe, nicht zwischendurch zu stolpern.

Nachdem ich es endlich geschafft hatte, ließ ich mich seufzend auf das Sofa fallen. Die Chips legte ich auf den Tisch daneben und griff nach der Fernbedienung. Solange Werbung war, schaltete ich immer auf einen anderen Sender um, was ich auch dieses Mal tat. Nachdem ich fast meine ganzen Möglichkeiten durchsucht hatte, kam ich auf einen modernen Cartoon. Er war zwar etwas langweilig, aber ich sah nebenbei sowieso noch auf mein Handy. Mittlerweile war es bereits zwei Uhr nachts. Trotzdem schrieben mir noch immer viele meiner Freunde. Ich betrachtete die unnötigen Meme-Bilder, die sie mir schickten und tat so, als fände ich sie total amüsant. Nach zehn Minuten bemerkte ich eine ungewöhnliche Stille um mich herum. Außerdem war die Belastung des TVs aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich legte das Handy zur Seite. In diesen zehn Minuten, in denen ich mich mit meinen 175 neuen Nachrichten beschäftigt hatte, war mir wieder vollkommen unbewusst geworden, dass der Fernseher vor mir noch lief… jedenfalls tat er das, auf eine gewisse Art und Weise, die ich mir nicht erklären konnte.

Der Bildschirm war schwarz geworden, trotzdem leuchtete das On-Zeichen noch grün. Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Da jegliche Lichter im Raum aus waren, war der grüne Punkt meine einzige Lichtquelle. Hastig tastete ich zurück zu meinem Handy. Doch vergeblich. Dort, wo ich es noch vor kurzem hingelegt hatte, lag es nicht mehr. Was für ein Glück, wenigstens befand sich die Fernbedienung noch in unmittelbarer Nähe, sodass ich mühelos meinen Arm danach ausstrecken konnte. Nachdem ich einen der vielen Schalter darauf betätigt hatte, veränderte sich das grüne On-Zeichen zum roten Off-Zeichen.

-02:20 Uhr- stand gut lesbar, ebenfalls in Rot, nun auf dem Bildschirm. –Sie haben mich 2 Stunden und 20 Minuten, ohne mein Programm wirklich zu beachten, angelassen. – wechselte nun das Bild. Stimmt, ich hatte den Fernseher genau um 00:00 Uhr angeschaltet, da ich genau gewusst hatte, wann der Film, den ich schauen wollte, anfing. Doch wirklich verstand ich den Film nicht. –Wenn ich mit dir rede, musst du mir zuhören!- wechselte nun erneut das Bild.–unhöflich-  „W-Warte! Ich habe dir zugehört! Ich habe doch den Film geschaut!“, stotterte ich kleinlaut und kam mir bereits ein bisschen dumm vor. Ich redete da mit meinem Fernseher… Da kam mir wieder in den Sinn, dass ich den Film kaum beachtet hatte, weil ich ihn ebenfalls auch kaum verstand. Dadurch hatte ich Stück für Stück versucht, mir die einzelnen Szenen selbst zu erklären. Durch das darüber Nachdenken kam ich gar nicht dazu, auf den Rest des Filmes zu achten. Das Gerät machte einen wütenden Eindruck, als um ihn plötzlich winzige eher ungefährlich Blitze sprangen. „Konzentriere dich, wenn ich mit dir rede! Hör mir zu!“, krächzte eine kratzige Stimme aus den Lautsprechern und bereitete mir Ohrenschmerzen. „Hör mir zu! Hör mir zu!“ Das Gerät schien verrückt zu spielen und schaltete einfach von einem Sender zum anderen. „Hör mir zu! Hör mir zu!“ Die Stimme wurde immer lauter und lauter. Vor Schmerzen hielt ich mir die Ohren zu. Die Blitze, die der Fernseher ausstieß, wurden immer größer. Es dauerte nicht lange, bis auch die Stimme noch viel lauter wurde, als sie vorher schon war. „HÖRE –MIR- ZU!“, schrie sie klar und deutlich, schon fast zu deutlich. Alles Glas hinter mir zerbrach, selbst die Fenster. Diese Lautstärker würde kein normaler Fernseher erreichen. Die Laute vertrug mein Trommelfeld nicht mehr. Ein leiser klickender Ton war das Letzte, das ich hörte, bis die Welt um mich herum verstummte. „…………!!!!!!“ Ich war zu geschockt, um noch auf den Fernseher zu achten. Ich war starr wie ein Stein, nicht dazu fähig wegzurennen. Was passiert hier? Ist das ein Alptraum? Ich spürte, wie einer der Blitze von oben in meinen Körper eintraf und mich noch viel unbeweglicher machte. Zu erst schmerzte es, es schmerzte so sehr, dass ich fast vergaß, zu atmen. Der Schmerz floss mehrmals durch mein Herz und meinen gesamten Körper. Langsam wurde mir schwarz vor Augen, bis ich dann auch endgültig nichts mehr sah. Auch mein Herz hielt den Strom, der durch meinen Körper floss, nicht mehr aus und fing an, immer langsamer zu schlagen. Langsamer    und    Langsamer .

Hör mir zu!

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