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Vorwort: Wirkt immer noch am Besten, wenn man es auch an Halloween liest.

Ding Dong

„Süßes oder Saures!“

Klingt es durch das alte Haus an der Mason Street. Es war Halloween. Halloween in Amerika. Unter normalen Umständen hätten die Masons das vielleicht mehr gefeiert. Vielleicht hätten sie eine aufwendigere Dekoration mit künstlerisch gestalteten Kürbissen, gruseligen Geistergirlanden und mit ein paar Pappfiguren veranstaltet. Aber dieses Halloween nicht.

John wusste nicht direkt, was er falsch gemacht hatte. Vielleicht hatte er seine Frau Alice zu sehr mit seinem Kinderwunsch bedrängt. Wahrscheinlich war es das. Alice mochte Kinder schon immer sehr, sie liebte es auf die Kinder ihrer Großcousine aufzupassen. Aber… sie wusste nicht ob sie für ein eigenes Baby bereit war.

Auf jeden Fall ignorierte Alice John nun schon eine ganze Weile. Manchmal behandelte sie ihn, als wäre er nicht da. John wurde dann oft wütend. Einmal hatte er das Bild von ihr und ihm auf den Boden geworfen, so dass der Bilderrahmen in tausend kleine Teile zerbrach. Er wusste noch, wie sie darauf vollkommen verängstigt vor ihm die großen Scherben aufgesammelt hatte, mit Tränen in den Augen. In dem Moment verflog Johns unglaubliche Wut und er empfand nur noch bittere Schuldgefühle und tiefstes Mitleid. Er wollte sie umarmen, sie trösten, doch sie drehte sich von ihm weg und verließ den Raum. Seit dem wurde es nicht besser. Sie wurde immer kälter zu ihm, so oft er sich auch für sein Temperament entschuldigte. Aber er liebte sie. Er wollte sie nicht verlassen und er hoffte nur, dass sie immer noch das Gleiche für ihn empfand.

Während ihm all diese Gedanken durch den Kopf gingen, starrte er auf die mit Süßigkeiten gefüllte Plastikschüssel. Sie war wahrscheinlich aus irgendeinem Billigladen gekauft, doch hatte sie in dieser Situation etwas Faszinierendes an sich. Er fiel erst aus seiner Starre, als Alice sich an ihm vorbei drängte um die Schüssel zu greifen. Ihr blondes Haar roch nach Kokos und war unter einem leicht kitschigen, aber dennoch irgendwie charmanten Hexenhut versteckt. Er blieb weiter stehen, doch sein Augenmerkmal lag nun auf seine Freundin, die er so liebte und doch momentan für ihre Kälte so verabscheute.

„Es tut mir Leid.“, flüsterte er. Keine Reaktion, sie drängte sich wieder an ihm vorbei, ging zur Tür und begrüßte die Kinder.

Er folgte ihr, schaute zu, wie sie die Schokoriegel, Bonbons und die anderen Süßigkeiten an die kleinen „Monster“ verteilte. Sie war immer ein geduldiger Mensch gewesen. Warum konnte sie nur so gütig zu den Kindern und nicht zu ihm sein?

Die Kinder gingen wieder weiter, setzten ihren Streifezug durch die Nachbarstraßen fort. Alice schaute ihnen noch eine kurze Weile nach und John legte seine hand auf ihre Schulter. Als sie das bemerkte drehte sie sich hastig um, starrte ihn an. Keiner von ihnen sagte auch nur ein Wort. John blickte noch ein Moment in ihrer meerblauen Augen, bevor er sie sanft auf ihre mit schwarzem Lippenstift geschminkten Lippen küsste. Für einen Moment schien es, als ob die Wärme sie Beide wieder eingeholt hätte, als ob es den ganzen Streit nie gegeben hätte.

Dann klingelte es wieder an der Tür.

„Süßes oder Saures.“, ertönte es gedämpft.

Sie starrte ihn für einen Moment weiter an. „Kümmere dich nur um die Kinder.“, seufzte John.

