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Dies ist die Geschichte von Lydia. Lydia war eine freundliche Frau, eine liebenswerte Frau. Sie liebte die Menschen und die Menschen liebten sie. Am meisten jedoch liebte Lydia die Kinder. Schon immer, seit sie ein junges Mädchen gewesen war, wünschte sich Lydia eine große Familie, denn dies war ihr in der Vergangenheit stets verwehrt gewesen. Lydia, müsst ihr wissen, ist unter unangenehmen Verhältnissen aufgewachsen. Ein Waisenhaus war das Heim ihrer Kindheit und viele traurige Kinder nannte sie einst ihre Geschwister. Da war Susie, ein zierliches Ding, das ständig las und niemals sprach, Hansi, ein strammer Junge, der gerne Sachen zerbrach und Steine auf Fensterscheiben warf und Edgar, ein winziger Bursche, der sich immer durch Diebstahl über Wasser gehalten hatte und seine Gewohnheit selbst im Waisenhaus nicht ablegen konnte.

Lydia mochte das Waisenhaus nicht. Sie versuchte es, versuchte es inständig, denn ihre liebe Mutter hatte früher stets gesagt: „Wenn du deine Situation nicht verbessern kannst, mach das Beste daraus.“ Doch Lydia konnte nicht. Sie hasste die Trostlosigkeit des steinernen Gebäudes, das sie gefangen hielt, sie einengte, ihr die Luft zum Atmen nahm, sodass sie jede Nacht nach Atem ringend um Hilfe schrie, schrie bis alle im Hause erwachten, schrie bis die Erzieherin kam und sie ruhig stellte.

Doch diese dunkle Zeit war längst Vergangenheit, Lydia führte ein schönes Leben, ein gutes Leben und sie genoss jede Sekunde davon. Sie liebte ihr schönes Zimmer, weiß wie Schnee und weich wie eine Wolke. Sie brauchte in ihrer kleinen Kammer weder Möbel noch Dekoration, es war genau so, wie es sein sollte. Wenn sich die Sonne am Morgen durch das winzige, vergitterte Fenster tastete, glänzten die weichen Polster an den Wänden wie flüssiges Silber. Lydia erwachte jeden Morgen mit einen Lächeln. Sie musste ihr geliebtes Zimmer nie verlassen, denn sie hatte viele Freunde in hübschen Kitteln, die sie jeden Tag besuchten. Und selbst ohne ihre Freunde war sie nie allein, nein, nicht solange sie ihr wunderschönes Baby bei sich hatte. Sie hatte es nach ihrer Mutter benannt, Evelyn. Sie liebte Evelyns klare, blaue Augen und ihre langen, blonden Löckchen. “Seltsam“, dachte Lydia manchmal, wenn sie ihr schönes, ruhiges Baby betrachtete, „sie sieht mir überhaupt nicht ähnlich“.

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