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Ich weiß nicht genau wie er auf die Idee gekommen war, aber für diese Party hätte er sich keinen schlimmeren Ort aussuchen können. Es war noch früh am Morgen, als ich zum Treffpunkt ging und mir kam eine alte, traurig schauende Frau entgegen. Sie hatte wohl gerade das Grab ihres Mannes besucht und roch noch nach den Blumen, die sie wahrscheinlich mitgebracht hatte. Ich grüßte freundlich und ging den Pfad weiter entlang. Friedhöfe konnte ich noch nie leiden, genauso wenig wie das ganze andere Gruselzeug. Aber Rick liebte Horrorgestalten und alles was damit zu tun hatte.

An der alten Eiche am See stand er. Seine braunen Haare standen in alle Richtungen ab. Er trug ausgewaschene Jeans und einen grauen Pullover. „Hey Cassy!“ Er grinste breit und zog mich zu einer leicht geöffneten Gruft, dann drückte er die Tür auf und stellte sich stolz vor mich. Ich rollte mir den Augen „Ist das dein Ernst? Wir könnten dafür in den Knast gehen…“

Rick hob einen großen Müllsack auf einen der Särge, die in der geräumigen Gruft viel Platz hatten. „Stell dich nicht so an und hilf mir aufbauen. Mein Bruder hat gesagt, dass er hier auch schon gefeiert hat und dass das keinen juckt.“ Er wusste genau wie sehr ich Halloween hasste und trotzdem war ich hier und half Girlanden und billige Plastikspinnen in Netzen zu verteilen. Einen Sarg zweckentfremdeten wir zum Buffet, wo die Gäste ihre Mitbringsel platzieren konnten.

Wir stellten uns in die Tür um unser ‘Meisterwerk‘ zu begutachten. Es war hirnrissig aber ich musste zugeben, dass das die perfekte Location für eine echt gruselige Halloween Party war. „Rick ich glaube das ich heute Abend besser zu Hause bleibe, ich fühle mich echt nicht wohl“ Er schaute mich Böse an. „Cassandra, wenn du heute Abend nicht um 9 Uhr auf der Matte stehst, komme ich und hole dich. So eine Party kannst du dir nicht wegen deinem PMS entgehen lassen!“ Seufzend ging ich nach Hause um mich widerwillig fertig zu machen. Rick konnte bei sowas wirklich anstrengend sein und ich wusste, dass er unter keinen Umständen locker lassen würde.

Gegen Abend suchte ich dann eine Verkleidung. Ich hatte nicht wirklich viel was ich nutzen konnte, da ich Halloween für gewöhnlich nicht feierte. Ich durfte das mittelalterlich angehauchte Kleid meiner Großmutter anziehen und fand, wie ich vermutete, Kunstblut in Ihrer Gerümpelkiste. Meine Mutter half mir in das Korsett. Als ich fertig war, sah ich aus wie eine edle Vampirgräfin, die gerade ein Opfer ausgesaugt hatte. Doch die ganze Zeit fühlte ich mich unwohl und mein Vater gab mir ein paar blaue Pillen und schaute mich besorgt an. Ich hatte immer noch Angst zur Party zu gehen, was konnte ich denn dafür, dass der Zyklus genau auf dieses Halloween fiel.


Als ich über den Friedhof schlich, konnte ich schon dumpfe Musik hören und je näher ich an die Gruft kam desto lauter wurde sie. Vor der Gruft stand Rick in einem Blutiger-Koch-Kostüm. Er wedelte mit einem Kochlöffel vor einem Gespenst und einem Zombie-Girl herum. Als er mich sah, kam er aus dem Staunen kaum heraus. „Wow Cassy! Du siehst echt zum Schreien gut aus!“

Wir gingen in die Gruft wo viele ‘Monster‘ tanzten und lachten. Ohne mich umzudrehen sagte ich zu Rick: „Du, ich kann aber nicht so lange. Nur bis 11:30 Uhr.“  Da hörte ich wie die Tür der Gruft zuging. Die Musik ging aus und Rick sagte: „Danke, dass ihr alle gekommen seid. Wir feiern hier jetzt ‘ne mordsmäßige Party und vor 6 Uhr geht hier keiner nach Hause.“ Mit diesen Worten verschwand er in der Menge und mir wurde flau im Magen.

Nervös beobachtete ich durch ein Loch in der Decke den Himmel. Das Lachen und ausgelassene Feiern der anderen trug auch nicht gerade zur meiner Beruhigung bei. Abermals ging die Musik aus. Ein Junge im Skelettkostüm sprach einen Toast auf Rick aus. Vom weiten hörte man die Kirchenglocken schlagen.  Mit einem Schrecken stellte ich fest, dass die Turmuhr 12 schlug. Ich rannte zur Tür, doch ich bekam sie nicht auf. Panisch suchte ich nach meiner Tasche in der die Pillen waren, doch ich konnte sie nicht finden. Alle sahen mich an. Ich hatte versucht Rick zu warnen. Ihm mitzuteilen, dass er besser ohne mich feierte. Der Vollmond schien durch das Loch wie ein Scheinwerfer auf mich runter.

Ich spürte wie das Korsett platzte und mein Fell sprießte. Ich hörte die schrillen Schreie, während meine Zähne sich in das weiche Fleisch der Jugendlichen schlugen. Das Letzte, an das ich mich erinnere, sind die grünen, vor Panik weit aufgerissenen Augen von Rick. Danach wurde alles schwarz.

Ich schlage die Augen auf. Von meinem Bett aus blinzele ich gegen das Sonnenlicht. Ich hasse diese Albträume. Jeden Monat das gleiche. Ich reibe mir die Augen und schlage die Decke zurück um aufzustehen.

Da liegt Ricks Kochlöffel zerkaut neben mir.

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