Wieder öffnete sie dir Tür, wurde von einem kleinen Frankenstein, zwei Geister und drei Hexen begrüßt. Die zwei Eltern standen ein paar Meter weiter weg und redeten miteinander über alltägliche Elterndinge, wie John wohl annahm.

Die nächste Stunde verlief recht gut im Vergleich zu den letzten Tagen. Alice und John schauten zusammen einen Film. Nichts Spektakuläres, ein typischer Halloweenfilm nun mal, der eine komische Mischung aus Komödie, Horror und Liebesgeschichte darstellt.

Als es zum 5ten Mal an diesem Abend wieder an der Tür klingelte, bemerkte John, wie leer die Plastikschüssel inzwischen war. Er dachte einen Moment lang nach, starrte dann auf den Abspann des Films und entschied sich dann schlussendlich aufzustehen und noch ein paar neue Süßigkeiten zu besorgen.

„Ich werde noch mal einkaufen gehen.“, rief er, nachdem er sich den Schal um den Hals gehangen hatte.

Die Tage waren herbstlich, abends wurde es immer kühler. Inzwischen war es 19 Uhr, es werden sicher noch ein paar Kinder vorbei kommen, da war er sich sicher.

Als er das Haus verließ wurde er zu allererst von einem kalten Wind begrüßt. Er fragte sich, wie die Eltern ihre Kinder bei diesem Wetter draußen rumrennen lassen konnten. Aber wahrscheinlich war der Heißhunger, der Kinder, auf Süßem einfach zu groß, um ihn in Schach zu halten. Wie auch immer, der Supermarkt war nur ein paar Straßen weit entfernt, so entschied John zu laufen. Als er sich gerade umdrehen wollte, um in die Lackerstreet abzubiegen, bemerkte er etwas. Es war eigentlich nichts weiter, nur eine beunruhigende Idee. Ein Schatten, den er glaubte aus dem Augenwinkel zu sehen. Doch als er noch einmal genau hinschaute war die Kreatur weg, so als wäre sie nie da gewesen.

Irritiert und in den Glauben, es wäre reine Einbildung gewesen, setzte er sich in Bewegung und lief die Straßen entlang. Es hatte etwas Schauriges, Unheimliches, in der Kälte auf den Straßen zu laufen. Ihm begegneten auch nicht viele Kinder, nur zwei kleinere Gruppen mit vielleicht 3 kleinen „Monstern“ aber ansonsten waren die Straßen menschenleer.

Als er endlich am alten Supermarkt angekommen war, wo er schon so viele Jahre eingekauft hatte, musste er stutzen. Der Supermarkt war ein Familienunternehmen. Nicht sehr groß, aber immer mit genügend Auswahl, um sich und die Liebsten durchzubringen. Sie schienen sich auf jeden Fall diesmal etwas mehr Mühe mit der Dekoration gemacht zu haben. Vielleicht zum Ausgleich, zu der Spärlichkeit seines eigenen Hauses, schmunzelte er.

Er trat an die Tür, rüttelte, aber nichts geschah. Er schien schon zu zu haben.

John schaute auf die Uhr, stellte fest, dass es inzwischen 10 Uhr war. Verblüfft von der Tatsache, wie schnell die Zeit verstrich prüfte er, ob die Uhr auch wirklich richtig eingestellt war. Dabei fiel sein Blick auf den Glockenturm der städtlichen Kirche. Auch sie zeigte inzwischen einige Minuten nach 10 an. Langsam wurde John nervös, doch in dem Moment sah er sie wieder. Diese Gestalt, die aus Schatten zu bestehen schien. Er sah aus dem Augenwinkel, wie sie hinter den Supermarkt hervortrat, auf ihn zu kam. In dem Moment wurde seine Nervosität zu Panik. Er rannte weg, so schnell er nur konnte. Er rannte die Straßen entlang, schrie sogar, doch niemand schien ihn zu hören.

Er stoppte vor den Haus, schaute erneut auf die Uhr. Es war 11 Uhr.

„Was zur Hölle?“, flüsterte er.

