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Das hier sind die letzten Worte, die man von mir lesen wird. Wenn euer Leben noch halbwegs in Ordnung ist, lest das nicht. Es macht euch nur kaputt. Das ist ein Grund, warum ich es schnell beende und mein Leid mit niemandem teile. Für die, die sich entschieden haben weiterzulesen, erzähle ich nun meine Geschichte. Es begann diesen Sommer. Ich zog in eine ältere Gegend. Ich war single, hatte mein Studium hinter mich gebracht und wollte nun in meine erste richtige Wohnung ziehen. Leider hatte ich kaum noch Geld, deshalb zog ich hierher. Die Wohnungen standen fast alle leer, zu meiner Verwunderung, denn sie waren in einem tadellosen Zustand.

Außerdem waren sie sehr günstig. Ich fackelte also nicht lange. Nachdem ich dort ein paar Monate verbracht hatte und mich nach Jobs erkundigt hatte, erfuhr ich im September endlich von einem freien Arbeitsplatz durch die örtliche Zeitung, die nur selten erschien. Um das folgende etwas zu erklären, muss ich dazu sagen, dass hier sehr wenige Menschen wohnen und ich einer der Einzigen war, die sich vor die Tür trauten, egal ob Tag oder Nacht. Die anderen schlossen sich ein und zogen die Gardinen vor die Fenster. Deshalb fand ich die Leere und Stille in den Straßen nicht allzu merkwürdig. Auch die Tatsache, dass das Firmengebäude heruntergekommen war, schreckte mich nicht ab. Ich war es von dieser Ortschaft gewohnt. Doch irgendwann hämmerte ich einfach gegen die Tür, da mir die Wartezeit langsam zu viel wurde. Da wurde plötzlich ein Zettel unter die Tür hindurch geschoben.

Dort stand folgendes: »Kurz vor Einbruch der Nacht erwarte ich Sie am Hintereingang. Falls Sie verfolgt werden, werde ich die Tür nicht öffnen.«

Das jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Doch das war völlig gleich, weil ich diesen Job echt benötigte. Ich kam also pünktlich kurz bevor die Nacht hereinbrach und wartete dort vor dem Hintereingang. Ich fühlte mich mit zunehmender Dunkelheit immer unwohler und als ich anfing mich beobachtet zu fühlen, dachte ich an die Worte auf dem Zettel zurück.

»Falls Sie verfolgt werden, werde ich die Tür nicht öffnen.« Wer sollte mich hier verfolgen, wenn doch eh niemand die Straßen bei Nacht betrat. Das "ES" der Grund war, warum niemand mehr auch nur einen Fuß nach Draußen setzte, kam mir noch nicht in den Sinn, da ich von dessen Existenz nichts ahnen konnte. Langsam bekam ich Panik. Auch raschelnde Büsche in der Umgebung machten es nicht besser, aber das war ja nur der Wind, redete ich mir ein. Da ging auf einmal die Tür auf. Ich betrat den Raum, wollte jedoch gleich wieder hinaus, weil er kaum größer als zwei Quadratmeter war, doch die Tür schlug zu. Ich blieb ruhig, zumindest versuchte ich es. Mein Gefühl sagte mir anderes zu als Ruhe. Und plötzlich fing etwas an der Tür zu kratzen, später auch dagegen zu schlagen. Etwas wollte hinein. Ich saß dort locker eine halbe Stunde, ganz ängstlich an die hintere Wand gedrückt, in der Erwartung, dass etwas jeden Moment die Tür öffnen könnte und zu mir käme. Statt dessen verstummten die Geräusche aber und die Wand hinter mir gab nach. Es war nämlich eine Tür ohne Griff, die sich nur über einen Mechanismus öffnen konnte. Ich rappelte mich auf und erkannte einen Mann, der von einem Tisch mit zwei verängstigten Menschen aufstand und auf mich zu kam. Er seufzte und meinte: "Tut mir leid Junge. Ich weiß, dass du einen Job willst. Das ist ja auch der Grund, warum du hier bist. Aber ich kann dich hier nicht einstellen. Du hast genug Aufmerksamkeit auf dich und uns gelenkt, okay?! Wir haben auch nur Angst vor ihr, kein Grund, um andere hier rein zuziehen!" Ich war verwirrt. Wovon sprach er? Doch meine Frage wurde schneller beantwortet als mir lieb war. Ein Lachen ertönte aus einer dunklen Ecke im Raum. Eine Frau kam aus der Ecke. Ihr Haar war lang und schwarz und ihr Gewand war voller Blut und Dreck. In ihrer Hand hielt sie ein Katana.

"Dieser junge Mann weiß überhaupt nicht wovon du redest. Aber das können wir ganz schnell ändern... Würdest du mir eine kleine Frage beantworten?"

Ich sah die panischen Blicke der anderen, dennoch nickte ich stumm. "Freut mich...also gut... Wenn du die Wahl hättest, was wärst du Täter oder Opfer?"

Ich verfiel nun in totale Panik. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, bis ich wieder zu den anderen sah. Sie hatten recht. Sie war mir gefolgt ich war Schuld. "Opfer." erwiderte ich kurzer Hand. Ich bemerkte, dass ich im nächsten Moment nicht mehr fähig war, mich zu bewegen. Dann erwartete ich meinen Tod in der Hoffnung alles richtig gemacht zu haben. Sie krümmte mir aber nicht ein Haar, sondern trat zu den Anderen, die ebenso regungslos da standen und zerschlug ihre Körper mit dem Katana.

"Warum? Ich wollte sterben, warum hast du das gemacht?" Sie verschwand und tauchte kurzer Hand neben mir auf.

Dann flüsterte sie in mein Ohr: "Ich fragte dich nicht, ob du sterben willst. Du wolltest ein Opfer dieser Tat sein. Du trägst jetzt die Schuldgefühle mit dir, obwohl du niemanden getötet hast, weil ich heute der Täter war. Aber eines Tages werde ich deinem Wunsch gerecht werden und dann werde ich daran leiden, wie du Täter wirst und dich ganz einfach umbringst...du glaubst mir nicht? Warte es ab... lange hältst du es leider nicht aus.."

Mit diesen Worten verschwand sie und ließ mich verwirrt zurück. Doch nun weiß ich, was sie gemeint hatte. Diese Schmerzen an denen man leidet, wenn man weiß, dass man Schuld ist, sind unerträglich... Ich kann das nicht mehr. Lacht mich ruhig dafür aus, dass ich schwach bin. Aber denkt an ihre Worte: "Was wärst du lieber: Opfer oder Täter?"

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