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Das verlangende Murmeln aus der Mitte des Zimmers wurde wieder lauter. Er konnte einfach keine Ruhe geben. Ich hatte ihn doch erst vor zwei Tagen gefüttert! Undankbares Stück Scheiße. Wütend warf ich Hektor einen missbilligenden Blick zu. Das schien er zu bemerken.

„Komm schon, Alter! Nick! Nur einen Happen!“ hörte ich ihn knurren.

„Nein, du Gierschlund. Hast erst vorgestern was bekommen.“

„Jajaja, das füllt doch kaum einen hohlen Zahn. Bitte! Bitte! Dann gebe ich auch Ruhe, versprochen!“

Ich verdrehte die Augen und kratzte die Reste meines Essens auf dem Teller zusammen. Geschnetzeltes. Die Nudeln sind mir diesmal nicht so gut gelungen, aber Hektor interessierte sich sowieso nur für das Fleisch.

„Scheisse Mann, Hähnchen?!“ fluchte er laut, als ich die kleinen Stücke in seinen gierigen Schlund warf.

„Du weißt, ich hasse Geflügel! Was, wenn ich Salmonellen bekomme? Hää?! Ist dir das egal? Willst wohl, dass ich krank werde! Arschloch!“

„Papa, du kannst nicht krank werden. Begnüge dich damit, oder du bekommst die nächsten zwei Wochen nichts anderes als Brokkoli.“

„DAS WAGST DU NICHT!“ schrie Hektor. Dann kicherte er, und sein Maul klapperte dann wie ein Lachen.

„Hihi, mach nur Spaß, Nick. Ich weiß doch, meine Nörgeleien lassen dich spätestens nach zwei Tagen einknicken, diesmal bin ich mal gnädig. Aber in zwei Tagen gibt’s wieder was Anständiges. Okay?“ säuselte der Quälgeist beinahe lieblich.


„Ja, schon klar, Hektor, aber kann nicht versprechen, dass es was Großes ist. Das Risiko wird langsam echt zu groß. Die Bullen sind mir schon auf der Spur.“

Ein Schmatzen, dann ein lauter Rülpser. So quittierte er meine Aussage.

Ich seufzte. Muss wohl doch heute noch mal los und Essen besorgen.


„Ich mach mich auf den Weg. Brauchst du noch was anderes, Hektor?“


„Kannst mir ein paar Pornohefte von der Tanke mitnehmen. Danke, Penner!“

Tief seufzend schloss ich hinter mir die Tür. Mein alter Wagen sprang nicht beim ersten Mal an. Wieder dachte ich, dass meine Aktion von vor drei Monaten nicht meine beste Idee war. Egal. Passiert ist passiert.


Ich besorgte einige Schmuddelhefte, ignorierte den angewiderten Blick der Kassiererin, packte die Energiedrinks und die Tütennudeln zu den Heften in meinen Beutel und verschwand wieder aus dem Laden.

Es war schon dunkel, und ich machte mich auf den Weg in Richtung des Straßenstrichs. Als ich mir die am abgewracktesten aussehende Nutte rausgepickt hatte, fuhr ich mit ebenjener nach Hause. Sie hatte nichts dagegen. Einen Fünfziger mehr, den sie verdienen würde. Dachte sie. Wir betraten meine Wohnung und, sie rümpfte gleich die Nase ob des Gestanks in der Bude. Die soll sich mal nicht so anstellen. Die Meth-Höhle, aus der sie gekrochen kam, roch sicher auch nicht wie ein Luxushotel.

„Papa!“ rief ich durch den Flur ins Wohnzimmer.

„Hab dir was mitgebracht! Wenn du dann endlich Ruhe gibst, meine ich.“


Die knurrige Stimme antwortet prompt.

„Ich dachte schon, du hast es vergessen! Danke, mein Junge! Bring sie her, kann sie beinahe schon riechen!“

„Hektor, lass dir Zeit. Es wird langsam wirklich eng, okay?“


„Ja, geht klar, Nick! Und nun bring sie her!!“


Zusammen mit der Meth-Hure ging ich nun in die Stube, wo mein Vater in der Mitte des Zimmers auf dem Boden wartete.

Sie begann zu schreien, zu flehen, aber ich drücke sie immer näher in Richtung des Mauls meines Vaters. Ein lautes Knacken, ein Schmatzen. Blut spritzt in alle Richtungen. Das Schreien der Nutte erstarb. Langsam kaute mein Vater den Rest des Abschaums, genoss jeden Augenblick. Dann ein Seufzen.


„Ohhh, Nick. Du bist so ein guter Sohn. Sorgst dich wirklich um mich und hast mir sogar ein Geschenk zum Geburtstag besorgt. Dankeschön! Ich dachte schon, du hast es vergessen.“

Ein Schniefen und der rührselige Tonfall entschädigte für die Schikanen der letzte Tage. Ich liebte meinen Vater trotz allem. Er konnte ja auch nicht dafür, dass er ständig hungrig war.


„Kein Problem Papa. Ich habe dir noch ein paar Hefte mitgenommen. Viel Spaß damit.“

Hektor klapperte und kicherte erneut und widmete sich ganz seiner Pornobeute.


Ich beobachtete das Treiben und dachte ein wenig nach. Hätte schlimmer sein können. Klar, mein Vater hatte nach seinem Tod einen ziemlichen Appetit auf Menschenfleisch bekommen und war noch griesgrämiger als vorher, aber immerhin war er noch hier. War ja ziemlich eilig, als er auf dem Sterbebett saß, das Ritual vorantrieb, das die Seele meines Vaters an diese Erde binden sollte. Dass es dann doch schneller ging als geplant, war sehr ärgerlich, aber war halt nichts anderes dagewesen, und so musste Papa sich eben mit dieser Form begnügen. Kann man ja ohnehin nicht rückgängig machen. Immer noch kichere ich, wenn ich daran denke, wie ich damals in Panik den nächstbesten Gegenstand geschnappt hatte und die Seele meines Vaters darin übertrug.


Ich meine, wer hat schon von einem fleischfressenden, pornosüchtigen, besessenem Mülleimer gehört?

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