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„Erinnerung… Wunderschöne Erinnerung…
Ich hasse sie…“


Ein langweiliger Schultag, wie immer. Erste Stunde, Bio. Thema: „Störungen des Maioseverlaufs“. Totaler Quatsch. Er saß da und langweilte sich. Wie jeden Tag. Dennis war wie immer noch nicht da. Er kam gerne mal zehn, zwanzig Minuten zu spät. Er klopft an die Tür, kommt rein, nuschelt irgendeine Entschuldigung und setzt sich hin. Normalerweise. Dieses Mal stürzte er panisch in die Klasse und stotterte irgendetwas von „Zombies“, „lauter Tote“ und „alle verschwinden“. Dann riss er die Augen weit auf und fing an zu schreien. Dabei zeigte er aus dem Fenster.

Natürlich sahen alle hin, und natürlich schrien sie, als plötzlich seltsam entstellte Wesen die Straße entlang liefen und wehrlose Passanten sowie eintreffende und auf sie schießende Polizisten schnappten, an den Beinen griffen, in der Mitte durchrissen und achtlos hinter sich warfen. Doch es waren keine Zombies. Sie waren etwa doppelt so groß wie 'normale' Menschen und man sah ihnen an, sie waren intelligent. Sie taten dies mit Wissen und einem Sinn.

Ein Fenster wurde von der verirrten Kugel eines Polizisten getroffen und zersprang mit lautem Klirren. Alle in der Klasse schrien. Bloß einer nicht. Alle rannten aus dem Klassenraum, als diese Wesen sie sahen und auf die Fenster zustürmten. Bloß einer nicht. Er blieb sitzen und starrte nach wie vor an die Tafel. Er lächelte. Endlich mal etwas Abwechslung. Die Lehrerin rief, er solle mitkommen, doch er ignorierte dies. Er stand erst auf, als das erste dieser Dinger am Fenster angekommen war und versuchte hindurchzuklettern. Die Lehrerin versuchte sich selbst zu retten du rannte so schnell sie konnte davon, doch er ging ganz ruhig aus der Klasse, aus dem Gebäude, vorbei an panisch schreienden und umherrennenden Schülern und Lehrern, ging ganz ruhig weiter, bis er die Grenze zwischen Schulgrundstück und Nicht-Schulgrundstück überquerte. Er holte tief Luft. Und dann rannte er. Er rannte schnell und gezielt zu einem Ort.

Er wusste, wohin er flüchten konnte. Mitten in der Innenstadt, also ganz in der Nähe, war der 'Busbahnhof', viele Haupt-Haltestellen, viele Busse, viele Menschen, viele Tauben, jeden Tag. Und dort, mittendrinn war auch das Kino. Da war er oft genug gewesen, sodass er sich genau auskannte. Auf dem Weg sah er mehr von diesen Wesen, und er sah auch, wie manche von ihnen sich einfach in Luft auflösten. Doch er blieb innerlich ruhig und hielt eine Angst zurück. Denn Angst ist das, was sie anlockt.

Er rannte weiter, blieb nicht stehen, rannte zum Kino, stürmte in die Eingangshalle, durch eine Tür mit der Aufschrift „Für Unbefugte verboten“, die Treppe zum Keller hinunter, raste durch die Dunkelheit, den Gang entlang und dann durch diese Tür. Und dahinter setzte er sich dann auf den Boden. Hier war er sicher. Er wusste, dies war ein leerer, grauer Raum ohne Fenster und Licht. Er war einfach da, er existierte. Mehr hatte dieser Raum nicht zu tun. Und in diesem Raum blieb er sitzen, schnappte nach Luft und beruhigte sich erstmal. Körperlich beruhigen. Innerlich blieb er nach wie vor ganz ruhig.

Er wusste, dass dies passieren würde. Auf jedem Planeten mit einigermaßen intelligenten Lebewesen passiert das einmal. Sie kommen und räumen auf. Sie entfernen das Leben. Der Planet wird andersseitig gebraucht. Sie infizieren einige Exemplare der dominanten Spezies auf dem benötigten Planeten und dann verbreitet sich die Krankheit innerhalb weniger Stunden auf dem ganzen Planeten aus. Der Rest erledigt sich von selbst. Nach einiger Zeit zersetzt sich der Körper von selbst. Von innen heraus, das bringt die meisten Schmerzen. Allein die kleinste Berührung reicht, und selbst in totem Zustand wird alles nach nur ein paar Minuten zersetzt. In der Zeit töten sie einfach nur. Sie tun nichts anderes, sie töten nur. Sie zerstören nur selten etwas und lassen sonst alles, wie es war. Wenn es vorbei ist, ist nichts mehr von ehemaligen Lebewesen zu sehen. Alles sieht einfach nur so aus, als wäre es verlassen. Normalerweise finden sie auch alle, doch wenn man es richtig anstellt, ist man für sie unsichtbar. Und er wusste, wie man es richtig macht.

