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Die Aufregung treibt mir den Schweiß auf die Stirn und lässt ihn in kleinen Tropfen langsam an meinen Schläfen herunterrinnen. Mein erstes Date seit einem Jahr, endlich ist es so weit. Noch eine halbe Stunde, dann wird sie endlich hier sein, Jenny, die Frau, die sich auf ihrem Profil als Hundeliebhaberin und Kunstkennerin präsentiert, regelmäßig joggen geht und einen guten Wein zu schätzen weiß. Damals hatte es mich einige Überwindung gekostet sie anzuschreiben, nicht nur, weil sei weit außerhalb meiner Liga zu spielen schien, sondern auch, weil mein Profil nicht besonders viel hergab. Wer würde denn schon jemandem antworten, dessen persönliche Angaben eigentlich nur aus einem richtigen Satz bestanden? Würde das nicht total komisch wirken? Und hatte sie so was denn überhaupt nötig? Tausende Fragen, die mir damals wie ein wütender Mückenschwarm durch den Kopf schwirrten und juckende Stiche in meinem Hirn hinterließen. Aber sie hatte geantwortet. Danach hatte sich alles einfach perfekt entwickelt und jetzt würde sie gleich hier sein. Schnell wische ich meine Stirn trocken und gehe dann nochmal den Plan für heute Abend durch: sie begrüßen, danach etwas kochen, gemeinsam essen und sehen wie sich der Abend noch so entwickelt. Es kann losgehen.

Ich sehe ihr in die wunderschönen Augen, während ich fast schon beiläufig das Abendessen koche. Ich habe mich für ein altes Familienrezept entschieden, eine Suppe, die mir schon meine Oma immer gemacht hat, wenn es mir nicht gut ging und die seitdem mein absolutes Lieblingsessen war. Hoffentlich würde es ihr auch so gut schmecken. Erst als sie so stark blubbert, dass die heiße Flüssigkeit an meine Hand spritzt und mir die Haut verbrennt kann ich mich von Jennys Blick losreißen. Sie ist noch schöner als auf allen Bildern, die sie mir im Laufe unserer Bekanntschaft geschickt hatte.  Ihre dunklen Haare passen perfekt zu den haselnussbraunen Augen, von denen einen nur der Gedanke, ihre wunderschönen vollen Lippen zu küssen, abbringen kann. Ich tue uns beiden auf und serviere so, wie es mir in meiner Kindheit beigebracht wurde: erst die Dame, dann der Herr.  Danach setze ich mich ihr gegenüber und verliere mich für eine Sekunde in ihrem Gesicht. Gott, kann dieser Abend noch schöner werden?

Während ich meine Suppe schlürfe bemerke ich immer mehr, wie perfekt sie doch ist. Genau so, wie ich mir die Eine für mich immer vorgestellt hatte. Die Arme abgetrennt und an ihrer statt zwei blutige Stummel, die Ohren zerfetzt wie ein mottenzerfressener Anzug, die Zähne herausgerissen und wie eine Art himmlischer Kranz in ihre Kopfhaut gesteckt, die Haare von Blut verkrustet und die Augen so weit aufgerissen, dass ich von überall ihre bahnbrechende Schönheit betrachten kann. Natürlich war sie nicht so zu mir gekommen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr diese Veränderung gefällt, sonst hätte sie sich sicher die Messer aus den Händen gezogen, die sie am Stuhl halten, und wäre gegangen.

Nein, es gefällt ihr, ich weiß es. Sie muss es mir nicht sagen, schließlich sind wir doch Seelenverwandte. Hat sie zumindest immer gesagt. Das Einzige, was den Abend von meinen beinahe überhöhten Vorstellungen, die ich an ihn hatte, unterscheidet ist, dass sie bis jetzt noch nicht von der Suppe gekostet hat. Aber das muss sie auch nicht. Sie ist perfekt. Und ich kann es sogar ein wenig verstehen, irgendwie schmeckt sie heute ein wenig zu sehr nach...nun ja, Eisen. Ist nicht jedermanns Sache. Aber damit erfüllt sie jetzt auch das eine Kriterium, das ich auf meinem Profil angegeben hatte. Ich hatte schon Angst, sie würde mich falsch verstehen, schließlich denken dabei viele nicht direkt ans Kochen, aber anscheinend sind wir wirklich sowas wie seelenverwandt. Was für ein grandioser Abend, was für ein fantastisches Date. Sie werde ich bestimmt nicht gehen lassen. Ich nehme noch einen Löffel der Suppe und lasse sie genüsslich meine Kehle hinunterlaufen. Einfach perfekt, so wie es auf der Datingwebsite stand:


Ich stehe einfach auf heißblütige Frauen.

von Duschvorhang

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