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Was ich gerne tue, ist Beobachten.

Ich sitze da und ich beobachte. Manchmal draußen im Wald. Manchmal im Auto, hinten auf der Rückbank. Meistens aber im Haus.

Ich mag das Gefühl, wenn sich der Mensch geborgen fühlt, sicher und heimisch in seinen eigenen vier Wänden, wenn er oder sie sich nach Feierabend genüsslich auf dem Sofa ausstreckt, sich ein Glas Wein gönnt und seine Zeit mit einem Buch, dem Laptop oder dem Smartphone verbringt.

Dann komme ich und beobachte.

Zum Glück bin ich klein, so dass ich mich direkt hinter ihn setzen kann, auf die Lehne seiner Couch. Näher und näher gleite ich, bis mich nur noch wenige Zentimeter von ihm trennen. Wenn ich dann atme, weht ein zarter Hauch über seine Nackenhaare und meistens schreckt der Mensch dann kurz auf, greift sich an den Nacken oder wirft einen Blick zum Fenster, um zu prüfen, ob ein Windstoß durch das geöffnete Fenster kam.

Doch das Fenster ist geschlossen, denn ich komme auch so hinein, um zu beobachten.

Ich atme den süßen Duft. Diese Unwissenheit. Dieses Gefühl der Sicherheit.

Dann strecke ich langsam meine Hand aus, um die empfindliche Haut im Genick zu berühren. Nicht zu schnell. Und ganz sachte. So dass der Beobachtete meint, sich nur etwas eingebildet zu haben oder gedankenverloren nach einer Mücke schlägt.

Ich lausche dem Herzschlag. Ich betrachte den Menschen. Ich sehe jeden einzelnen Schritt. Und jedes Mal komme ich ein kleines bisschen näher.

Vielleicht berühre ich mit meinem Finger ganz zart die Wirbelsäule, fahre einige Zentimeter nach unten und lasse dann wieder von dem Menschen ab. Oder ich stelle mich neben ihn, nähere mich bis auf wenige Fingerbreit, so dass mein Atem ihn in seinem Ohr kitzelt.

Der Mensch gibt einen Laut des Schreckens von sich. Panisch dreht er sich um, starrt in meine Richtung, doch er sieht nichts. Und ich sehe ihn genau. Betrachtete ihn amüsiert, weide mich an seinen schreckgeweiteten Augen.

Ich mag diesen Moment, wenn aus dem ersten Unwohlsein blanke Angst wird, aus dem Unbehagen Panik.

Der Mensch läuft dann durchs Haus, schließt Fenster und Türen, reißt Schranktüren auf, sagt mehrmals laut „Hallo?“ und ruft vielleicht einen Freund an, um sich zu beruhigen.

Mich stört das nicht, denn ich habe Zeit. Ich sehe ihn mir so lange an.

Später, wenn er wieder ruhiger wird, wenn er nichts gefunden hat und sich schlafen legt, dann lege ich mich zu ihm und beobachte ihn, während er schläft. Welche herrliche Ruhe. Die geschlossenen Augen. Die feinen Wimpern. Der sorglose Ausdruck.

Wieder atme ich den süßen Duft und dann fange ich an, ihn zu wecken. Ein Kitzeln im Nacken. Ein Windhauch auf der Stirn.

Denn Appetit habe ich mir genug geholt. Jetzt habe ich Hunger.

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