Er nahm sein Handy aus der Hosentasche, setzte sich seine Kopfhörer auf, machte sich Musik an und legte sich hin. Er stellt Musik nur selten sehr laut ein, doch dieses Mal musste er es tun. Er brauchte die Gefühlslosigkeit, die ihn dann immer überkommt. So lag er dann da und hörte Lied für Lied. Stunden vergingen, während die schönen Klänge der Lieder von Dame, Skrillex, B.o.B. und Panic! At the Disco seine Angst nahmen. Dann hatte er alle Alben durch. Er nahm die Kopfhörer ab. Stille. Kein Geräusch drang von außerhalb herein. Er stand auf und tastete sich durch die Dunkelheit zur Tür, öffnete sie vorsichtig und sah in den spärlich vom Ende der Treppe beleuchteten Flur. Niemand. Er ging den Flur entlang und die Treppe hinauf, langsam durch die Eingangshalle des Kinos. Manche der Bildschirme mit den Informationen wann und wo ein Film als nächstes läuft, waren noch an. Er achtete nicht auf sie und trat aus dem Kino.

Der Busbahnhof, der sonst von Menschen überfüllt war, lag ruhig und verlassen da, kaum eine Spur eines Kampfes. Noch nicht einmal die Tauben pickten auf dem Weg herum, auf der Suche nach den wenigen Krümeln, die so fallengelassen werden. Alles war leer.

Er sah sich nicht großartig um, er wollte einfach nach Hause. Was sollte er sonst auch tun? Er setzte sich seine Kopfhörer wieder auf und ging weiter. Er ließ zufällig Lieder laufen, die er sich einmal von YouTube geholt hatte, von solchen Leuten wie myuu, Alex S. oder Aftermath. Dabei ging er langsam die Straßen entlang, die Strecke, die sonst immer der Bus fahren würde, in dem er normalerweise mitfuhr. Viele der Lieder bargen wunderbare Erinnerungen. So liefen ihm bei dem einen oder anderen Lied auch ein paar Tränen die Wangen herunter, bei dem Gedanken an schönere Zeiten, vor der kleinen Hölle, die er die letzten Monate durchmachte. Vorsichtshalber hob er die herumliegende Pistole eines nun toten Polizisten auf, auch wenn er wusste, dass es nichts bringen würde. Er wusste, er hatte nun niemanden mehr. Alle waren weg. Und sie würden nie wieder kommen. Irgendwann wäre auch alles andere weg, Strom und Wasser sind nicht mehr verfügbar, Lebensmittel wären schlecht. Er müsste ums Überleben kämpfen. Doch das wollte er nicht. Bei manchen Liedern sang er leise mit, so gut wie es unter den Tränen ging. So ging er im roten Licht der untergehenden Sonne weiter und dachte nach.

Nach einer ganzen Weile war er bei der Einfahrt zu seinem Haus angekommen. Er ging zur Haustür, öffnete sie, begleitet von „Wind's Wreck“, und trat ein. Wie erwartet war niemand da. Der Fernseher lief noch. Er schaltete den Fernseher aus, und ging nach oben in sein Zimmer. Dort legte er sich auf sein Bett und fing an zu schreien und zu weinen, wie noch nie zuvor. Pure Verzweiflung schoss durch seinen Körper, als ihm wieder klar wurde, dass nun alle, die er liebte, alle, die ihm etwas bedeuteten, und auch alle anderen weg waren. Für immer. Tot. Er war allein.

Seine Gedanken richteten sich plötzlich auf die Pistole in seiner Hosentasche. Er hatte schon so oft darüber nachgedacht, wie es ist, tot zu sein. Nun war er kurz davor, es herauszufinden. Wird es wirklich so sein, wie er es sich vorstellt? Sein Wunsch war es, danach in eine andere Welt zu kommen, in eine Welt seiner Wahl. Am liebsten würde er nach Equestria kommen und in Ponyville glücklich weiterleben. Er wollte mit Pinkie Pie ein paar Cupcakes backen, Big Macintosh im Weinkeller beistehen, Rainbow Dash in der Rainbow Factory aushelfen oder einfach ein 'normales' Leben mit den anderen Ponys führen. Er glaubte daran, es schaffen zu können, denn er war fest davon überzeugt, dass alles, was irgendwann irgendjemand ausdenkt, in diesem Moment Wirklichkeit wird. Es musste noch nicht einmal auf diesem Planeten sein, aber irgendwo sicher. Irgendwo lebt wirklich ein sprechender Schwamm namens Spongebob am Meeresgrund, irgendwo entführt ein Slenderman Kind für Kind und irgendwo leben auch diese bunten Ponys glücklich miteinander. Dort würde nun bald auch er sein.

Er nahm sich die Pistole und hielt sie sich an den Kopf. Eine letzte Freudenträne lief seine Wange herab und er sprach nur noch einen Satz.


„Ich bin frei…“


Dann drückte er ab. Das letzte, was er hörte, war die wunderbare Melodie von „Equestrian Dream“. Er hoffte, dass seine Träume von Equestria nun endlich Wirklichkeit werden würden.

Sein rotes Blut glitzerte im fast genauso roten Licht der untergehenden Abendsonne.
Nun ist der Planet bereit für die nächste Rasse.

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