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Tiefste Nacht, ein eisiger Wind lässt die Bäume des Waldes erzittern. Der Schein des Mondes leuchtet spärlich durch die dichten Baumkronen und ist meine einzige Lichtquelle in dieser abscheulichen Finsternis.

Ein Geräusch, leise, doch nicht leise genug, um unbemerkt zu bleiben. Ich zuckte zusammen, doch fasste mich kurz darauf wieder; es war nur ein Eichhörnchen, eine der harmlosen Kreaturen, die nachts durch den Wald ziehen.

Schon seit Ewigkeiten wanderte ich durchs Gehölz, Stunden, Tage, Monate… Vielleicht sogar Jahre, ich weiß es nicht, so was wie ein Zeitgefühl oder einen Orientierungssinn besaß ich noch nie.

Ein schrecklicher Hunger nagte an mir, wie lange war meine letzte Mahlzeit her? Ich weiß es nicht. So vieles weiß ich nicht mehr, meinen Namen, wo ich herkomme oder wo ich überhaupt hin will, Hauptsache raus aus diesem verfluchten Wald, doch ich bin so hilflos.

Manchmal, wenn ich des Nachts einen Ausweg aus der endlosen Weite des Dickichts suchte, traf ich auf Menschen; zu meinem Pech waren all diese Leute nicht bei Sinnen, denn sie griffen mich an, hemmungslos, mit nur einem Ziel, mich zu töten, obwohl ich sie nie zuvor traf oder sonst irgendwas machte, was ihren Zorn auf mich ziehen könnte.

„Ich brauche unbedingt was zu essen. Mein Körper hielt diese Folter nicht mehr aus; wenn ich nicht bald hier raus komme, werde ich einen qualvollen Hungertod sterben. Ich…

Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, wieder Geräusche, doch diesmal waren sie lauter. Ich erstarrte vor Schreck, als ich sie sah. Zwei Personen, eine männliche und eine weibliche, wohl ein Paar. 

Ich atmete tief durch und gab mich zu erkennen. Mit Hoffnung erfüllt, dass sie mir vielleicht hier raus helfen würden, doch jegliche Hoffnung verschwand sogleich, als die Frau einen spitzen Schrei ausstieß, und der Mann sich mit einem Messer bewaffnet schützend vor sie stellte.

„Warum? Warum reagierte jeder so auf mich? Ist es, weil ich anders bin? Nur weil ich größer und dürrer bin als normale Menschen? Nur weil meine Haut sich langsam von meinen Knochen löst? Oder lag es an meinen blutunterlaufenen, tiefschwarzen Augen?“

Der Mann raste mit seinem Messer auf mich zu und versuchte es mir in die Körpermitte zu rammen. Trotz meines vom Hunger geschundenen Körpers und der daraus resultierenden Kraftlosigkeit schaffte ich es, ihm spielend leicht auszuweichen. 

„Genug!“ Eine plötzliche Wut überkam mich, und mit einer raschen Bewegung gruben sich meine Krallen tief in den Hals des Mannes. Er brachte nur noch ein leichtes Gurgeln hervor, bevor ihm das Blut aus Mund und Kehle lief und er sein Leben aushauchte.

Sein blutiger Kadaver ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen, und der letzte Funken Anstand verließ mich. 

Ich machte mich über seinen toten Körper her und riss ihm zuerst Fetzen für Fetzen die Haut ab, verschlang sein Fleisch bis zu den Knochen, und selbst seine Organe schlang ich gierig runter.

Warmes Blut lief an meinen Mundwinkeln herunter, und eine Zufriedenheit, wie ich sie vorher noch nie spürte, breitete sich in mir aus.

Ich schaute rüber zu seiner vor Angst erstarrten Freundin, mit einem Blick, der meine neu gewonnene sadistische Ader nicht einmal im geringsten darstellte und trotzdem reichte, um sie an den Rand des Wahnsinns zu bringen.

Langsamen Schrittes ging ich auf sie zu und flüsterte gerade noch so hörbar einen einzelnen Satz:

„Nun bin ich nicht mehr hilflos.“

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