In diesem Moment legte ich meine Hand auf seine Schulter. Ich, die dunkle, furchterregende Schattengestalt. Er erschrak, drehte sich um und stolperte augenblicklich zurück. Fiel hin, in das nasse Gras.

Ich schaute ihn ruhig an. Er war mehr als verwirrt, wahrscheinlich hätte ich früher eingreifen sollen, als jetzt.

„W- was willst du von mir?“, winselte John. Er tat mir leid.

„Ganz ruhig.“, versuchte ich in meiner tiefen Stimme ihn zu besänftigen, „Es wird alles Gut John.“

Noch größere Verwunderung breitete sich in seinem Gesicht aus.

„W- woher kennst du meinen Namen?“, stotterte er.

„Ich kenne nicht nur deinen Namen.“, kicherte ich, „Ich weiß alles über dich, momentan sogar mehr als du selbst.“

„Was meinst du damit? Was willst du von mir und vor allem: WER BIST DU?“

Ich sank meinen Blick, als ich meinen Schädel, der unter einer schattengleichen Kapuze versteckt war wieder zu seinem Angesicht strecke, blickt er mir durchdringend in meine leeren Augenhöhlen.

„Ich meine, dass du tot bist. Du bist heute vor 5 Jahren an einem Autounfall gestorben. Du hast deine Frau alleine in diesem großen Haus zurückgelassen und du bist im Jenseits gewesen. Doch jedes Jahr an Halloween, der Tag, der ironischerweise auch dein Todestag ist, kommt deine unruhige Seele wieder auf hier Erden und wandelt in dieser Stadt herum. Du weißt nicht, dass du tot bist. Der Übergang vom Jenseits zur Menschenwelt hat den lästigen Nebeneffekt, Erinnerungen zu löschen. Ich habe die Funktion nach dir zu schauen. Früher oder später, wirst du die Wahrheit erfahren und ich denke es ist besser, wenn dich dann sofort jemand… nun ja… zurückbringt.“

Sein Gesicht wurde grünlich, als er aufstand, näher an mich trat. Er hätte sich wohl am liebsten sofort erbrochen, doch er blieb stark.

„Jemand der mich zurückbringt?“, fragte er, „Du meinst, du bist…“

„Der Tod? Ja. Tatsächlich trage ich diesen Namen in dieser Welt.“

Er blickte mich einige Momente an. Dann bildete sich ein heller Schein in seinem Gesicht ab. Seine Erinnerungen kamen wieder.

„Schön dich zu sehen, alter Freund.“, gab er lächelnd zurück, „Ich habe dir doch keine allzu großen Probleme gemacht?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Mach dir darum keine Sorgen. Bist du bereit zu gehen?“

Ein Glockenschlag ertönte. Für uns Toten vergeht die Zeit manchmal schneller, als für die Lebenden. Die Dimensionen verschoben sich manchmal auf eine seltsame Art, dass es zu diesem Phänomen kam.

Mit einem letzten Blick zu seinem alten Haus, nickte er mir zu. „Lass uns gehen.“, flüsterte er und hielt mir seine Hand in.

Ich ergriff sie. Licht hüllte uns augenblicklich ein, verschlang uns und mit dem letzten Glockenschlag um Punkt 12, waren der Geist und ich aus der kleinen Stadt verschwunden.


Warum ich euch das erzähle? Nun, wie ihr wisst ist bald wieder Halloween. Und an Halloween laufen viele Geister umher, nicht nur die, die an diesem Tag gestorben sind. Natürliche gibt es auch andere Leute wie mich, die diese wiederum beschützen, nur…

Alles was ich sagen will, ist… benehmt euch anständig. Wer weiß, vielleicht schaut euch der Geist eures verstorbenen Verwandten dabei zu, wie ihr Gott weiß was anstellt. Aber keine Sorge, sie werden euch trotzdem lieben, egal was ihr tut. Es sind immer noch Menschen, wenn auch tote und lieben liegt in der Natur der Menschheit.

Was bleibt mir noch zu sagen, außer: Fröhliches Halloween!

Diversum (Diskussion) 13:54, 1. Jan. 2015 (UTC)

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